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Indexumstellung Den Anleihemärkten droht ein China-Schock

Die Aufnahme der Volksrepublik in den wichtigsten Anleihe-Index der Welt ist nicht nur eine Formalie. Experten warnen: Es könnte zu einem Ausverkauf kommen.
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Knapp sechs Prozent aller Anleihen lauten künftig auf Yuan (Renminbi). Quelle: AP
Chinesische Anleihen

Knapp sechs Prozent aller Anleihen lauten künftig auf Yuan (Renminbi).

(Foto: AP)

Frankfurt Steigende Zinsen, höhere Volatilität, sinkende Liquidität: Die Aussichten für Anleihen im kommenden Jahr sind mau. Und aus Sicht von Hayden Briscoe, der bei UBS Asset Management die Anleihestrategien für Asien verantwortet, kommt eine weitere Belastung hinzu. Eine, von der Briscoe sagt, sie könnte „einen Ausverkauf an den Märkten auslösen“.

Briscoe warnt vor den Folgen einer Neuordnung des Bloomberg Barclays Global Aggregate Indexes, dem weltweit wichtigsten Barometer für Anleihen von Staaten und Unternehmen mit guter Bonität aus den Industrie- und Schwellenländern. Ab Ende März 2019 nimmt der Indexbetreiber Bloomberg dort chinesische Anleihen auf.

Das Land wird sofort ein Index-Schwergewicht: Knapp sechs Prozent aller Anleihen lauten künftig auf Yuan (Renminbi). Damit wird die chinesische Währung die viertgrößte Währung im Global Aggregate nach Dollar, Yen und Euro. Gleichzeitig könnte China sogar auf Rang drei der im Index am stärksten vertretenen Länder vorrücken. Bislang kommen gut 39 Prozent der Zinspapiere aus den USA, 17 Prozent aus Japan und knapp sechs Prozent aus Frankreich.

Das Problem: „Ausländische Investoren sind noch immer dramatisch unterinvestiert in China“, sagt Briscoe. Bislang liegt der Anteil ausländischer Investoren am drei Billionen schweren chinesischen Anleihemarkt bei zwei Prozent. Im Zuge der Indexumstellung dürften allein durch passive börsengehandelte Indexfonds (ETF), die den Global Aggregate nachbilden, 125 Milliarden Dollar nach China fließen, schätzt David Schnautz, Produktstratege für Anleihe-ETFs beim Vermögensverwalter Blackrock.

Und nach Schätzungen von Briscoe dürfte es noch deutlich mehr werden: Auch aktive Fonds, die sich an dem globalen Schuldenbarometer orientieren, müssten bald chinesische Bonds kaufen. Für die werde die Indexumstellung ein Schock, sagt er: „Nur wenige sind darauf vorbereitet, in großem Stil Renminbi zu kaufen.“ Hinzu kommt: China soll auch in den Bloomberg-Schwellenlandindex aufgenommen werden – und dort künftig sogar zehn Prozent des gesamten Indexgewichts ausmachen. Briscoe rechnet daher mit Zuflüssen von mehr als 300 Milliarden Dollar nach China.

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Aus Sicht von Anleiheinvestoren in den USA und Europa könnte die Indexumstellung kaum ungünstiger kommen. Die US-Notenbank Fed dürfte den Leitzins bis dahin noch mindestens zwei Mal angehoben und ihre Bilanz weiter abgebaut haben. Fed-Chef Jay Powell hat Mitte der Woche zwar überraschend den Eindruck erweckt, es könnte im kommenden Jahr etwas langsamer mit Zinserhöhungen weitergehen. Gleichzeitig müssen die USA aber die Steuerreform von Präsident Donald Trump mit milliardenschweren Anleiheemissionen finanzieren. Die schwindende Unterstützung durch die Notenbank und das steigende Angebot könnten die US-Anleiherenditen weiter steigen lassen.

In Europa sieht es ähnlich aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) will zum Jahresende 2018 ihr Anleihekaufprogramm beenden und im kommenden Jahr langsam die Zinswende einleiten. Fragile Schuldner wie Italien können sich nicht länger auf die Unterstützung durch die Notenbank verlassen. Wenn in diesem Umfeld noch Milliarden aus den USA und Europa abfließen und nach China geleitet werden, könnten die Anleiherenditen weiter steigen, befürchtet der UBS-Manager Briscoe: „Es kann ziemlich schlimm werden.“

Gute Bonität für die Volksrepublik

Blackrock-Experte Schnautz hält es ebenfalls für wahrscheinlich, dass die Aufnahme Chinas zulasten der übrigen Emittenten im Index geht. „Der Kuchen bleibt gleich groß. Wenn ein Stück davon nach China geht, fehlt es an anderer Stelle“, sagt er. Mit einem Zufluss in chinesische Anleihen rechnen Strategen auch, weil zumindest chinesische Staatsanleihen als relativ sicher und attraktiv gelten.

Die großen Ratingagenturen bewerten die Bonität der Volksrepublik mit der fünftbesten Bonitätsnote „A“. Angesichts dieser guten Bonität sind die Renditen von 3,4 Prozent für zum Beispiel zehnjährige chinesische Anleihen für viele Investoren zumindest einen Blick wert. UBS Asset Management jedenfalls hält chinesische Staatsanleihen derzeit für am attraktivsten im ganzen Anleiheuniversum.

Zumindest technisch dürfte die Umstellung des Indexes aber kein Chaos auslösen. „Ich gehe davon aus, dass die Indexanpassung einigermaßen geräuschlos abläuft. Die Marktteilnehmer hatten genug Zeit, sich darauf einzustellen“, betont Schnautz. Auch Eric Weigand, ETF-Experte beim Fondshaus DWS, erwartet eine reibungslose Indexumstellung: Der chinesische Anleihemarkt sei bereits etabliert. „Großer Druck von außen kann dort kaum für Verwerfungen sorgen. Wenn internationaler Bedarf nach Renminbi-Anleihen besteht, kann der schon heute weitestgehend bedient werden.“

Für UBS-Asienexperte Briscoe ist die Anpassung des globalen Bond-Indexes allerdings nur der erste Schritt zu einer neuen Dominanz Chinas auf dem Anleihemarkt. Nicht nur der Staat, auch staatliche Unternehmen sowie Provinzregierungen werden verstärkt Anleihen ausgeben, erwartet er. „Wir gehen davon aus, dass sich der chinesische Anleihemarkt in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wird.“ Damit könnte noch mehr Kapital aus den USA und Europa ab- und nach China fließen – und die Renditen weiter steigen lassen.

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