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Internationaler Währungsfonds IWF warnt vor Finanzrisiken – „Gespenst eines stärkeren Abschwungs“

Risiken für die Finanzstabilität könnten weiter zunehmen – der IWF warnt vor den möglichen Folgen eines harten Brexits und den Handelskonflikten.
Update: 10.04.2019 - 16:46 Uhr Kommentieren
In einem lockeren geldpolitischen Umfeld könnten die Schulden weltweit steigen, warnt der IWF. Quelle: dpa
IWF

In einem lockeren geldpolitischen Umfeld könnten die Schulden weltweit steigen, warnt der IWF.

(Foto: dpa)

Berlin/WashingtonTrotz der kräftigen Erholung an den globalen Kapitalmärkten in den ersten drei Monaten 2019 sieht der Internationale Währungsfonds eine lange Liste von Gefahren für die Stabilität des internationalen Finanzsystems. Sollte sich abzeichnen, dass die Verlangsamung des weltweiten Wachstums stärker als erwartet ausfällt, könnte sich die Stimmung der Investoren „abrupt verschlechtern“, warnt der IWF in seinem aktuellen Global Financial Stability Report.

Den gleichen Effekt könnte eine unerwartet strengere Geldpolitik der Notenbanken in den USA und in Europa auslösen. Das gleiche gilt für eine Verschärfung der politischen Risiken wie dem Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China oder dem Brexit.

Alles in Allem sieht der IWF nach den heftigen Turbulenzen an den Kapitalmärkten Ende 2018 ein gemischtes Bild. Insgesamt würden die Bedingungen an den Finanzmärkten die Gesamtwirtschaft noch immer stützen, allerdings befinde sich der globale Kreditzyklus mittlerweile in einem weit fortgeschrittenen Stadium und die Anfälligkeit wächst gleich in mehreren Regionen.

Besondere Sorgen bereiten dem Währungsfonds die steigenden Schulden der Unternehmen in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Die Kreditwürdigkeit vieler Schuldner habe sich deutlich verschlechtert. Als Indiz nennt der IWF, die Verdoppelung der Zahl der Unternehmensanleihen mit schlechter Bonitätseinstufung seit der Finanzkrise in Europa und den Vereinigten Staaten.

Eine spürbare Abkühlung der Konjunktur oder eine deutliche Verschlechterung der finanziellen Bedingungen könnte die Fähigkeit der Unternehmen ihre Schulden zu bedienen beeinträchtigen, heißt es im Stabilitätsbericht.
Die nach wie vor enge Verbindung zwischen den Staaten der Eurozone und dem Finanzsektor ist für den IWF ein weiteres Risiko.

Vor allem die Probleme in Italien hätten die Sorge vor einem Teufelskreis neu angefacht. Die Angst vor einer empfindlichen Abkühlung der Konjunktur sorgt für Wertverluste von Staatsanleihen, diese Einbußen schlagen auf die Kapitalpuffer der Banken durch, die die Papiere in großem Umfang in ihren Büchern haben. Die Banken können deshalb weniger Kredite vergeben, was die Wachstumsaussichten der Gesamtwirtschaft zusätzlich belasten würde.

Der Wertverlust von Staatsanleihen könnte auch Versicherer in Mitleidenschaft ziehen, warnt der IWF. Weil die Konzerne ebenfalls zu den größten Käufern von Staatsanleihen gehören, und darüber hinaus auch stark in Bank- und Unternehmensanleihen investiert haben.

Vor einer besonderen Herausforderung sieht der IWF China. Auf der einen Seite müsse die Regierung in Peking angesichts des schwelenden Handelskriegs mit den USA kurzfristig das Wachstum stützen. Auf der anderen Seite müsse die Volksrepublik aber auch das ungezügelte Kreditwachstum bremsen, um Risiken für das Finanzsystem abzuwenden.

Vor allem kleinere und mittlere Banken seien gefährdet. Außerdem wachse die Bedeutung Chinas für andere Schwellenländer. Durch die Aufnahme des Landes in die globalen Anleiheindizes könnten bis 2020 rund 150 Milliarden Doller zusätzlich in die Volksrepublik fließen, schätzt der IWF. Solche an Indizes geknüpften Kapitalströme sieht der Währungsfonds als potenzielles Risiko für alle Emerging Markets.

Das Volumen von Investitionen, die sich an den Indizes großer Anbieter wie MSCI orientieren, habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf 800 Milliarden Dollar vervierfacht. Da Index-Investoren sensibler auf Veränderungen der finanziellen Bedingungen reagieren, fürchtet der IWF, dass sich Marktturbulenzen in anderen Regionen der Welt schneller in Richtung der Schwellenländer ausbreiten könnten.

Als weiteres Risiko für die Finanzstabilität haben die Volkswirte des Währungsfonds den Anstieg der Immobilienpreise und die Gefahr eine abrupten Korrektur an diesem Markt identifiziert. Im Financial Stability Report schlägt der IWF eine neue Methodik zur Messung von Risiken am Immobilienmarkt als Frühwarnsystem für Wirtschafts- und Finanzkrisen vor. Zu den gefährdeten Regionen zählt der Fonds zum Beispiel China.

Um eine abrupte Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern schlägt der Fonds eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen vor. Die Notenbanken sollten jede Änderung ihrer geldpolitischen Richtung klar kommunizieren. Für Finanzrisiken anfällige Länder sollten sich möglichst früh daran machen, einen „wirtschaftspolitischen Werkzeugkasten“ zur Vorsorge gegen neue Krisen zu entwickeln. Außerdem sollten die Staaten und die Unternehmen daran arbeiten, ihre Verschuldung abzubauen, und schließlich müssten die Schwellenländer ihre Auslandsverschuldung so in den Griff bekommen, dass Kapitalabflüsse nicht zu heftigen Turbulenzen führen.

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