Griechenland Das große Grexit-Spiel

Die Zeit läuft ab für Griechenland. Anfang April muss das Land 400 Millionen Euro überweisen. Unklar, wo das Geld herkommen soll. Doch Anleger kümmert das nicht. Sie spekulieren massiv auf eine Rettung in letzter Minute.
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Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Quelle: Getty Images
Alles setzen oder alles verlieren?

Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Zahlen vom griechischen Aktienmarkt sprechen für sich: Fast die Hälfte des Wertes hat der griechische Auswahlindex ASE in den vergangenen zwölf Monaten verloren – trotz einer Aktienhausse in den USA und Europa.
Von dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank profitierten die griechischen Aktien überhaupt nicht. Im ersten Quartal gab der ASE 6,5 Prozent nach.

Und die Bankaktien, von denen die meisten nur noch den Wert eines Pennystocks haben, erreichten am 19. März ein neues Rekordtief. Der griechische Aktienmarkt war der einzige in Europa mit einem Verlust im ersten Quartal 2015.

Im Gegensatz dazu stiegen die Aktienmärkte in Deutschland, Italien und Portugal in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent. Der umfassende Euro Stoxx 600 legte um 17 Prozent zu. Es war der größte Quartalsgewinn seit 2009.

Doch trotz dieser miserablen Zahlen am Aktienmarkt im Tsipras-Land und der ungewissen Aussichten, ob die Griechen in der Euro-Zone bleiben können und nicht doch Insolvenz an melden müssen: Anleger kaufen verstärkt griechische Aktien. „Diese Investoren möchten die ersten im Markt sein“, meint Andreas Kontogouris von der Investmentgesellschaft Beta Securities gegenüber Bloomberg. Sie sind offenbar mutig genug, um schon Wetten auf eine bessere Zukunft einzugehen. Schließlich sind hohe Renditen möglich, sollte das Land sich reformieren. Für Kontogouris gibt es durchaus eine Chance, dass Griechenland im Juni mit Reformen beginnt.

Nach Informationen des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg ziehen börsengehandelte Indexfonds (ETF) jede Woche neue Gelder an. Auch der ETF des Anbieters Lyxor (WKN LYX0BF) wird seit Ende Februar 2015 verstärkt nachgefragt.

Das ausstehende Volumen an Fondsanteilen des passiven Investmentvehikels, das die Wertentwicklung des Auswahlindex Athex 20 nachbildet, ist seitdem deutlich gestiegen. Es beläuft sich derzeit auf 180 Millionen Stück. Im November und Dezember 2014, noch vor den Wahlen im südeuropäischen Land, belief sich das Volumen bei 150 bis 160 Millionen Stück.

„Einige versuchen, das schnelle Geld zu machen“
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24 Kommentare zu "Griechenland: Das große Grexit-Spiel"

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  • Die Spekulanten sehen das ganz richtig: Griechenland wird WIEDER und WIEDER in letzter Minute gerettet werden, ganz einfach weil es DAS Credo der Euromantiker gibt, daß keiner raus DARF. Daher: Alles easy peacy. Das haben wir alle mittlerweile verstanden.
    Was mich aber wirklich interessieren würde, ist, WAS sich eine wie auch immer geartete griechische Regierung tatsächlich leisten müßte, um rausgedrängt zu werden. Müßten sie Juncker, Schäuble oder Merkel auf offener Bühne als "Arschlöcher" titulieren? Ich glaube, daß selbst das keinen Grexit verursachen würde. Das Credo gilt. Offenbar für immer. Wenn Juncker schon sagt, daß er Griechenland niemals fallenlassen würde, obwohl er noch nicht eine einzige tragfähige Reformliste von ferne gesehen hat, dann spricht das doch Bände.

