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Amundi-Zentrale in Paris

Der Vermögensverwalter ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

(Foto: Reuters)

Interview mit Valerie Baudson Fondsgesellschaft Amundi deutet Interesse an Deutsche-Bank-Tochter DWS an

Die Chefin des weltweiten ETF-Geschäfts von Europas größter Fondsgesellschaft Amundi schließt im Interview eine mögliche Akquisition der Deutsche-Bank-Tochter nicht aus.
Update: 28.03.2019 - 13:43 Uhr Kommentieren

München Europas größte Fondsgesellschaft, Amundi, hat Interesse am deutschen Marktführer DWS angedeutet. „Amundis Geschichte ist eine Geschichte starken organischen Wachstums, ergänzt durch erfolgreiche Akquisitionen wie die von Pioneer Investments“, sagte Amundi-Vorstandsfrau Valerie Baudson dem Handelsblatt auf die Frage nach einem möglichen Kaufinteresse an der DWS.

„Dank des offenen Plattform-Modells und der Erfahrung bei Fusionen, kommt Amundi eine natürliche Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Marktes zu.“

Erstmals äußert sich die französische Fondsgesellschaft damit indirekt zu einem möglichen Interesse an der DWS. Die im vergangenen Jahr an die Börse gegangene DWS zählt zu den Kronjuwelen der Deutschen Bank. Angesichts der Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank wird jedoch über einen möglichen Verkauf der Tochter spekuliert.

Nach einer Analyse der DZ Bank würde eine Fusion der beiden Großbanken rund acht Milliarden Euro kosten. Doch weder die Deutsche, noch die Commerzbank haben derzeit genug auf der hohen Kante. Die DWS verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 5,6 Milliarden Euro. Der Deutsche-Bank-Anteil von 78 Prozent wird mit rund 4,3 Milliarden Euro bewertet.

Als mögliche Interessenten für die DWS wurden zuletzt der Versicherungsriese Allianz sowie andere Unternehmen gehandelt, die ihr Asset-Management stärken wollen. Für den Münchner Versicherungsriesen Allianz ist sie Insidern zufolge jedoch kein Thema – jedenfalls derzeit.

Nun deutet mit Amundi, die sich mehrheitlich im Besitz der französischen Bank Credit Agricole SA befindet, die erste große Fondsgesellschaft an, dass sie sich die DWS tatsächlich ansehen würde, wenn sie angeboten werde. Mitte März hatten Deutsche Bank und Commerzbank angekündigt, Gespräche zu führen und strategische Optionen zu prüfen. Die Deutsche Bank betonte, es gebe keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

„Der deutsche Markt ist für uns einer der wichtigsten Märkte in Europa“. Quelle: Thomas Dashuber für Handelsblatt
Valerie Baudson

„Der deutsche Markt ist für uns einer der wichtigsten Märkte in Europa“.

(Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt)

Frau Baudson, in der Branche wird Amundi als potenzieller Interessent für die DWS gehandelt, wenn die Deutsche Bank ihre restlichen Anteile an der Fondstochter im Rahmen einer Fusion mit der Commerzbank verkaufen sollte. Würden Sie darüber nachdenken, wenn sich die Gelegenheit bietet?
Amundis Geschichte ist eine Geschichte starken organischen Wachstums, ergänzt durch erfolgreiche Akquisitionen wie die von Pioneer Investments. Dank des offenen Plattformmodells und der Erfahrung bei Fusionen kommt Amundi eine natürliche Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Marktes zu.

Die DWS kämpft mit Problemen und hat kürzlich den Chef ausgetauscht. Hilft Ihnen das auf dem deutschen Markt, wo Sie Ihr verwaltetes Vermögen in den nächsten drei Jahren auf rund 80 Milliarden Euro verdoppeln wollen?
Wir kommentieren grundsätzlich nicht unsere Wettbewerber. Aber der deutsche Markt ist für uns einer der wichtigsten Märkte in Europa, auf den wir große Hoffnungen setzen. Wir wollen in Deutschland in den nächsten drei Jahren unser verwaltetes Vermögen auf rund 80 Milliarden Euro verdoppeln. Im abgelaufenen Jahr haben wir bereits 47 Milliarden Euro erreicht. Wir sehen uns also auf gutem Wege.

