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H2O und Equity Income Anleger ziehen massenhaft Kapital aus bekannten Fonds ab

Massive Kapitalabflüsse belasten die Fonds bekannter Manager wie Bruno Crastes oder Neil Woodford. Das wirft einen Schatten auf die gesamte Branche.
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Anleger wenden sich ab. Quelle: H20
Fondsmanager Bruno Crastes

Anleger wenden sich ab.

(Foto: H20)

London Bruno Crastes hatte stets eine besonders hübsche Legende zu seinem Firmennamen parat: Seine Fondsgesellschaft heiße H2O, weil sie so transparent sei wie Wasser, pflegte der in London lebende Franzose zu erzählen. Als die britische Tageszeitung „Financial Times“ jedoch kürzlich einen hohen Anteil illiquider Anleihen in sechs H2O-Fonds enthüllte, bekam der Name eine andere Bedeutung: Plötzlich floss das Kapital schneller ab als Wasser. Binnen weniger Tage verloren die Fonds fast sieben Milliarden Euro.

Es war bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb eines Monats in London. Anfang Juni musste der britische Starmanager Neil Woodford seinen „Equity Income Fonds“ sogar vom Handel aussetzen, um weitere Abflüsse zu verhindern. 3,5 Milliarden Pfund an Anlagekapital sind seither eingefroren, Hunderttausende Anleger kommen nicht an ihr Geld.

Am Montagabend gab die Firma bekannt, dass dieser Zustand noch mindestens 28 Tage anhalten werde. Er verstehe, dass die Anleger frustriert seien und an ihr Geld wollten, sagte Woodford in einer Videobotschaft. Aber man nutze die Zeit, um die Liquidität zu verbessern.

Die Probleme der beiden bekannten Fondsmanager sind nicht nur ärgerlich für die betroffenen Anleger. Sie lösen eine allgemeine Vertrauenskrise aus und setzen auch andere aktive Vermögensverwalter unter Druck. „Wir bekommen mehr Nachfragen zu illiquiden Anlagen“, berichtet ein Fondsmanager in London. „Die Anleger sind nervös.“ Er verbringe viel Zeit damit, die Kunden zu beruhigen, dass seine Fonds liquide seien.

Bei H2O haben sich die Abflüsse zuletzt angeblich verlangsamt. Die Fonds seien „zu 98 Prozent liquide“, beteuert Crastes. Anders als Woodford musste er seine Fonds bisher nicht vom Handel aussetzen. Analysten sehen die Tochter der französischen Investmentbank Natixis daher nicht in ihrer Existenz gefährdet.

Doch die Zweifel bleiben. Denn die Liquiditätsprobleme sind eine Folge der langen Niedrigzinsphase. Auf der Suche nach Rendite nehmen Fondsmanager zunehmend höhere Risiken in Kauf. Je schwerer verkäuflich eine Beteiligung, desto höher die Rendite. Crastes wurde berühmt mit riskanten Einsätzen auf dem Bond-Markt: Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise kaufte er griechische und italienische Staatsanleihen – und realisierte später hohe Gewinne. Zeitweise warfen seine Fonds mehr als 30 Prozent Rendite ab.

Eine Abwärtsspirale

Zum Verhängnis wurden ihm nun riskante Anleihen für Firmen des umstrittenen deutschen Unternehmers Lars Windhorst. Rund ein Zehntel des Kapitals der sechs Fonds soll Crastes in die sogenannten „Windhorst-Bonds“ angelegt haben. Nach dem „FT“-Bericht am 18. Juni warnte die Fonds-Ratingagentur Morningstar vor einem „hohen Konzentrationsrisiko“ und setzte eine Abwärtsspirale in Gang.

Der „Equity Income Fonds“ wurde vom Handel ausgesetzt. Quelle:  Bloomberg
Manager Neil Woodford

Der „Equity Income Fonds“ wurde vom Handel ausgesetzt.

