Jens Ehrhardt im Interview „Habe die Aktienquote deutlich reduziert“

Vermögensberater Jens Ehrhardt ist lange Jahre im Geschäft und Leitfigur vieler Geldanleger. Im Interview verrät der Anlageprofi, warum die Aktienmärkte zu weit gelaufen sind, welche Anlageklassen jetzt noch Sinn machen und warum sich der Kauf einer Immobilie lohnen kann.
7 Kommentare
Jens Ehrhardt ist Vermögensverwalter und Vorstand der DJE Kapital. Quelle: DJE Kapital

Jens Ehrhardt ist Vermögensverwalter und Vorstand der DJE Kapital.

Herr Ehrhardt, man sagt, Sie hätten die Aktienquote in Ihren Fonds deutlich gesenkt. Ist das korrekt?

Das ist richtig. Man sollte nicht zu stark in Aktien investiert sein, wenn man der Ansicht ist, dass der Kursanstieg der vergangenen Monate ungesund ist.

Um wie viel haben Sie gesenkt?

Im Januar habe ich die Aktienquote im Schnitt um 20 bis 30 Prozent reduziert. Insgesamt liegt sie nur noch bei 50 Prozent.

Was war der Grund für ihre Entscheidung?

Die Aktienmärkte sind zu weit vorausgelaufen. Einen möglichen Anstieg der Weltkonjunktur haben sie bereits vorweggenommen. Ich bin aber der Ansicht, dass es nach den Stützungen durch die Staaten in diesem Jahr zumindest in den Industrieländern keinen selbsttragenden Aufschwung geben wird. Dazu ist die Kreditnachfrage bei den Unternehmen zu niedrig.

Sie gelten als besonders vorsichtig. Sind Sie nicht zu früh ausgestiegen? Weltweit gibt es aktuell eine enorme Liquidität.

Stimmt, im Zweifel reize ich die Höchststände eher nicht aus, um Gewinne abzusichern. Ich bin aber der Ansicht, dass die Zeit unbegrenzter Liquidität bald vorbei ist. Fonds sind bereits voll in Aktien investiert, bei US-Fonds hat sich etwa die Cash-Quote seit vergangenem Jahr von sechs auf jetzt gut drei Prozent gesenkt. Aus den USA erwarte ich kein großes Konjunkturprogramm mehr. Nach der Zeit der Liquidität müsste sich der Aufschwung jetzt selber tragen. Und da bin ich skeptisch. Meine Devise für dieses Jahr lautet: Gewinne sichern, Verluste vermeiden.

In welchen Klassen sollten Anleger ihr Geld jetzt anlegen?

Das ist in der Tat ein Problem. Die Zinsen sind im Keller, Gold auf neuen Höchstständen und Aktien ebenfalls gut gelaufen. Ich bin verstärkt in Unternehmensanleihen gegangen, etwa in die von Fresenius. Da sollten Anleger auf mittlere Laufzeiten und hohe Sicherheit achten. Ich würde maximal eine Quote von 50 Prozent Aktien und mindestens 20 Prozent Anleihen und 10 Prozent Gold empfehlen. Außerdem sollten Anleger eine Cash-Quote nicht vernachlässigen.

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7 Kommentare zu "Jens Ehrhardt im Interview: „Habe die Aktienquote deutlich reduziert“"

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  • Herr Erhart sollte sich mal die Dividendenrendite bei Pharmaaktien und großen Verbrauchsmittelherstellern ansehen ,wie Kraft ,Nestle ,Novartis,Lilly oder Merk .Da sehen wir noch ein KgV von um die 10 da ist noch lange nicht "Schicht im Schacht ",da kann noch einiges nach oben gehen .

  • Ein erfolgreicher Vermögensverwalter trifft nicht die besseren Entscheidungen, sondern ist am ehesten bereit diese zu korrigieren... und dies tut Dr. Jens Erhardt.

    bei der Reduktion der Aktienquote geht es letztlich weniger um die absolute Höhe, sondern vielmehr um die Strategie. Wenn also der Plan passt, die Aktienquote im Anlage- bzw. Gesamtvermögen vor dem Hintergrund der persönlichen Situation und Risikobereitschaft festgelegt ist, lässt sich durchaus am Timing schrauben. Wenn ich Dr. Erhardt richtig verstanden habe, dann geht es eher darum, von der strategischen Aktienquote um 50% abzuweichen. Da wir leider nicht die Glaskugel besitzen, wäre es aus heutiger Sicht verkehrt, sich aus dem Aktienmarkt zu verabschieden; dies nämlich haben viele Privatanleger Anfang März 2009 gemacht und die Reißleine gezogen... und damit eine der stärksten (wenn auch liquiditätsgetrieben)Aufwärtsbewegungen verpasst.

    Man merkt, dass das Thema immobilien sehr emotional ist. Fest steht, dass die eigene immobilie anders zu betrachten ist, wie eine Kapitalanlage. Während es beim Eigenheim vielmehr um Lebensqualität geht (die Finanzierung zweifelsohne solide sein muss), geht es bei der vermieteten immobilie um harte Kalkulation, wobei die Steuerersparnis eine untergeordnete Rolle spielen sollte (vgl. berlinimmobilien).

    Dass uns inflation früher oder später erreicht, dürfte außer Frage stehen. Denn Gelddrucken bzw. ein Überangebot an Geld im Vergleich zur realwirtschaftlichen Güterproduktion führt früher oder später zur inflation. Vor diesem Hintergrund gehören sowohl Aktien, Gold und immobilien ins Vermögen. Welche Dosis jedoch hängt von der persönlichen Situation und letztlich vom bauchgefühl ab. Hier muss man sich letztlich selbst an die eigene Nase fassen.

  • in China können Sie nur "Erbpachtrechte" kaufen. Kein Grundbesitz, also nur die Mauern.
    Dauer 50 Jahre. Soll wohl immer wieder verlängert werden, nach Ablauf. Wie kann man so was emfehlen?
    Selbst in Deutschland hinterlässt das Erbpachtrecht
    ein "Geschmäckle".

  • Wenn Herr Erhardt so skeptisch bezüglich Aktien ist, warum empfiehlt er dann noch immer einen Anteil von 50%. O-10 % wären dann angemessen.

  • Guten Tag,.....ehe wir in China investieren, lasse ich mich pfaehlen. Der gute Mann hat denn doch sehr romantische Vorstellungen von den Schlitzaugen. besten Dank

  • Abgesehen von den bereits angesprochenen immobilien ein selten guter Artikel.
    Und, der Erfolg seiner Fonds in Zeiten der Krise gibt ihm Recht.

  • Es gibt keine immobilienblase in Deutschland ?
    Der Herr sollte eure Zeitschrift lesen:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/immobilien-wo-die-preise-fuer-eigentumswohnungen-purzeln;2501055;4#bgStart

    Das Problam in Deutschland ist das Wegbrechen des Mittelstandes. Es gibt nur noch Superreiche die Millionärshütten wollen, und Hartz4-Empfänger. Dadurch gibt es keinen Markt für die immobilien mittleren Wertes mehr, und deren Preise brechen auf Sozialhilfeniveau weg, weil es so viele Millionäre nun auch nicht gibt, die sich um die kleinen Schlösschen prügeln.

    Und Wohnimmobilien in China? Der Mann war wohl nicht nicht da. Die blase ist gigantisch. Eine Wohnung im Hochhaus, damals für US$2500 vermietet, sucht heute verzweifelt Kunden für US$1000.

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