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Lebensversicherung Abkassiert mit Fondspolicen

Fondsgebundene Lebensversicherungen sind ein Bombengeschäft für die gesamte Finanzbranche. Einzig die Anleger haben oft keine Freude. Denn in den Policen stecken nicht die besten Fonds, sondern meist die der Versicherer und ihrer Vertriebspartner. Wie Anleger gegenhalten und ihre Rendite verbessern.
  • Annina Reimann, Heike Schwerdtfeger
16 Kommentare
Fonds in Lebensversicherungen sind für Anleger selten ein gutes Geschäft. Quelle: gms

Fonds in Lebensversicherungen sind für Anleger selten ein gutes Geschäft.

FRANKFURT. Sein Vertrauen in die Beraterin der Deutschen Bank kostete Michael Denart mehr als 4300 Euro. Gerade einmal 1309,41 Euro blieben ihm nach mehr als vier Jahren von seinen 5600 Euro Beiträgen, als er seine fondsgebundene Lebensversicherung kündigte. Das meiste Geld war auf das Konto der Versicherung Zurich Deutscher Herold geflossen, hatte Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS genährt und war als Provision bei der Bank selbst gelandet.

Bei der Beratung in der Bank "stand nie zur Diskussion, welche Fonds und welche Versicherung ich wählen sollte", sagt der heute 33-jährige Wirtschaftsingenieur. Die Verkäuferin "legte nahe", den Beitrag in die Fonds DWS Akkumula sowie DWS Vermögensbildungsfonds I einzuzahlen. Wie eng Zurich und Deutsche Bank plus DWS miteinander verbandelt sind, davon hat der damalige BAföG-Empfänger keine Ahnung.

Mit Fonds versichert

Bei fondsgebundenen Policen zahlen Versicherte in der Regel monatlich Beiträge. Ein Teil des Geldes geht für Kosten, Todesfallschutz und Provisionen drauf. Der überwiegende Teil wandert in Investmentfonds, wird also nicht, wie bei der klassischen Lebensversicherung, vom Versicherer angelegt. Versicherer verwalten in fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen rund 47 Milliarden Euro - ein Bombengeschäft für die ganze Finanzbranche: Bankberater und Finanzvertriebe kassieren Provisionen, Fondsgesellschaften freuen sich über regelmäßige Zuflüsse.

Versicherer schätzen es, dass sie das Risiko der Kapitalanlage auf den Kunden abwälzen können, denn eine Garantieverzinsung wie bei Kapitallebensversicherungen gibt es bei Fondspolicen nicht. Garantiert wird bestenfalls die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge zum Laufzeitende, also eine Verzinsung von null. Ansonsten hat der Versicherte seine liebe Not, sein Geld sicher durch Börsenturbulenzen zu bringen. Der Wert der Police schwankt wie die Kurse der Fonds, die drinstecken.

Die Kosten sind hoch. Zu den Abschlusskosten inklusive Provision für die Vermittler, den Verwaltungskosten der Versicherung und einem möglichen Ratenzuschlag für die monatliche Zahlung kommen die Fondskosten. Fondsgesellschaften entziehen dem Fondsvermögen jährlich automatisch Gebühren. Beim Fonds Concentra von Allianz Global Investors (AGI) waren das im vergangenen Geschäftsjahr stolze 2,8 Prozent: Verwaltungsvergütung, Depotgebühren, Depotbankvergütung, Transaktionskosten, Administrationsgebühr, Berichterstattungskosten, Veröffentlichungskosten, Prüfungskosten, Erfolgsvergütung - der Fantasie sind seine Grenzen gesetzt. Rund zwei Drittel der 1,5 Milliarden Euro, die in dem teuren Concentra stecken, stammen aus Fondspolicen.

