Kreditvergabe Private Kreditfonds wachsen ungebremst – und brechen zahlreiche Rekorde

Private Kreditfonds setzen ihren in der Finanzkrise begonnenen Siegeszug fort. Sie werden für den deutschen Mittelstand immer wichtiger.
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Private Kreditfonds haben bis Ende 2017 global zahlreiche neue Rekorde aufgestellt und spielen in der Übernahmefinanzierung eine große Rolle. Quelle: dpa
Geldbündel

Private Kreditfonds haben bis Ende 2017 global zahlreiche neue Rekorde aufgestellt und spielen in der Übernahmefinanzierung eine große Rolle.

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FrankfurtDie privaten Kreditfonds sind weltweit in eine neue Dimension hineingewachsen und gewinnen auch im deutschen Markt immer mehr an Bedeutung. Vor allem bei der Übernahmefinanzierung von mittelständischen Firmen sind die neuen Darlehensanbieter so stark gefragt wie nie zuvor.

„Nach Anzahl der Deals schätze ich den Marktanteil der privaten Kreditfonds in der Akquisitionsfinanzierung in Deutschland im MidCap-Bereich auf fast 50 Prozent für das erste Halbjahr 2018“, sagt Anne Grewlich, Leiterin der deutschen Banking-Gruppe bei der Kanzlei Ashurst.

Im vergangenen Jahr seien es nur rund 30 Prozent im gleichen Segment gewesen. „Ein Grund für die wachsende Popularität ist die Flexibilität der Debt Funds. Außerdem sind die Banken wegen der strengeren Regulierung und der Eigenkapitalvorschriften hier zurückhaltender geworden“, ergänzt die Partnerin bei der Kanzlei Ashurst.

Nach jüngsten Daten des Analysehauses Preqin haben private Kreditfonds bis Ende 2017 auf globaler Ebene zahlreiche neue Rekorde aufgestellt. Insgesamt verwalteten die spezialisierten Fonds demnach weltweit 667 Milliarden Dollar – ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2016.

Die Branche habe ihr Volumen in der vergangenen Dekade verdreifacht, zuletzt habe auch das nicht investierte Kapital („Dry Powder“) stark zugenommen, sagt Kreditexperte Tom Carr von Preqin. Vor allem die direkte Kreditvergabe für Investitionen und Betriebsmittel – also abseits der Finanzierung von Übernahmen – nimmt global spürbar zu.

Negative Entwicklungen zeichnen sich ab

Die Renditen für die investierten Gelder fallen unterschiedlich hoch aus. Auf die kurze Sicht von einem Jahr erzielten Fonds, die in faule Kredite investieren, mit 15,3 Prozent die höchste Rendite, wie die Experten bei Preqin berechnet haben. Im Schnitt über einen Zeitraum von fünf Jahren steht die direkte Kreditvergabe mit 13,5 Prozent ganz vorn.

Das kann aber schnell kippen, wenn der Kreditzyklus wie erwartet in den nächsten Jahren sein Ende findet. Dann wird mehr Geld in Fonds hineinfließen, die in faule Kredite investieren. Gleichzeitig würden sich die Chancen für eine höhere Rendite im Vergleich zu anderen Kreditstrategien wie der direkten Kreditvergabe erhöhen, urteilen die Finanzdatenspezialisten.

Allerdings zeichnen sich auch einige negative Entwicklungen ab. Einmal gibt es erste Anzeichen von Übertreibungen, weil das Kapitalangebot die -nachfrage immer krasser übersteigt. Zweitens werden die Bedingungen für die alternativen Kredite immer lockerer, was sich in einer Rezession rächen dürfte. Und drittens steigen angesichts der hohen Verfügbarkeit an Krediten auch die Preise bei Firmenübernahmen.

Besonders gefragt sind beim Kauf von Unternehmen aktuell sogenannte First-Out-/Last-Out-Finanzierungen – abgekürzt Folo genannt –, bei denen die klassischen Banken eingebunden sind, wenngleich sie den kleineren Teil der Kreditsumme stemmen. Bei Folo werden vorrangige Bankdarlehen und die nachrangigen Finanzierungen der Kreditfonds kombiniert. Für den Kreditnehmer ist das vorteilhaft, weil die Kapitalkosten durch den Mix sinken und er die Finanzierung nur mit zwei Häusern verhandeln muss.

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