Nach der Griechenlandwahl Börsentheater, nächster Akt

Aktienanleger können sich freuen, doch wie lange? Die nächste Rettung wird geprobt. Dabei kommt es auf Frankreich an. Wenn Hollande seinen Weg fortsetzt, wird Deutschland über den Ausstieg aus dem Euro nachdenken müssen.
  • Christoph Bruns
7 Kommentare
Christoph Bruns, Vorstand und Fondsmanager der Fondsboutique Loys

Christoph Bruns, Vorstand und Fondsmanager der Fondsboutique Loys

Erwartungsgemäß und zugleich knapp ist die Wahl der Griechen ausgelaufen. Ein guter Sinn für das Tragische liegt den Hellenen seit ehedem im Blut. Jene Gründe, die in Griechenland vor 15 Jahren viel kreativen Beitrittseifer hervorgerufen  hatten, sind die gleichen, die heute einen Verbleib im Euro-Raum aus griechischer Sicht wünschenswert erscheinen lassen.

Für das Börsentheater stellt die Griechenland-Wahl nur ein retardierendes Moment dar. Den allermeisten Marktteilnehmern ist klar, dass in den kommenden zwei Jahren noch weitere Euro-Rettungsszenen folgen werden. Vieles kommt dabei auf Frankreich an. Sollte Frankreich seinen ohnehin schon bedenklichen Weg des Staatsdirigismus verstärken – wofür angesichts des klaren Mandates von Präsident Francois Hollande manches spricht –, wird  Deutschland über kurz oder lang eine Grundsatzentscheidung über das unbeirrte Festhalten an der Gemeinschaftswährung treffen müssen.

Gewinner der Wahl ist einstweilen der Euro selbst. Denn wie schon in Irland vor wenigen Tagen hat auch dieser Urnengang gezeigt, dass allem Gezeter zum Trotz die Stimmen der Vernunft in den Nationalstaaten die Oberhand behalten haben. Offenbar unterschätzt die angelsächsisch dominierte Anlagewelt die Hartnäckigkeit, mit der die Euro-Länder an ihrer Währung festhalten. Und das nicht ohne Grund. Man darf nicht vergessen, dass der Euro trotz seiner Konstruktionsmängel seit seiner Einführung gegen den US-Dollar und das britische Pfund aufgewertet hat. Zudem ist eine Rückkehr zu den Altwährungen rückwärtsgewandt und zudem unrealistisch. 

Freuen können sich einstweilen die Aktienanleger, alldieweil der Nebenkriegsschauplatz Währung nunmehr etwas in den Hintergrund treten wird und dadurch die Alternativlosigkeit der Beteiligung an börsennotierten Unternehmen klarer hervortritt. Gefährdet sind unterdessen die Anleihekurse. Angesichts der drohenden Gefahr von Euro-Bonds und –Bills nähme es wenig Wunder, wenn es gerade bei deutschen Anleihen zu empfindlichen Kursrückgängen käme. Die negativen Realzinsen tun ein Übriges.

Insgesamt darf das große historische Bild nicht völlig übersehen werden. Die Demokratie der Weimarer Blick ist nicht aufgrund einer Überzahl von Nazis zerbrochen, sondern wegen des Mangels an Demokraten. Der Euro wird seinerseits nicht an der Finanz- und Stimmengewalt seiner regionenexternen Gegner zerbrechen, sondern im Zweifel am Mangel an überzeugten Europäern.

Christoph Bruns ist Fondsmanager und Chef der Fondsboutique Loys.

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7 Kommentare zu "Nach der Griechenlandwahl: Börsentheater, nächster Akt"

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  • Sehr gut!

  • schwachmatiges Gelaber ...

    Den sch... EURO wird es zerreißen und die ehemaligen Profiteure werden bluten ...

  • „Der Euro wird seinerseits nicht an der Finanz- und Stimmengewalt seiner regionenexternen Gegner zerbrechen, sondern im Zweifel am Mangel an überzeugten Europäern.“

    Das sollten all diejenigen beherzigen die meinen die Gemeinschaft sei eine Kasse in die man nach belieben hineingreifen kann.

