Kapitalmarkt Fondsmanager flüchten in den sicheren Hafen USA

Aus Sorge vor einer Ausweitung der Krise in der Türkei halten internationale Großanleger weniger Aktien aus Schwellenländern. Die DZ Bank senkt sogar ihre Dax-Prognose.
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Passanten posieren vor dem Bullen an der Wall Street. Großanleger investieren verstärkt an den US-Börsen. Quelle: Reuters
Wall Street

Passanten posieren vor dem Bullen an der Wall Street. Großanleger investieren verstärkt an den US-Börsen.

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FrankfurtNoch trifft es vor allem die Türkei. Doch Investoren haben Angst, dass es nicht bei den Streitereien zwischen US-Präsident Donald Trump und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bleibt und der US-Handelskonflikt mit anderen Staaten sich wieder verschärft.

Das ist das Ergebnis der wichtigsten monatlichen Umfrage unter Investoren, die 735 Milliarden Dollar an Geldern verwalten. Trump hatte zuletzt den Druck auf die Türkei verstärkt und die Zölle auf Aluminium und Stahl verdoppelt. Er will damit die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson erreichen.

57 Prozent der Fondsmanager, die die Bank of America Merrill Lynch, kurz Bofa Merrill Lynch, vor dem jüngsten zugespitzten Ausverkauf der türkischen Lira befragt hat, sehen in einem Handelskrieg das größte unerwartete Risiko für die Märkte. Das ist inzwischen bereits zum dritten Mal in Folge der Fall.

Erst weit danach rangieren die Gefahren durch das Ende der lockeren Geldpolitik der Notenbanken (15 Prozent) und einer Wachstumsschwäche in China (14 Prozent).

Im Streit der USA mit China haben sich zuletzt die Ereignisse überschlagen. Die türkische Lira stürzte zeitweise um über 40 Prozent seit Jahresbeginn und ließ dadurch Ängste vor einem Staatsbankrott aufkommen. Erdogan sprach sogar von einem „Wirtschaftskrieg“, in dem sich sein Land befinde. Er rief alle Türken auf, Dollar, Euro und Gold gegen Lira zu tauschen.

Am Dienstag erholte sich die Lira wieder leicht, nachdem der türkische Finanzminister Berat Albayrak die Bereitschaft zu weiteren Eingriffen in die Märkte gezeigt hatte. Auf eine Erhöhung der Leitzinsen in der Türkei warten Anleger allerdings bislang vergebens.

Angesichts der Unsicherheiten in Schwellenländern wie der Türkei gaben Fondsmanager an, weltweit Aktien in Emerging Markets um netto ein Prozent unterzugewichten. Das ist 0,44 Prozent weniger als noch im April dieses Jahres, wie die Umfrage von Bofa Merrill Lynch ergeben, die in der Zeit vom 3. bis 9. August erhoben wurde.

Allerdings hält sich die Gewichtung der Schwellenländer weiterhin deutlich über den Tiefstständen, die in früheren Krisen zu beobachten gewesen seien, betonen die Experten. Eine Auswirkung der Unsicherheiten ist die Erhöhung der Cash-Quote auf fünf Prozent in diesem Monat. Das ist deutlich höher als der Zehnjahres-Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Vorsicht ist das Gebot der Stunde für Ariel Bezalel, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management. „Die Märkte reagieren immer sensibler auf politische Entwicklungen wie die von Donald Trump provozierten Handelskonflikte, den Koalitionsstreit der deutschen Bundesregierung, die Ungewissheit über die künftigen Handelsbeziehungen Großbritanniens zur EU oder den Aufstieg der ersten rein populistischen Regierung Westeuropas in Italien“, betont er. Als Hort der Sicherheit zählen die von Bofa Merrill Lynch befragten Manager offenbar Aktien in den USA.

USA sind die weltweite Top-Anlageregion bei Aktien

Die Übergewichtung der US-Aktien steigt um zehn auf netto 19 Prozent. Damit sind die USA erstmals seit fünf Jahren die Top-Anlageregion bei Aktien weltweit. Das hängt auch eng mit den Ertragserwartungen der Fondsmanager zusammen. Auch hier sind die USA der Favorit weltweit.

Dass es in den USA besser läuft als in Europa, zeigt eine Auswertung von Frank Wohlgemuth, der das Research bei der National-Bank leitet. Im amerikanischen S&P-500-Index berichteten Unternehmen von einem Umsatzanstieg von zehn Prozent, die Gewinne legten sogar um ein Viertel zu.

Anders in Europa: Im Aktienindex Stoxx 600 haben die Umsätze der Konzerne um sechs Prozent angezogen. Die Gewinne wiesen ein Plus von fünf Prozent auf. Europa kann mit den USA nicht mithalten.

Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank sieht den Dax-Aufschwung durch die Krisen gefährdet. Die starke Häufung sollte sich mittelfristig auf die Dax-Unternehmen auswirken, befürchtet Aktienexperte Christian Kahler. Der bisher stabil verlaufenden Gewinnentwicklung drohten Einbußen. Das Institut reduziert deshalb seine Prognose für den Dax für Mitte nächsten Jahres von 14.200 auf 13.300 Punkte und damit um 6,3 Prozent.

Für Kahler zeigt sich am Beispiel Türkei, wie schnell US-Präsident Trump außerhalb der USA für Unruhe sorgen könne. Anleger könnten sich zwar damit trösten, dass die Trump’sche Rhetorik und seine Taten nicht immer übereinstimmten. „Aber gerade diese Unberechenbarkeit sorgt dafür, dass Unternehmen und Investoren zunehmend nervöser werden“, betont der Banker.

Angesichts der Gemengelage steht für Michael Hartnett, Chef-Investmentstratege bei Bofa Merrill Lynch, fest: „Da uns die Investoren berichten, sie gewichten die USA, die US-Notenbank Fed und Cash über, sieht unser Ausblick weiter wie folgt aus: Höhepunkt bei Erträgen, in der Politik und bei den Renditen.“

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