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Indexfonds Der Rabattkampf bei den Fondsgebühren eskaliert

Die großen Fondshäuser bieten ihre einfachen Indexprodukte immer billiger an. Der Konkurrenzkampf und der Druck der Anleger treiben die Preise nach unten.
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Experten schließen neue Null-Gebühren-Fonds in Europa nicht aus.
Fonds ohne Gebühren

Experten schließen neue Null-Gebühren-Fonds in Europa nicht aus.

Frankfurt Auf dem Papier gibt es die Null schon. In den USA wagte sich das große Fondshaus Fidelity im Sommer vor: Es bietet seitdem mehrere Indexfonds ohne Gebühr an. Jeder Privatanleger mit einem Konto bei dem Verwalter kann die Produkte handeln.

„Damit hat Fidelity einen Stein ins Rollen gebracht“, glaubt Timo Pfeiffer vom Indexentwickler Solactive. Für die Branche ist das ein Tabubruch. Wenn Anleger nichts mehr für die Produkte zahlen, die sie kaufen, dann stellt das die bisherige Fonds-Welt auf den Kopf.

Jahresgebühr null Prozent? Die Gebühren fallen schon seit Jahren immer weiter. Treiber sind der harte Konkurrenzkampf unter den Vermögensverwaltern und der Druck großer Investoren wie Pensionsfonds. Die Vision innovativer Denker aus der Branche geht jetzt aber noch weiter.

Sie erwarten solche Null-Fonds schon bald auch in Europa. Und Index-Experte Pfeiffer geht noch einen Schritt weiter: „Wird das Rennen zur null tatsächlich bei null enden?“ Seine klare Antwort lautet: „Nein. Es wird negativ werden.“ Pfeiffer steht mit seiner Meinung nicht allein. Inigo Fraser-Jenkins vom Fondshaus Alliance Bernstein in London ist davon ebenfalls überzeugt: „Darauf warte ich.“

Die Gedanken drehen sich vor allem um die börsengehandelten Indexfonds, die „Exchange Traded Funds“. Solche ETFs gibt es in Europa seit Anfang des Jahrtausends. Vor allem dank ihrer niedrigen Gebühren sind sie populär.

ETFs kosten Anleger nur wenig Aufwand

Anbieter können die Fonds billig anbieten, weil sie kein Geld beispielsweise für Analysen oder Fondsmanager ausgeben müssen. Diese Produkte sind so zusammengesetzt wie etwa ein Euro Stoxx 50 oder Dax, können daher von einem Computer gesteuert werden.

Das Geschäft mit den klassischen aktiven Fonds, bei denen Manager das Depot steuern, ist dagegen weit aufwendiger. Hier müssen die Privatanleger etwa bei Aktienfonds in der Regel mit Jahresgebühren zwischen einem und zwei Prozent rechnen.

ETFs dagegen verlangen nur einen Bruchteil. Aktien-ETFs in Europa kosten laut einer Statistik des Analysehauses Morningstar im Schnitt 0,37 Prozent. Die Gebühren sind in den vergangenen Jahren bereits gefallen. Produkte auf breite und populäre Messlatten wie einen Euro Stoxx 50 sind mit 0,15 Prozent noch billiger.

Der Wettstreit zwischen aktiven Managern und passiven Indexfonds scheint vorerst entschieden zu sein. Anleger investieren frisches Geld seit Jahren vor allem in Indexfonds. Viele aktiv verwaltete Fonds verlieren dagegen Kapital. Dabei spielen auch die Folgen der Tiefzins-Welt eine Rolle.

Gebühren verschlingen einen wachsenden Anteil an den Brutto-Anlageerträgen. Nach langen Jahren des Aufschwungs an den Wertpapiermärkten stärkt die Aussicht auf künftig geringere Gewinne an den Finanzmärkten die Indexprodukte.

Die Fondsanbieter suchen inzwischen nach einem Ausweg aus der Gebührenklemme – mit neuen Produkten. Sie offerieren offensiv ETFs für Indizes, die nach anderen Kriterien zusammengesetzt sind als die populären Messlatten, die Einzelwerte nach Börsenwert gewichten. Dafür verlangen sie höhere Gebühren.

Branchenexperten sprechen von „Smart Beta“-Ansätzen. Amundi etwa startete einen ETF für Aktien von Firmen mit Rückkaufprogrammen. Die Anfangsgebühr von 0,25 Prozent hat der französische Anbieter bereits auf 0,15 Prozent gesenkt. Fraser-Jenkins glaubt: „Bei solchen Indizes arbeitet auch nur ein Computerprogramm, deshalb werden auf diesem Feld die Gebühren am stärksten sinken.“

Pensionsfonds schauen immer mehr auf ihre Kosten

Denn der Druck wächst. Die größte Macht unter den Investoren haben die Adressen, die viele Milliarden anlegen, etwa Pensionsfonds. „Die schauen immer mehr auf ihre Kosten und verhandeln darüber mit ihren Geldverwaltern härter als früher“, beobachtet Matthias Hübner, Partner bei der Beratungsfirma Oliver Wyman.

