Indexfonds Nach dem Rausch droht der Absturz

In den USA haben Indexfonds einen erstaunlichen Höhenflug hingelegt. Nun warnen immer mehr Marktkenner vor den Gefahren der ETFs. Auch Privatanleger sollten wachsam sein: Es droht eine wirtschaftliche Überhitzung.
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Immer mehr Experten warnen vor Gefahren von börsengehandelten Indexfonds, sogenannten ETFs. Quelle: IMAGO
Eine Falle für Anleger?

Immer mehr Experten warnen vor Gefahren von börsengehandelten Indexfonds, sogenannten ETFs.

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New YorkDer bekannte Blog Zerohedge neigt hin und wieder zu apokalyptischen Warnungen. Aber die Autoren hinter dem Pseudonym „Tyler Durden“ stecken tief in den Kapitalmärkten und sind daher durchaus ernst zu nehmen.

Jetzt warnt der Blog vor einer Blase mit dem Namen ETF: Das ist die Abkürzung für börsengehandelte Fonds. In den letzten zwölf Monaten haben die Anleger Fonds dieser Art im Wert von 18,2 Billionen Dollar gehandelt. Das ist mehr, als das amerikanische Bruttoinlandprodukt beträgt, sagt Durden.

Der Vergleich mit dem BIP klingt erschreckend, hat aber eigentlich keine Aussagekraft. Und er sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere Bereiche des Kapitalmarkts, etwa Devisen oder Derivate, viel höhere Volumina bewegen.

Aber die Entwicklung der ETFs ist schon berauschend, und daher immer wieder Anlass zu Warnungen gewesen. Die US-Notenbank (Fed) hat sich zeitweise Sorgen gemacht, dass hochgehebelte ETFs, also Fonds mit Schulden, die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten. Eine sehr akademische Studie von Fed-Experten vom vergangenen Jahr gab dann Entwarnung. Vor kurzem hat aber bekannte Investor Carl Icahn Blackrock-Chef Larry Fink in aller Öffentlichkeit vorgeworfen, die ETFs aus seinem Haus seien gefährlich.

Man muss in dem Zusammenhang zweierlei unterscheiden. Einmal erleichtern ETFs den Ein- und Ausstieg in einzelne Bereiche des Kapitalmarkts, deswegen werden sie ja immer beliebter, und das gerade auch bei Großinvestoren. Sie sind preisgünstig und ermöglichen auf einen Schlag den unkomplizierten Zugriff zum Beispiel auf ein ganzes Sortiment von Hochzinsanleihen. Gerade diese Griffigkeit kann aber im Krisenfall dazu führen, dass die Anleger sich noch schneller aus einem Markt zurückziehen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat berichtet, dass große Fondsgesellschaften wie Vanguard sich daher schon Kreditlinien bei Banken besorgt haben, um im Krisenfall selber eingreifen und Kurse stützen zu können. Früher haben Banken diese Funktion übernommen, aber seit die nicht mehr für eigene Rechnung handeln dürfen, sind sie weitgehend raus aus dieser Art von Kurspflege.

Der zweite Punkt betrifft im Grunde nicht nur ETFs, sondern alle Arten von Derivaten. Wenn immer mehr abgeleitete Produkte statt der „unterliegenden“ Wertpapiere gehandelt werden, dann trocknet der Markt, von dem alles abhängt, aus. Wenn die Investoren nur noch Aktien-Optionen statt Aktien handeln würden oder nur noch ETFs auf Hochzinsanleihen statt der Anleihen selber, dann ist das irgendwann so instabil wie ein Haus mit einem riesigen Dach, aber ohne Fundament.

Was spricht für, was gegen Aktien?
Pro: Kursgewinne
1 von 8

Wer zum richtigen Zeitpunkt einsteigt, dessen Einsatz lohnt sich allein dank steigender Kurse. Wer zum Beispiel Anfang 1997 zur Rückkehr des Firmengründers Steve Jobs 1000 Dollar in Papiere des am Boden liegenden Computerbauers Apple steckte, ist heute mehr als 200 000 Dollar reicher. Apple ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt.