  • Ich persönlich bin stark in oben erwähnten ETF eingestiegen. Wieso? Weil jede Krise auch eine Chance bedeutet. Man möge sich nur mal den MERVAL-Index von Argentinien anschauen und was dort nach der Krise ab 2002 passierte. Von daher bin ich auch gerne Long eingestellt. Auch Argentinien hatte damals einen Regierungswechsel. Sicherlich führt das Dauerbashen in den Deutschen Medien zu einem Vertrauensverlust in die neue Regierung. Blendet man aber mal manipulierte Deutsche Medien aus, dann ergibt sich mir erst mal ein Bild einer neuen Regierung, die sehr gewillt ist, Auswege zu finden. Die Wege mögen sicherlich diskutabel sein, die Terminfrequenz der einzelnen Protagonisten ist aber für mich beeindruckend. Von daher glaube ich an ein Wiederaufstehen des ATHEX Composite und freue mich noch über jede schwache Hand, die sich über donnernde mediale Kanonen herausdrücken lässt. Aber eigentlich sollte man ja, wenn die Kanonen donnern,....
    Auch verbinden viele den Grexit oder die Zahlungsunfähigkeit mit einem implodierenden Kursverlauf. Nun, schaut euch den MERVA an ;-) Nach der Insolvenz stand der MERVAL 10 Jahre später 20mal so hoch. Alleine durch seine geografische Lage als mögliches Tor in den Osten oder nahen Osten und seinen noch ungeborgenen Ressourcenschätzen wird Griechenland profitieren. Sicherlich ist obiger ETF noch eine Zockerwiese (man siehe nur den Verlauf der letzten Wochen), die werden aber verschwinden, wenn die Medien das Signal bekommen, mit dem Dauerbashing aufzuhören, damit der Kurs von der Leine gelassen werden kann und da sich gerade hier ein immer größerer Kaufdruck aufbauen wird, wird der Kurs...

  • @Norbert Valder: gänau härr Valder! dan würdn wia nähmlich auch lärnen das Mann for den komma unt den Vragezaichn kein leerställe machen tud!

  • Ich bin gerade am Bauen. Durch den schwachen Euro sind bestimmte Holzprodukte zwischen 30% und 100% teurer geworden. Was passiert wenn wieder verstärkt Öl nachgefragt wird ?

  • Spanien ging allein seit dem 1800 Jahrhundert acht Mal pleite. In Hessen sind alle 245(!?) Städte und Gemeinde verschuldet, teils so hoch dass der sog. Rettungsschirm aufgespannt werden muss. 2027 heisst es dann 'Armenhaus Europa'. Zumindest wird man nicht über Deutchland sprechen. Ist ja auch was.

  • Mein Tip zur Sanierung der griechischen Staatsfinanzen.

    Die Griechen sollten "GREXIT" als Würfelspiel rausbringen, analog "Monopoly", nur daß es bei "GREXIT" nicht um die Immobilien in der Schlossallee geht, sondern um das möglichste effektive Anschnorren der Mitspieler und um das Erfinden möglichst unverschämter Formen der Insolvenzverschleppung. Nur das mit "Gehen Sie in das Gefängnis, begeben Sie sich sofort dorthin und ziehen sie keine 5 MRD von der EU ein." sollte ggfs. von "Monopüoly" über nommen werden. Denn das gibt es ja im "wirklichen Leben" nicht mehr.....

    Mit den Einnahmen aus dem Hütchenspiel können die Griechen ihre Schulden noch in der nächsten Woche KOMPLETT abtragen.