Enge Bindungen

Dass Kunde Denart von seiner Beraterin nur in eine Richtung gelenkt wurde, ist kein Zufall: Der Versicherer Zurich, der den Deutschen Herold von der Deutschen Bank kaufte und heute die Nummer zwei im Fondspolicenmarkt ist, bekommt über die Hälfte des Geschäfts über die Deutsche Bank. So boten auch Vermittler von Zurich und dem zugehörigen Finanzvertrieb Bonnfinanz der WirtschaftsWoche bei einer Stichprobe Fonds der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS an. Auch andere große Spieler im Fondspolicenmarkt (siehe Übersicht) sichern sich ihr Stück vom Kuchen und rollen die Euros der Sparer gezielt in die eigene Richtung - oder in die ihrer Vertriebspartner. Das Schmalspurangebot hat nur für die Verkäufer der Versicherer Vorteile: Sie müssen nur wenige Fonds kennen.

So verkauft das Vertriebsheer der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) exklusiv Leben-Policen der AachenMünchener. Die Versicherung ist eine Tochter des italienischen Generali-Konzerns. Deren deutsche Holding hält wiederum 40 Prozent minus zehn Aktien an der DVAG. Seit dem Jahr 2002 hat der Strukturvertrieb die DWS als Fondslieferanten besonders ins Herz geschlossen. DVAG-Vorstandsvorsitzender Reinfried Pohl sitzt im Aufsichtsrat der Deutsche-Bank-Tochter.

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16 Kommentare zu "Lebensversicherung: Abkassiert mit Fondspolicen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schon wieder ist einer reingefallen....! Völlig neu ist es, das beim Kauf von Produkten, gleich welcher Art, die Anbieter damit Geld verdienen. Und das der Käufer das bezahlt ist auch völlig neu. Und immer ist der arme bürger das Opfer. Er kann in der Regel nicht lesen....insbesondere wenn er mutmaßlich Abi hat und studiert (bafög). Und dann findet er wieder einen cleveren Journalisten, der mit seiner Unwissenheit natürlich den Opfern hilft...gegen die bösen aus der Finanzwelt.
    Und wenn dann die banken/ Versicherer kein Standardfonds ( DWS Akkumula usw.) anbieten, sondern Spezialfonds....dann war der berater noch besch......
    beim Sparbuch ist die bank böse,weil Sie zuwenig Geld an die Kunden abgibt, langfristiges Sparen soll über Fonds gemacht werden (Finanztest empfiehlt)....und wenn dann trotzdem vorher ausgestiegen wird, sind auch die anderen Schuld.
    Wer eine Fondspolice abschließt, will langfristiges Sparen.....hört er vorher auf, ist das Ergebnis meist das gleiche. Kein Finanzmarktprodukt kann diese Anforderung erfüllen. Aber das wurde beim Abi ja leider nicht vermittel....! Anmerkung: Dynamik ist immer freiwillig...aber auch das ist ja völlig neu.....

  • @Tino Müller

    Die genannten Steuerberater haben eine erhebliche bandbreite bei der Rechnungsstellung.

    Die voreschlagene varainte KANN man mache muss man nicht. WennSie zu Voteil des Kunden ist, warum nicht?
    Sie wird auch nur bei bestimmten Produkten überhaupt in Frage kommen. Entschiedend ist, das die vom berater vorgschlagenen Produkte nicht von der Provision abhängen sondern vom bedürfnis (finanziell, inhaltlich)des beratenen. Damit steht und fällt alles. Wie gesagt, nur eine Variante, die bei der Honoarberatung immer ausgeschlossen werden kann, wenn der Kunde es wünscht.

  • @Aufklärung8
    Ein Honorar ist nur fair, wenn es für alle gleich nach einer allgemein gültigen Honorarordnung erhoben wird wie bei Rechtsanwälten oder Steuerberatern üblich. Wenn ich dann wieder anfangen muss Provisionen zu verrechnen, dann wird dem Missbrauch noch mehr die Tür geöffnet, weil dann auch doppelt abgezockt würde!!!

  • @Timo Müller

    Der beratungsumfang eines jungen baföG Empfängers ist nicht so hoch. Als berater würde ich (mir) zudem sagen: "Den berate ich jetzt für nicht zu viel Geld, mache ich das gut, kommt er wieder, erinnert sich an das faire gute Preis-Leistunsverhältnis... . " So haben beide was davon u. so sollte es sein.

