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Interview Kreditfonds werden in Deutschland immer wichtiger – und aggressiver

Ohne die Finanzkrise wären private Kreditfonds undenkbar, sagt Kreditexpertin Kirsten Bode. Deren Bedeutung wächst – und damit die Risiken.
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Kirsten Bode ist Co-Europachefin für den Bereich „Private Debt“ beim Vermögensverwalter und Kreditspezialisten Muzinich & Co. Die 42-jährige Managerin begann ihre Karriere 1999 bei Morgan Stanley und arbeitete bei der US-Bank unter anderem im Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A).
Kirsten Bode

Kirsten Bode ist Co-Europachefin für den Bereich „Private Debt“ beim Vermögensverwalter und Kreditspezialisten Muzinich & Co. Die 42-jährige Managerin begann ihre Karriere 1999 bei Morgan Stanley und arbeitete bei der US-Bank unter anderem im Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A).

Frankfurt Frau Bode, warum erlebt der Markt für private Kreditfonds solch einen Aufschwung?
Das hat vor allem mit dem schrittweisen Rückzug der Banken aus dem Kreditgeschäft zu tun. In den USA, wo die Konsolidierung unter den Geldhäusern schon viel weiter ist, sind private Kreditfonds absolut üblich als Ersatz für die Banken. Man könnte auch sagen, ohne die Finanzkrise 2008 mit dem Untergang von Lehman Brothers wäre der steile Aufstieg der Kreditfonds undenkbar gewesen.

Heißt das, dass wir in Deutschland noch Nachholbedarf haben?
Ja, absolut, hier ist Spielraum nach oben. In den USA bestreiten die Kreditfonds rund 80 Prozent des Neugeschäfts, in Europa sind es erst 30 bis 40 Prozent. Mit dem internationalen Regelwerk Basel IV, das die Kapitalanforderungen für die Banken verschärft, wird sich das Vorrücken der Debt Funds wohl noch beschleunigen.

Die Kreditfonds spielten bisher vor allem bei Übernahmefinanzierungen eine Rolle. Wie sieht es bei den Investitionskrediten aus?
Das Geschäft rückt zunehmend ins Blickfeld. Wenn ein Mittelständler eine kleinere Maschine kaufen will, dann schließt er dafür wahrscheinlich einen Leasingvertrag ab. Aber bei größeren Vorhaben kommen die Kreditfonds ins Spiel.

Momentan gehen viele neue Anbieter in den Markt. Sehen Sie die Gefahr einer Überhitzung?
Es gibt in einigen Segmenten tatsächlich eine Übersättigung im Markt. Bei Unternehmen mit einem operativen Gewinn von 15 bis 30 Millionen Euro gibt es sehr, sehr viele Fonds, die hier tätig werden möchten. Dort finden sich durchaus Anbieter, die die Gunst der Stunde nutzen wollen, um schnell noch größere Summen bei institutionellen Investoren einzusammeln.

Wie gefährlich ist denn der Trend zu immer lockereren Konditionen bei der Vergabe der Kredite? Im englischen Fachjargon nennt man diese Praxis Covenant Lite.
Es gibt Statistiken, die sehen den Anteil von Covenant-Lite-Deals heute bei 80 Prozent, vor einigen Jahren waren es nur 30 Prozent. Das ist natürlich nicht ungefährlich. Vor allem bei sehr großen, syndizierten Krediten sind die Verpflichtungen der Schuldner extrem gelockert worden.

Bestehen nicht große Risiken, wenn die Zinsen demnächst steigen?
Bei zu hohen Schulden auf der Bilanz können Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Viele Fonds sichern sich aber gegen diese Risiken teilweise ab. Trotzdem wird es Ausfälle geben, wenn die Leitzinsen angehoben werden. Kreditfonds, die dann Probleme bekommen, werden keine weiteren Fonds auflegen können und sind in der Folge für professionelle Anleger nicht mehr interessant.

Welche Trends sehen Sie für das kommende Jahr?
Die Marktsättigung führt zu wahrscheinlich nochmals gelockerten Konditionen. Wahrscheinlich werden viele Anbieter noch aggressiver werben, auch über die Höhe der Kreditzinsen. Aber letztlich lässt sich dies nicht unbegrenzt fortführen, denn die Rendite muss am Ende auch für die Kreditfonds stimmen. Schließlich sollte diese mittelfristig höher sein als an den Aktien- und Rentenmärkten.

Frau Bode, vielen Dank für das Interview.

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