Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Börsenstandort Frankfurt

Kursturbulenzen irritieren Anleger.

(Foto: dpa)

Investmentfonds Anleihen kommen aus der Mode

Zinserhöhungen und Börsenturbulenzen verunsichern viele Fondsanleger in Europa. Vor allem Investmentfonds mit Anleihen werden gemieden.
Kommentieren

FrankfurtEs ist die große Ernüchterung: Anleger kauften in Europa 2018 nur für netto 27,5 Milliarden Euro Anteile von Investmentfonds. Zum Vergleich: Noch ein Jahr zuvor betrug die entsprechende Summe 776,6 Milliarden Euro. Diese Zahlen hat der Finanzdienstleister Broadridge errechnet.

„Das ist enttäuschend“, urteilt Broadridge-Geschäftsführerin Diana Mackay. Die Absatzzahlen sind für die Branche die schlechtesten seit 2011, als Anleger sogar netto Geld aus den Produkten abzogen.

Die Bilanz hätte allerdings noch schlechter ausfallen können, wenn nicht zu Anfang des Jahres noch große Euphorie geherrscht hätte. „Das trieb Anleger in Fonds, was Rekordkäufe im Januar bedeutete. Ohne den enorm hohen Absatz in jenem Monat wäre die Gesamtbilanz 2018 negativ gewesen“, beobachtet Ali Masarwah von Morningstar.

Auch die anhaltende Popularität von Indexfonds stützte die Branche. Allein der europäische Marktführer Blackrock verbuchte hier Zuflüsse von 21 Milliarden Euro in seine Produkte. Beide Effekte konnten die Trendwende im vergangenen Jahr allerdings nicht verdecken. Mackay erkennt den tieferen Grund für das schwächere Neugeschäft: „Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hatte der Branche über eine Dekade eine Geldflut beschert.“

Doch im vergangenen Jahr sei ein neuer Kurs sichtbar geworden. Die US-Notenbank erhöhte die Zinsen weiter, fuhr einen restriktiveren Kurs, die Europäische Zentralbank gab den Stopp ihrer Anleihekäufe bekannt. So mussten die Anleger ihre Einschätzungen im Hinblick auf die Finanzmärkte und damit auch hinsichtlich der Attraktivität einzelner Fondsgruppen ändern.

Grafik

Daher überrascht es nicht, dass die Fondsbesitzer im vergangenen Jahr aus Produkten flüchteten, die noch ein Jahr zuvor die beliebtesten waren: Anleihefonds. Die Anteilsrückgaben summierten sich auf fast 64 Milliarden Euro. „Recht heftig“, nennt das Detlef Glow, Analyst beim Datendienst Lipper. Er glaubt: „Die Anleger waren vorher zu sorglos gewesen, zu offensiv ins Risiko gegangen.“

Nicht nur durch den Kurswechsel der Notenbanken, auch durch andere Einflüsse wie den bevorstehenden Brexit oder internationale Handelskonflikte gerieten Anleger in die Defensive. „Durch die wachsende politische Unsicherheit wurden Anleger vorsichtiger“, urteilt Glow.

Das hinterließ Spuren an den Aktienmärkten und dämpfte die Lust auf Aktienfonds. Die neue Nüchternheit traf auch eine andere beliebte Fondsgruppe, die gerade in Deutschland über Jahre hinweg viele Milliarden Euro angezogen hatte: Mischfonds. Sie sollen Belastungen an den Finanzmärkten durch eine Verteilung der Gelder auf verschiedene Vermögensformen dämpfen. Doch das Argument zog offenbar nicht, wobei auch schlechte Wertentwicklungen der Manager eine Rolle spielten, wie verschiedene Analysen belegen.

Das Anbieter-Ranking der Gewinner und Verlierer des vergangenen Jahres spiegelt die angesprochenen Trends wider. So sammelte der weltgrößte Asset-Manager Blackrock netto über 24 Milliarden Euro ein und verbuchte damit den höchsten Absatz.

In der Summe stecken fast ausschließlich Käufe von Indexfonds. „Der Trend zu den preiswerteren passiven Produkten wird anhalten, weil Anleger immer stärker auf die Kosten achten“, sagt Martijn Rozemuller, Europachef des Verwalters Van Eck Investments. Unter den Verlierern waren Standard-Life-Investments mit einem Geldabzug von 16,3 Milliarden Euro am stärksten betroffen.

Die Gesellschaft litt unter dem Rückzug der Anleger aus einem großen Mischfonds. Das gleiche Thema belastete den französischen Verwalter Carmignac. „Der kam wegen der ewigen Misere beim Flaggschiff ‚Patrimoine‘ und einiger anderer Produkte unter die Räder“, sagt Morningstar-Mann Masarwah. Das auf Anleihen ausgerichtete US-Haus Pimco konnte sich dem negativen Umfeld für Bonds nicht entziehen.

Trotz der schlechten Absatzzahlen für die Gesamtbranche wollen unabhängige Beobachter die Lage nicht zu düster sehen. „Das ist ein Dämpfer, aber keine Krise, denn das Gesamtkapital ist recht stabil“, meint Masarwah. Die Branche verwaltet mit ihren in Europa aufgelegten Produkten rund 9,3 Billionen Euro.

Ein großes Fragezeichen steht allerdings hinter den Absatzmöglichkeiten im laufenden Jahr. Ein Plus ist zumindest eine mögliche geldpolitische Wende der Notenbanken angesichts der schwächeren Konjunkturprognosen. „Wenn die Anleger wieder an eine lockere Geldpolitik zu glauben beginnen, könnten sie erneut Anleihefonds kaufen, teilweise auch Aktienfonds“, schätzt Mackay.

In so einem Umfeld sei beim Absatz 2019 der Durchschnitt der letzten Dekade erreichbar: 200 bis 300 Milliarden Euro. Die Themen Brexit und Handelskonflikte blieben allerdings Unsicherheitsfaktoren. Laut Lipper-Experte Glow wird am Ende die Börsenstimmung über den Absatz entscheiden: „Beides ist eng aneinandergekoppelt.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Investmentfonds - Anleihen kommen aus der Mode

0 Kommentare zu "Investmentfonds: Anleihen kommen aus der Mode"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.