Der Markt sortiert sich neu, und vor allem ETFs werden wichtiger. Mehr als fünf Billionen Dollar wurden weltweit bereits in die passiven Fonds investiert. Wird der aktive Fondsmanager langfristig zu einem Auslaufmodell?
Nein, natürlich nicht. Ich bin überzeugt, dass es auch in Zukunft aktive Manager geben wird. Denn letztlich geht es darum, was unsere Kunden wollen – und diese verlangen immer häufiger einen Mix im Portfolio von aktiven und passiven Investments. Es ist also unangebracht, das Totenglöckchen für aktive Manager zu läuten.

Einer von drei Vermögensverwaltern könnte in den nächsten fünf Jahren verschwinden, warnte der Chef des großen Vermögensverwalters Invesco, Martin Flanagan, kürzlich. Ist das realistisch?
Nun, es ist offensichtlich, dass es in der Branche eine Konsolidierung geben wird. Der Preisdruck ist Realität. Dank unseres kosteneffizienten Geschäftsmodells und unserer Größe sind wir allerdings zuversichtlich, in diesem Umfeld gut zu bestehen. Aber klar ist auch, dass es in den nächsten Jahren weniger Vermögensverwalter in Europa geben wird als heute.

In den letzten zwei Jahren sind die passiven Fonds in Europa um fast 20 Prozent gestiegen, während die aktiven Fonds nur um ein Prozent gewachsen sind. Wird sich der ETF-Boom in den nächsten Jahren fortsetzen?
Wir glauben, dass die gesamte Branche, also aktive und passive Fonds zusammen, in den nächsten Jahren um fünf bis sieben Prozent wachsen wird. Es ist allerdings klar, dass die passiven Fonds mit geschätzten 15 Prozent Wachstum deutlich stärker zulegen werden als der Gesamtmarkt. Der ETF-Boom geht also weiter. Wir müssen dabei allerdings berücksichtigen, dass der ETF-Markt noch immer vergleichsweise klein ist, vor allem in Europa. Es ist deshalb normal, dass dieses Segment deutlich stärker wächst.

Das Wachstum der ETFs schwächte sich jedoch zuletzt ab. 2018 steckten Investoren weltweit angesichts der Rückschläge an den Börsen in Europa und den USA ein Fünftel weniger Geld als im Vorjahr in die passiven Fonds. Stellen Sie sich bei Amundi auf härtere Zeiten ein?
Nein. 2018 war wahrscheinlich das beste Jahr bei den ETFs, das wir jemals hatten. Wir hatten Zuflüsse in Höhe von 3,8 Milliarden Euro in dieses Segment. Es ist aber völlig richtig, dass sich das Wachstum zuletzt generell abgeschwächt hat. Der Rückgang auf der aktiven Seite war indes noch viel deutlicher. Wir sind momentan die Nummer vier auf dem ETF-Markt in Europa und sind durchaus erfreut über unser Wachstum in diesem Segment. 

Die Besorgnis über einen Abschwung an den Aktienmärkten wächst. Wie groß ist die Gefahr, dass die Märkte deutlich nachgeben?
Ich denke, wir werden dieses Jahr Höhen und Tiefen sehen. 2019 wird ein sehr volatiles Jahr. Wir sind zwar zuversichtlich, dass die Wirtschaft weltweit weiter wachsen wird. So haben die Märkte einen Großteil der Verluste aus dem vergangenen Jahr wieder aufgeholt, vor allem weil die Notenbanken positive Nachrichten für die Investoren hatten. Aber die geopolitischen Risiken sind dieses Jahr sehr groß, weshalb wir vermutlich einige Ausschläge an den Märkten sehen werden.

