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Investoren Anleger ziehen Milliarden aus Hedgefonds ab

Hedgefonds erzielen so hohe Renditen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Doch Investoren reicht das nicht – denn Aktienkurse steigen noch stärker.
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In New York sind viele Hedgefonds ansässig. Quelle: Bloomberg
West Street

In New York sind viele Hedgefonds ansässig.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Mit Daten lässt sich Geld verdienen. Dieses Mantra der Digitalisierung haben Hedgefonds, die auf Übernahmen und Fusionen wetten, schon lange verinnerlicht. Daten zum Flugverkehr haben auf den ersten Blick kaum etwas mit großen Übernahmen zu tun, auf den zweiten allerdings schon. So fiel einigen Hedgefonds zum Beispiel auf, dass der Firmenjet des Ölkonzerns Occidental Petroleum überraschend häufig in Omaha landete, dem Firmensitz von US-Starinvestor Warren Buffett. Wenig später stieg Buffett bei Occidental ein, und trieb damit den Kurs in die Höhe. Für die Hedgefonds waren die Flugdaten also ein renditeträchtiger Hinweis.

Geholfen hat die Auswertung der Flugbewegungen allerdings nur eingeschränkt. Magere 4,42 Prozent Rendite erzielten Anleger bis Ende August mit sogenannten Event-driven Hedgefonds. Dabei handelt es sich um Fonds, die Gewinne im Umfeld von besonderen Ereignissen wie Übernahmen machen wollen.

Das Ergebnis fiel schlechter aus als das für die Branche insgesamt. Der Informationsdienst Hedge Funds Research (HFR) errechnete für die gesamte Branche eine Rendite von 7,80 Prozent bis Ende August. Den Anlegern reichte aber auch das nicht. 55,9 Milliarden Dollar wurden nach Berechnungen des Analysedatenanbieters eVestment in den ersten sieben Monaten aus Hedgefonds abgezogen. Auch 2018 schrumpfte die Branche schon. Allerdings flossen damals im gesamten Jahr nur 37,2 Milliarden Dollar ab.

Der Grund für die Missgunst der Investoren: Die Rendite von knapp acht Prozent ist zwar das beste Ergebnis seit der Finanzkrise 2008, doch an den Aktienmärkten ging es deutlich stärker aufwärts. Der Deutsche Aktienindex Dax etwa kletterte seit Jahresbeginn um 18 Prozent und damit um mehr als das Doppelte. Der amerikanische S&P 500 Index legte sogar um über 20 Prozent zu.

Schwäche im Jahr 2018

Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Aktienkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus oder versuchen, aus Fusionen und Übernahmen Gewinn zu ziehen. Lange galten die Fonds, die für sich in Anspruch nahmen in allen Marktlagen Geld zu verdienen, als die Rockstars der Finanzcommunity.

Zuletzt verblasste ihr Ruf allerdings. Zu hohe Gebühren, zu schwache Ergebnisse lautet der Vorwurf. Die Durchschnittsrendite lag für alle Hedgefonds-Strategien laut dem Informationsdienst Preqin vergangenes Jahr bei minus 3,42 Prozent. Nach den Abzügen der Investoren verwaltet die Branche nach Zahlen des Datenanbieters HFR noch 3,2 Billionen Dollar.

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Auch wenn der Ruhm verblasst, sorgen Hedgefonds noch immer für viel Aufmerksamkeit. Als der von Paul Singer geführte Hedgefonds Elliott Management mit einem Anteil von 3,2 Milliarden Dollar beim Telekommunikations- und Mediengiganten AT&T einstieg, reagierte selbst US-Präsident Donald Trump sofort und sprach in einem seiner gefürchteten Tweets von einer „großartigen Nachricht“. Ihn bewegte dabei allerdings weniger, dass Singer durch eines der größten Finanzengagements in der Geschichte von Elliott den Aktienkurs von AT&T fast verdoppeln will.

Trump hofft auf eine freundlichere Berichterstattung des Fernsehsenders CNN, der zum Konzern gehört, bei dem er sich regelmäßig über „Fake News“ beklagt. In Deutschland ist Elliott etwa beim Agrarchemiekonzern Bayer und beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp engagiert.

Singer gehört zu den Stars der Branche. Allerdings kommen solche spektakulären Attacken, für die Elliott bekannt ist, längst nicht mehr bei allen Hedgefonds-Invesoren gut an. Grundsätzlich gilt: „Ein langweiliger Hedgefonds ist ein guter Hedgefonds“, wie Brooks Ritchey von K2 Advisors, der Hedgefonds-Tochter des Asset Managers Franklin Templeton, betont. Er rät Anlegern erst zum Einstieg in Hedgefonds, wenn es an den Börsen wieder zu hohen Kursschwankungen kommt. Dann würden die Fonds meist besser abschneiden.