(Foto:  Bloomberg)

Auch Woodford galt lange als genialer Investor. Seinen Ruf als „Stockpicker“ hatte er sich beim Fondsgiganten Invesco erarbeitet. Als er sich 2014 selbstständig machte, folgten ihm viele loyale Anleger. In Anlehnung an US-Investor Warren Buffett, dem „Orakel von Omaha“, wurde Woodford auch das „Orakel von Oxford“ genannt.

Um seinem Ruf gerecht zu werden, ging er immer höhere Risiken ein. Laut dem Indexanbieter MSCI waren bis zu 80 Prozent der Anlagen in seinem Equity Income Fund schwer verkäuflich. „Selbst wenn der Fonds alle nicht börsennotierten Investments abgestoßen hätte, wäre das Portfolio immer noch extrem illiquide gewesen“, sagt MSCI-Experte Laszlo Hollo.

Für die Bestimmung illiquider Anlagen legt MSCI die schärfere Definition der US-Börsenaufsicht SEC zugrunde. Demnach gelten alle Investments, die nicht innerhalb von einer Woche zu verkaufen sind, als illiquide. Das schließt auch Börsenpapiere mit ein. Die EU hingegen sieht alle Anlagen als liquide an, die an irgendeiner Börse gelistet sind, egal, wie oft sie gehandelt werden.

Auf dem Papier konnte Woodford so die Vorschrift einhalten, dass Ucits-Fonds maximal zehn Prozent ihres Portfolios in illiquide Anlagen investieren dürfen. Seine Beteiligungen waren zum Teil an der Börse auf der Kanalinsel Guernsey notiert. Die Quittung bekam der einstige Starmanager dieses Jahr.

Nach einer durchwachsenen Performance verloren die Anleger zunehmend den Glauben an seine Fähigkeiten und zogen ihr Kapital ab. Als Anfang Juni auch der öffentliche Pensionsfonds der Grafschaft Kent seine Einlagen von 260 Millionen Pfund zurückforderte, zog Woodford die Reißleine. Er stoppte alle Auszahlungen.

Der radikale Schritt erschüttert nun das Vertrauen in die gesamte Branche. Aktive Fondsmanager stehen ohnehin unter Druck, weil seit Jahren immer mehr Kapital in die günstigeren passiven Indexfonds abfließt. „Woodford war eine Galionsfigur der Branche“, sagt ein Londoner Fondsmanager. Die Enttäuschung über ihn werfe nun einen Schatten auf den ganzen Sektor.

Woodford und Crastes sind derzeit um Schadensbegrenzung bemüht und schichten Anlagen um. Im Fall von Woodford wird jedoch bezweifelt, dass er seinen Fonds je wieder öffnet. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Fonds in Schieflage gerät. Von den 80 Billionen Dollar Anlagevermögen weltweit sind 30 Billionen Dollar in offenen Fonds investiert.

Diese locken Investoren mit dem Versprechen, dass sie ihr Geld jederzeit zurückhaben können. Wenn aber zu viele Anleger wegen schlechter Performance gleichzeitig ihr Kapital abziehen wollen, bekommen die Fonds möglicherweise Liquiditätsprobleme. Der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, fand vergangene Woche klare Worte. „Diese Fonds sind auf einer Lüge aufgebaut“, sagte er vor dem Finanzausschuss des Unterhauses.

Den Anlegern werde suggeriert, sie könnten ihr Kapital täglich abziehen, während die tatsächliche Liquidität des Fonds eine ganz andere sei. Es bestehe die Gefahr, dass Kunden dächten, ihr Fonds-Investment sei wie ein Girokonto. Carney forderte daher schärfere Auflagen für Fondsmanager: Die Auszahlungsregeln müssten an die Liquidität der Anlagen angepasst werden. MSCI-Experte Hollo hofft, dass die Aufseher tätig werden. „Die EU sollte klarer definieren, was eine illiquide Anlage ist“, sagte er. Als Vorbild nannte er die amerikanische SEC.

Mehr: Im vergangenen Jahr haben viele Fondsmanager Anleger enttäuscht. Dem Trend widersetzten sich nur zwei Ausnahmen. Eine Fondsbilanz.

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