Diese Anleger sind daher bisher schon die Vorreiter im Kampf um tiefere Gebühren gewesen. „Sie können bei Verwaltern in Einzelfällen ETF-basierte Mandate bereits für 0,0025 Prozent oder weniger durchdrücken“, berichtet Philipp Koch, Asset-Management-Experte bei der Unternehmensberatung McKinsey.
Solche Sätze liegen nur noch hauchdünn über der Null. Auch im breiten ETF-Geschäft mit allen Kundengruppen ist der Weg zu dieser Marke nicht mehr weit.

Weltweit gibt es bereits über 400 Produkte mit Jahresgebühren von weniger als 0,2 Prozent. Berater Hübner hält es für möglich, dass schon im nächsten Jahr die ersten Produkte „unter null“ kommen.

„Ein neuer Verwalter könnte mit einer negativen Gebühr versuchen, einen Fuß in den Markt zu setzen. Mit so einer Aktion hätte er natürlich die große Aufmerksamkeit und die Schlagzeilen, um sich bekanntzumachen, vor allem bei privaten Anlegern“, glaubt er. Geld einzusammeln wäre das Ziel. Die Grenzen solcher Aktionen seien jedoch klar: „Eine Dauerlösung wäre das schwerlich, denn es würde teuer.“

Bei niedrigeren Gebühren und erst recht bei negativen Sätzen stellt sich die Frage nach der Finanzierung bei den Anbietern. Alliance-Bernstein-Mann Fraser-Jenkins hat einige Ideen: „Es geht über die Einnahmen durch Wertpapierleihe in den Fonds, über den Börsenhandel mit den Produkten, oder die Häuser könnten von den Kunden Geld für Beratungsleistungen zur Vermögensverwaltung verlangen.“

Indexspezialist Pfeiffer findet noch andere Möglichkeiten. „Man kann einem gewonnenen Fondskunden vielleicht andere, teurere Produkte verkaufen. Die Möglichkeit hat zum Beispiel Fidelity.“ Hier öffnet sich eine neue Dimension. „Ein wirklich großer Fonds liefert Daten, die der Anbieter zum Vorteil verwenden kann“, sagt Pfeiffer. Google als Suchmaschine habe daraus ein eigenes Geschäftsmodell gemacht.

Indexanbieter haben gewaltige Gewinnmargen

Große Anbieter wie die globalen Indexfonds-Marktführer Blackrock und Vanguard rechnen jedoch nicht mit einer aus ihrer Sicht so desaströsen Gebührenentwicklung. Das gilt auch für eine Adresse, die eine einschlägige Erfahrung gemacht hat: die Deutsche Bank.

Vor neun Jahren brachte sie einen Euro-Stoxx-50-ETF mit Nullgebühr. „Es war aber schnell klar, dass das nicht funktioniert“, sagt Eric Wiegand von der Bank-Fondssparte DWS. Er begründet auch warum: „Es gab keinen Umsatzschub. Und der Kunde denkt sich irgendwann: Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“

Nach einer Umstellung des Fonds mussten außerdem Lizenzgebühren an den Indexanbieter gezahlt werden. Deshalb wurde die Gebühr einige Jahre nach dem Null-Experiment auf 0,09 Prozent gesetzt.

Denn die Indexanbieter verlangen von Produktanbietern Gebühren, wenn die ihre Markennamen verwenden. Das sind laut Pfeiffer bei den bekannten Adressen häufig Kosten von 0,03 bis 0,05 Prozent. „Solche Indexanbieter haben immer noch enorme Gewinnmargen von teilweise über 70 Prozent. Denen droht ebenfalls Disruption.“ Es gab bereits Fälle, in denen Fondshäuser aus Kostengründen den Indexanbieter gewechselt haben.

Die Vision vom Indexfonds zum Nulltarif oder sogar dem Produkt, bei dem es noch Geld obendrauf gibt, illustriert die anfällige Lage der Asset-Manager. Koch von McKinsey rechnet nach einer langen Periode von Rekordgewinnen für die deutschen Vermögensverwalter im laufenden Jahr mit einem Knick in der Entwicklung. Turbulente Märkte drücken auf Fondskapital und Einnahmen, verschärfen so den Konkurrenzkampf.

Das Standbein der meisten Asset-Manager bilden zwar die aktiv gesteuerten Fonds mit hohen Gebühren. Im nächsten Schritt könnte aber auch dieser margenträchtige Bereich mit hohem Aufwand bei Personal und Research vor einem Umbruch stehen.

„Das Fondsmanagement wird immer stärker automatisiert, Algorithmen sind auf dem Vormarsch, das spart Personal“, beobachtet Hübner. So wandle sich das aktive Management bei sinkenden Kosten und hohem Wettbewerb: „Dann könnten wir sogar dort negative Gebühren sehen.“

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