Pro: Dividenden
2 von 8

Viele Unternehmen beteiligen ihre Anteilseigner am Geschäftserfolg. Bei Europas größtem Versicherer Allianz fällt die Gewinnbeteiligung für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 besonders üppig aus: Der Münchner Dax-Konzern schüttet 6,85 Euro Dividende je Aktie aus. Viele andere Dax-Konzerne heben ihre Dividende an. K+S hebt sie um 25 auf 90 Cent, Continental will statt 2,50 nun 3,25 Euro je Aktie ausschütten.

Pro: Miteigentümer
3 von 8

Wer Aktien kauft, kauft einen Unternehmensanteil. Mit dem Geld werden neue Geschäftsideen oder der Ausbau des bestehenden Geschäfts finanziert. Das trägt im Idealfall auch dazu bei, dass Arbeitsplätze geschaffen werden oder zumindest erhalten bleiben. Angesichts des schwachen Euros und der damit verbundenen verbesserten Ausgangslage des Exportgeschäfts, kann man als Miteigentümer eines Exportunternehmen Geld verdienen.

Pro: Anlagenotstand
4 von 8

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Davon profitieren zwar Kreditnehmer, andererseits wird die bei vielen Deutschen so beliebte Geldanlage auf Sparbuch, Tagesgeld- oder Festgeldkonten kaum noch belohnt. Dass die Menschen zunehmend selbst fürs Alter vorsorgen müssen, zwingt sie dazu mehr Risiko einzugehen. Für ein annehmbares Risiko bekommen sie auf dem Aktienmarkt akzeptable Renditen.

Kontra: Aufs falsche Pferd setzen
5 von 8

Die „Volksaktie“ Telekom startete im November 1996 bei 28,50 Deutsche Mark (14,57 Euro) und kletterte bis März 2000 auf umgerechnet knapp über 100 Euro. Aktuell ist die T-Aktie noch gut 17 Euro wert. Fachleute raten ohnehin dazu, Geld nicht nur in einen Titel zu stecken, sondern möglichst breit zu investieren und die Aktien mehrerer Unternehmen ins Depot zu nehmen, um Schwankungen ausgleichen zu können. Ein zu breite Streuung ist allerdings ebenfalls nicht erbaulich für das Depot, da sonst Gewinne durch Verluste anderer Titel vernichtet werden können.

Kontra: Zum falschen Zeitpunkt einsteigen
6 von 8

Gerade Kleinanleger lassen sich oft von einem Börsenhype mitreißen und steigen ein, wenn die Kurse schon vergleichsweise hoch sind – etwa, weil dann viel darüber berichtet wird. Profi-Investoren machen dann längst schon wieder Kasse und sorgen durch Verkäufe dafür, dass die Kurse wieder sinken. Daher sollten Kleinanleger sich über die Aktienmärkte nicht erst informieren, wenn viel auf ihnen los ist, sondern bereits vorher.

Kontra: Gebühren
7 von 8

Börsenbetreiber und Banken verdienen beim Kauf und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen mit. Verbraucherschützer kritisieren, die Gebührenstruktur sei bisweilen unübersichtlich – zulasten der Kunden.

Hin und wieder ist sogar schon die Theorie vertreten worden, dass Aktienmärkte unnatürlich wenig Schwankungen aufweisen, weil die Investoren die Papiere nicht verkaufen, wenn die Risiken steigen, sondern sich stattdessen über Derivate absichern.

Was bedeutet das für Anleger? Es wäre ein Fehler, jetzt auf ETFs zu verzichten. Aber es ist schon wichtig, sich den Markt genau anzuschauen, auf dem sie jeweils aufbauen. Und sich nicht zu täuschen: Wenn der unterliegende Markt einfriert, dann bieten die ETFs auf einmal auch keine echte Liquidität mehr.

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