Investments China gründet milliardenschweren Tech-Fonds als Konkurrenz zu Softbank

In die Tech-Branche fließt immer mehr Kapital. Nun legt China einen 15 Milliarden Dollar umfassenden Fonds auf, der den Japanern Konkurrenz machen soll.
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Hauptsitz von CMG in Hongkong. Quelle: Bloomberg
Shun Tak Centre

Hauptsitz von CMG in Hongkong.

(Foto: Bloomberg)

Peking, Frankfurt, TokioEs ist nicht gerade eine bescheidene Vision, die Softbank-Gründer Masayoshi Son propagiert: Mit seinem bald 100 Milliarden Dollar schweren „Vision Fund“ will der Japaner die Tech-Branche aufmischen und Softbank zum weltweit führenden Konzern im Zeitalter künstlicher Intelligenz, vernetzter Maschinen und Roboter machen.

Doch schon bald dürfte Son mächtige Konkurrenz haben: Der chinesische Staatskonzern China Merchants Group (CMG) will jetzt ebenfalls einen milliardenschweren Technologiefonds gründen.

Der „China New Era Technology Fund“ wird zwar „nur“ über 15 Milliarden Dollar verfügen. Doch er soll ebenso wie der Vision Fund in Technologiefirmen – sowohl in China als auch global – investieren und damit Sons Großprojekt die Stirn bieten.

Der Plan: Die in Hongkong ansässige CMG will mit anderen, bisher unbekannten chinesischen Geldgebern insgesamt 40 Prozent, also umgerechnet sechs Milliarden Dollar, zum Fonds beitragen. Die britische Investmentfirma Centricus und die in Peking sitzende Firma SPF Capital sollen weitere Geldgeber an Land ziehen. Neben Vermögensverwaltungen sollen sich auch Universitäten und Anleger wie Technologiefirmen an dem Fonds beteiligen.

CMGs Geschäfte umspannen Immobilien, Banken und Transport. Die Gruppe ist mit Vermögenswerten von 1,1 Billionen Dollar eines der größten staatlichen Unternehmen Chinas. Seit einigen Jahren ist CMG ein aktiver Tech-Investor und darf mit Genehmigung Pekings auch als Ankerinvestor für den Börsengang des Smartphone-Herstellers Xiaomi fungieren. Das Unternehmen, das in wenigen Tagen an die Börse gehen will, wurde anfangs mit 100 Milliarden Dollar bewertet, inzwischen jedoch auf 55 bis 70 Milliarden Dollar heruntergestuft.

CMGs Partner bei dem Fonds, Centricus, wird von dem ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Nizar Al-Bassam und dem Ex-Goldman-Sachs-Partner Dalinc Ariburnu geführt. Centricus half schon bei der Strukturierung von Softbanks Vision Fund. Ihr Mitwirken soll zudem entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich Son 60 Milliarden Dollar der Staatsfonds aus Saudi-Arabien und Abu Dhabi sichern konnte. Zu den Partnern der ebenfalls bei dem chinesischen Fonds mithelfenden SPF Capital gehört unter anderem Joshua Fink, der Sohn von Blackrock-Gründer Larry Fink.

In der globalen Tech-Branche ist zuletzt ein heftiges Gerangel der großen Investoren um die besten Firmen ausgebrochen. In Europa sammelten zum Beispiel die Venture-Capital-Fonds 2017 erstmals im Schnitt rund 100 Millionen Euro ein – eine Verdoppelung in einer Dekade. Insgesamt gaben die institutionellen Investoren den Risikokapitalmanagern 7,7 Milliarden Euro für neue Fonds.

„Die Renditenot treibt die Investoren jetzt auch verstärkt in diese Anlageklasse“, sagt ein Beteiligungsmanager in Berlin. Die Bewertungen für die jungen Technologiefirmen seien sehr hoch, besonders in der Biotechnologie- und der Softwarebranche. Teilweise würde bei Firmen in der Wachstumsphase das 15- bis 20-Fache des operativen Jahresgewinns bezahlt.

„Die Technologierevolution findet schneller statt“

Doch Centricus-Manager Ariburnu glaubt, dass man den Markt nur noch durch große Summen entscheidend mitgestalten kann. „Die Technologierevolution findet schneller als erwartet statt und schafft viel Platz für Investments. Wir sind jetzt an einem Zeitpunkt angekommen, wo die Größe des vorhandenen Fonds und die Möglichkeit, auf große Märkte zuzugreifen, von grundlegender Bedeutung sind“, sagt er. 

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die im Silicon Valley ansässige Sequoia Capital einen Fonds im Wert von acht Milliarden Dollar ins Leben gerufen hat, um mit dem Vision Fund mithalten zu können. Im Jahr 2016 gründeten mehrere chinesische Staatskonzerne einen 30 Milliarden Dollar schweren Venture-Capital-Fonds, der China bei der industriellen Modernisierung helfen soll.

Chinesische Investoren pumpen derzeit immer aggressiver Geld in Tech-Unternehmen weltweit. Zugleich wehren sich westliche Regierungen zunehmend dagegen, dass ihre sensiblen Technologien derart aufgekauft werden. So berichtete der Datendienst PitchBook, dass chinesische Fonds allein in diesem Halbjahr 5,1 Milliarden Dollar für Anteile an US-Biotechunternehmen ausgegeben haben, deutlich mehr als die vier Milliarden Dollar des gesamten Vorjahres.

Die 1,3 Milliarden Euro teure Übernahme des deutschen Blutplasmaunternehmens Biotest durch die chinesische Creat Gruppe wurde von der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS) erst bewilligt, nachdem Biotest sich vom amerikanischen Geschäft getrennt hatte.

Mit der japanischen Softbank und deren Gründer Son hat sich CMG einen mächtigen Rivalen ausgesucht. Sons bisher größter Coup war ausgerechnet ein chinesisches Investment: Für 20 Millionen Dollar kaufte er vor vielen Jahren einen Anteil am damals unbekannten Unternehmen Alibaba. Heute ist der chinesische Onlinehändler mit einem Marktwert von 475 Milliarden Dollar einer der zehn wertvollsten Konzerne der Welt – und Son festigte seinen Ruf, ein goldenes Händchen zu haben.

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