    Sorry! :-D :-D

  • @Robert Behrendt
    Sehe ich auch so. Aber was will man machen, wenn man Griechenland und andere "unterentwickelte" Industrie-Wirtschaftsländer in eine Währung und in ein Wirtschaftssystem zwängt, für das das Land gar nicht vorgesehen ist, weil noch nicht reif dafür.
    Und so sicher ist unser wirtschaftlicher Erfolg = sozialer Wohlstand auch nicht mehr in Deutschland. Die deutsche Politik unter Merkel verspielt gerade die Zukunft und den sozialen Wohlstand mit ihrer marktfeindlichen Energiewende/EEG Politik, mit ihren Energieeinsparzwang und ihrer alternativlosen Rettung der EUR-Zocker-Bankenrettung = ESM (Maastricher Vertragsbruch). Auf die deutsche Gesellschaft werden ncoh schwere Zeiten zukommen....die Poltiik mischt sich in Deutschland zu sehr in unsere Marktwirtschaft / Gesellschaft mit ihren marktfeindlichen Gesetzen (EEG, Energieeinspargesetz, ESM) ein. Und das Deutschland die Kernkraft so "dämonisiert" ist für die Zukunft unserer Gesellschaft auch nicht gerade hilfreich. Im Gegenteil....die Kernkraft wird in Zukunft eine wichtige Stütze für die weltwetie Weiterentwicklung unserer menschlichen Gesellschaft sein.

  • Weil Herr Fitz Yoski nicht vom Steuerzahler gerettet wird falls die Spekulation ins Auge geht. Bei GS, Deutsche Bank & Co sieht das ganz anders aus. Da darf der Steuerzahler ran falls die sich verspekulieren weil systemrelevant und alternativlos.

  • @ Marc Hofmann
    Mir geht's nicht um die Überschüsse, sondern um die deutschen Importdefizite!

    „Wir sollten allein aus folgenden Gründen ein essentielles Interesse daran haben, das Importdefizit deutlich zu reduzieren:
    1. Bleiben auf Dauer die Überschüsse in der Leistungsbilanz bzw. insbesondere der Handelsbilanz, dann kommt irgendwann zwangsläufig der Zeitpunkt, dass “das Ausland” Teile seiner Schulden gegenüber Deutschland nicht mehr wird bezahlen können. Wir übersehen nämlich, dass wir uns bei aller Exportstärke in die Position eines immer schwächer werdenden Gläubigers hineinmanövrieren.
    2. In Deutschland hat offenbar die Investionsneigung abgenommen. An den Zinsen oder einer Zurückhaltung der Banken bei Kreditvergabe kann es in Deutschland nicht liegen. Aber vielleicht sonnen sich zu viele Unternehmen in den währungsbedingten Wettbewerbsvorteilen der letzten Jahre.
    Die sehr hohen Auslandsguthaben – aka Schulden ausländischer Unternehmen und Staaten bei deutschen Gläubigern – haben uns bereits in den letzten Jahre Kopfschmerzen bereitet. Wenn die Investitionsneigung tatsächlich zu niedrig ist oder gar weiter zurückgeht, dann wird uns das in ein paar Jahren alle treffen.
    Im Prinzip müsste Deutschland für ein paar Jahre wieder ein Defizitland werden. Diese Zeiten gab es einmal. Daran erinnert Acemaxx Analytics und verweist auf die 1990er-Jahre. Aber selbst, wenn Deutschland gar nichts tut, die oben genannten Punkte 1. und 2. werden irgendwann zu einer Umkehr führen. Freilich wird uns diese Form der Umkehrung nicht schmecken.“
    (Quelle / Zitat: http://www.carta.info/67373/debatte-um-deutsches-importdefizit-mit-falschen-prioritaten/)

  • Ihr Hinweis auf die Rechtschreibung trifft den Nagel auf den Kopf. Vielleicht lag es an der fehlenden Rechtschreibkorrektur, dass die gr. Regierung nicht in der Lage war, einen Reformplan zu formulieren.

    Bei den Sophisten wird solange debattiert, bis keiner mehr weiß was wahr und was falsch ist. In dieser Tradition sehe ich die griechische Regierung.

    PS: Mir ist ein Elektriker lieber, der sein Handwerk beherrscht und die Leitungen richtig verkabelt, als ein Handwerker der mit Rechtschreibung glänzt, aber farbenblind ist.

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