Gleichzeitig rät er, in eine breite Auswahl von Hedgefonds investieren. Ohnehin gilt die Regel: „Hedgefonds sollten maximal einen Anteil von einem Drittel dessen umfassen, was in risikoarmen Anlagen wie Anleihen und Cash steckt“, erläutert Reinhard Panse, Geschäftsführer von HQ Trust, Vermögensverwalter der Familie Harald Quandt.

Wenn Anleger wie Versicherungen, Stiftungen, Pensionsfonds und Vermögensverwalter in Hedgefonds investieren, versuchen sie, möglichen Gefahren vorzubeugen. In Zeiten, in denen US-Präsident Trump den Handelskrieg mit China immer wieder anheizt, Premierminister Boris Johnson Großbritannien auch ungeordnet aus der EU führen möchte und eine Rezession in Europa droht, suchen sie mehr Sicherheit.

Nach einer Umfrage von Preqin rechnen 60 Prozent der Profiinvestoren „mit einem herausfordernden Restjahr 2019 bis ins Jahr 2020“. 64 Prozent der befragten Investoren sehen ihr Engagement bei Hedgefonds als Absicherung gegen Risiken. Das sind fast doppelt so viele Anleger wie noch vor einem Jahr. Die wenigsten Investoren suchen heute noch nach aggressiven Strategien, um ihr Vermögen wachsen zu lassen.

Vorsichtige Großinvestoren

Wie vorsichtig Großinvestoren gegenüber Hedgefonds geworden sind, zeigt auch eine Umfrage des Bundesverbands Alternative Investments bei 75 Anlegern, die zusammen rund 900 Milliarden Euro verwalten. Während Bereiche wie Infrastruktur, Immobilien, Private Equity und Kredite ausgebaut werden sollen, ist vielfach keine Allokation bei Hedgefonds geplant oder soll das Engagement teilweise sogar reduziert werden.

Ganz an Hedgefonds vorbei kommen Großanleger in Zeiten von Minuszinsen jedoch nicht. Das gilt für Industriekonzerne genauso. „Im Rahmen der strategischen Ausrichtung der Anlagen der Porsche AG spielen auch liquide alternative Investments eine Rolle“, erläutert Paul Skiba, Asset-Manager des Autobauers. Der Konzern beobachte deshalb den möglichen Einsatz von Hedgefonds zur Diversifikation traditioneller Anlageklassen intensiv.

Engagiert ist Porsche aber bisher noch nicht. Für Axel Schuster, Director im Wealth Management der Capital Bank, der drittgrößten Privatbank in Österreich, ist die Unabhängigkeit der Gewinnentwicklung von traditionellen Investmentklassen wie Aktien oder Anleihen das Entscheidende. Dafür ist er auch bereit, auf Rendite zu verzichten. Mit zwei bis drei Prozent ist er zufrieden. Hedgefonds sind für ihn Anleiheersatz.

Anders sieht es bei Private Equity aus: Bei den außerbörslichen Beteiligungen erwartet der Experte zwölf bis 20 Prozent Ertrag. Das wäre Porsche-Mann Skiba auch bei Hedgefonds nicht genug: „Wir kaufen keinen Porsche und drosseln ihn auf 80 Kilometer Geschwindigkeit.“

Der deutsche Vermögensverwalter Feri hat inzwischen kleinere Hedgefonds für sich entdeckt (siehe Interview rechts). Diese oft noch jungen Fonds seien offen für neue Modelle wie beispielsweise eine Beteiligung von Großinvestoren wie Feri am Umsatz. Damit lasse sich die Rendite aufpeppen, erläutert Feri-Manager Marcus Storr. An kleinen Hedgefonds mangelt es nicht. Allein im vergangenen Jahr wurden etwa 600 Fonds neu aufgelegt. Davon starteten nach den Worten Storrs knapp die Hälfte, genau 43 Prozent, mit einem Anlagevolumen von weniger als 100 Millionen Dollar.

Stars aus der großen Zeit der Hedgefonds wie der Milliardär David Tepper mit seinem 1993 gegründeten Fonds Appaloosa Management verabschieden sich inzwischen immer häufiger aus der Branche. Der ehemalige Wertpapierhändler von Goldman Sachs spielt mit dem Gedanken, seinen Investoren ihr Geld zurückzugeben und nur noch sein eigenes Kapital zu verwalten, um sich dann verstärkt seinem Hobby widmen zu können: Der 61-jährige Sport-Enthusiast hat im vergangenen Jahr für 2,3 Milliarden Dollar den Football-Klub Carolina Panthers gekauft.

Mit seinem Abschied würde er bekannten Hedgefonds-Veteranen wie John Griffin und Jon Jacobson folgen. In schwierigen Zeiten dürfte sich diese Rückzugsbewegung wohl noch verstärken. Es sieht so aus, als hätten die Hedgefonds ihren Zenit überschritten.

Mehr: Der Hedgefonds Elliott steigt beim US-Telekommunikationsriesen ein – und richtet direkt Forderungen an AT&T. An der Börse kommt das sehr gut an.

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