Wie sehr beunruhigt Sie der Brexit?
Amundi selbst wird von einem Brexit kaum betroffen sein, da wir nur wenige Mitarbeiter in Großbritannien haben. Aber natürlich verfolgen wir sehr genau, was ein Ausstieg für Folgen an den Finanzmärkten haben wird. Noch hoffen die meisten Investoren auf ein glimpfliches Ende.

Könnte ein Brexit ohne Abkommen einen Crash am Aktienmarkt auslösen?
Ich wage da keine Vorhersage. Ich kann nur sagen, dass die Politiker, die Bevölkerung und die Investoren hoffen, dass eine bessere Lösung gefunden wird als ein harter Brexit.

Der verstorbene ETF-Pionier Jack Bogle warnte vor der Macht der Indexfonds, weil diese den Herdentrieb an den Märkten beschleunigen würden. Macht die hohe Zahl von passiven Anlagen die Finanzmärkte gerade in turbulenten Zeiten unberechenbarer?
Nein, ganz sicher nicht in Europa – und das aus zwei Gründen. Erstens liegt der Anteil von ETFs in Europa immer noch unter zehn Prozent. Die Fonds sind also nicht so bedeutend, dass sie eine solche Macht entfalten können. Und zweitens haben wir in Europa extrem effiziente Handelssysteme, die es erlauben, bei drastischen Abstürzen den Handel auch kurzfristig zu unterbrechen, um drastische Verzerrungen zu unterbinden. Ich sehe deshalb keine Gefahr.

Das vierte Quartal 2018 lieferte indes bereits einen Vorgeschmack. Amundi hatte Abflüsse von 6,5 Milliarden Euro, die kleinere DWS sogar von sieben Milliarden Euro. Erwarten Sie weitere Mittelabflüsse, wenn die Märkte volatil bleiben?
Wir haben das Jahr mit einem Nettozufluss von 42 Milliarden Euro beendet. Dies entspricht einem Wachstum von drei Prozent des von uns verwalteten Vermögens gegenüber 0,3 Prozent für die Branche.

Amundis ursprüngliches Ziel waren allerdings 50 Milliarden Euro gewesen ...
Richtig. Aber wir haben unsere wirtschaftlichen Ziele dennoch erreicht und unsere Versprechen gehalten. Für uns ist es entscheidend, dass wir schneller vorankommen als unsere Wettbewerber. Natürlich können wir uns nicht komplett von den Markttrends abkoppeln. Aber wir setzen weiter auf profitables Wachstum und glauben, unseren Nettoabsatz noch deutlich steigern zu können – und zwar bei Privatkunden und bei Institutionellen. Allein im Geschäftsfeld ETF, Indexing und Smart Beta wollen wir das verwaltete Vermögen binnen vier Jahren verdoppeln.

Der Kampf um die Kunden wird allerdings härter. Fidelity und Charles Schwab bieten bereits einige Fonds für Nullgebühren an, jetzt bietet Amundi auch ETFs fast kostenlos an. Wird sich der Preiskampf weiter verschärfen?
In Europa sind wir mit unseren neuen Fonds, die nur noch eine Gebühr von 0,05 Prozent kosten, am unteren Ende der Preisspirale. Wir hoffen, damit vor allem unter den Privatleuten neue Kunden zu finden. Wir sehen diese Fonds unter dem neuen Namen Amundi Prime als Ergänzung unseres Angebots an. Der Markt für diese besonders kostengünstigen Fonds wird allerdings sicherlich weiter wachsen, und die Margen werden unter Druck bleiben.

Sie sind eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen in der Finanzszene, die sehr männlich geprägt ist. Muss die Branche mehr tun, um Frauen als Kunden zu gewinnen?
Ich glaube, wir sind generell gut beraten, wenn wir uns als Unternehmen möglichst divers aufstellen, nicht nur in Bezug auf das Geschlecht, und versuchen, möglichst alle Kundengruppen zu erreichen. Aber wir haben durchaus eine Menge Frauen als Kunden im Asset-Management. 

Frau Baudson, vielen Dank für das Interview.

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