    Zudem kann man vorab !! vereinbaren: entscheidet sich der Kunde zum Kauf eines Produktes u. gibt der bereitsteller des ausgewählten Produkts dem berater eine "Entlohung", kann dies mit dem Honorar verrechnet werden. Aber die o.a. Entlohnung des beraters darf eben nicht das Kriterium für die empfohlenen Produkte sein.

  • ich hatte mir 2 Verträge von Moneymaxx andrehen lassen,
    der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Einsatz.
    Wohingegen die Kapital-LV`s bei Europa und HUK richtig Freude bereiten...- (davor wird ja auch sehr häufig gewarnt)

  • Zu Aufklärung08
    Er hätte sich als bafög-Empfänger vermutlich nicht das Honorar für die Honorarberatung der berufsunfähigkeitsrente, Unfallversicherung und Privathaftpflichtversicherung leisten können. Diese angedachte Form der Finanzberatung rechnet sich nicht für Geringverdiener. Sie würde auch die Vermittlerschaft spalten in Honorarberater für besserverdienende und Versicherungsmakler und Vermittler für Geringverdiener. beides geht nicht, sonst wird nämlich zusätzlich zum Honorar noch Provision kassiert. Ein Schelm wer dabei böses denk!

  • @Herr Müller

    Die Honorarberatung - so seriös- hätte ihm zu einem Abschluss zur LV abgeraten und dem baföG-Empfänger somit viel Geld erspart.

    Warum Sie dem bafög Empfänger die Möglichkeit zu einer bU-Versicherung absprechen, habe ich nicht verstanden.

    ich gebe ihnen Recht, das die Honorarberatung am Markt derzeit kaum Chancen hat, aber das spricht ja nicht für den Status Quo.

  • Zu Aufklärung08
    Die Honorarberatung, so es sie tatsächlich rechtlich gäbe, hätte beim baFög-Empfänger gar nichts gebracht. Er hätte nicht einmal eine berufsunfähigkeitsrente bekommen! Und sollte es jemals eine Honorarberatung geben, dann werden die Kunden meist den berater mit dem niedrigsten Honorar wählen. Und genau der verkauft wieder die teuersten Policen. Schön gedacht aber leider an der Praxis vorbei!

  • Die provisionsbasierten "Finanzberater" sind alle Abzocker, zur Abzocke vedammt. Die fondsgebundende LV ist noch schlecher als ihre nicht fondsgebundende Vorgängerin bzw. Schwester: Risiko schön voll auf den Kunde abgewälzt, nix mehr mit Garantiezins (der eh schon sank ohne Ende).

    Mehr als 50 % aler Lv´s werden vor Ende der eigentlichen Laufzeit gekündigt, in diese Zeiten
    nichts Überraschendes. Die Finanzfuzzies" wissen das auch.

    Folge: Milliardenverluste (gesamtwirtschaftlich)und böse Überraschungen bei Kentnnis des jeweils aktuellen Rückkaufswert für die Anleger/Sparer.
    Manch einer bekam gar nix zurück obwohl 3 Jahre eingezahlt.

    Liebe gleich ein Honorar für die unabhängige !! Finanzberatung vereinbaren und dafür schriftlich Transparenz und und klare Darstellung der Haftungsfrage unmissverständlich einfordern bzw. dokumentieren lassen.

  • zu Tino Müller

    Zunächst muss die Finanzbranche ja nicht immer herhalten und außerdem ist diese branche nun einmal unseriös. Unbestritten ist, dass es es auch Licht im finstersten Dunkel dieser branche gibt (aber wenig, sehr wenig). Grundsätzlich kann ich heutzutage Menschen verstehen, die ihr erspartes lieber in den Strumpf stecken, als es gierigen Finanzhaien in den Rachen zu schmeißen. Einen guten, aufrichtigen Finanzberater zu finden ist fast so unwahrscheinlich wie einen Arzt oder Zahnarzt zu finden, dem es in erster Linie um das Wohl seiner Patienten geht.

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