  • Zitat: „Der Euro wird seinerseits nicht an der Finanz- und Stimmengewalt seiner regionenexternen Gegner zerbrechen, sondern im Zweifel am Mangel an überzeugten Europäern.“

    Das hätten Sie wohl gerne - dass ich mich als Europäer zum Schluss noch verantwortlich fühle für den möglichen Niedergang des Euros. Ich bin doch noch nicht mal gefragt worden. Und WENN man mich gefragt hätte, wäre ich mit dieser Vorgehensweise (zuerst den € und erst danach alles andere) gar nicht einverstanden gewesen. Dieses Vorgehen ist zutiefst undemokratisch und ich möchte mir nicht noch sagen lassen, ich trüge in irgendeiner Weise eine Verantwortung.
    Die Schuld am Ende des € tragen die, die ohne Rücksicht auf entscheidende Länder-Unterschiedlichkeiten dieses Konstrukt eingeführt haben. Sie haben sich arrogant über die Kritiker hinweg gesetzt und hatten sogar noch die Frechheit, ihnen fehlende Solidarität und fehlende Überzeugung vorzuwerfen. Jetzt wird das Ding an die Wand gesetzt und Schuld sollen die sein, die die Fehler vermeiden wollten.

  • Tja lieber Herr Bruns, dann zeigen Sie doch neben großen Worten, dass Sie auch ein Mann der Taten sind und nehmen sie eine erhebliche Summe ihres sicherlich nicht unerheblichen Vermögens und fahren damit nach Griechenland und kaufen einem Teil der Obdachlosen was zu essen und Medikamente...

    Vielleicht gründen Sie auch eine Stiftung, die dies zum Zwecke hat und versuchen ihre Mitmenschen zu animieren dort mitzumachen?

    Mit Verlaub, bin ich ein guter Europäer, wenn ich contra legem und wider jegliche ökonomische Vernunft, kurzsichtig gegen die langfristigen Interessen des Gemeinwohls an plumper Symbolpolitik festhalte?

    Und bitte: Selbst wenn die EU abgewickelt würde und der EURO abgeschafft würde, glaube ich nicht, dass irgendein europäisches Volk (nebenbei alle im gleichen Militärbündnis zusammengeschlossen) auf die Idee kommen würde mal bei seinem Nachbarn einzumarschieren. Also bitte verschonen Sie uns mit Nazivergleichen, es ist einfach nur lächerlich.

  • Wer hat die Macht im "Staate".
    Die Finanzmärkte? Meine Güte, wie verkommen ist die Politik geworden! Aber jeder bekommt eben seine Herrschaft, die man sich redlich verdient. Die Menschen interessieren die Märkte einen feuchten Haufen. Je uninteressanter die lieben Märkte werden, umso mehr kann man sich wieder um Demokratie kümmern.
    Sehr richtig, Finanziers sind keine Demokraten, bzw. haben kaum demokratisches Interesse. Wozu auch?
    Es wäre schön, wenn der Bürger erkennen könnte, das dieser mit seinem Kaufverhalten aktiv demokratisch handeln kann.

  • dieses unsägliche Theater mit diesen Staatsbankroteuren auf der einen und den Banken und Versicherungen, die vor lauter Kraft nicht laufen konnten auf der anderen Seite. Die diese maroden Staaten und Wirtschaften mit Kapital vollgepumpt haben und nun versuchen zu retten was zu retten ist. Es erinnert stark an die Situation in der "deutsche Banken" an der Verbreitung von Subprime Papieren beteiligt waren, obwohl jedem mit Verstand klar sein mußte, dass dies zu einem Totalverlust führen mußte.
    Die Banken und Versicherungen sollen für ihre Invetmentstrategie zur Verantwortung gezogen werden, nur so hört dieser Irrsinn auf.

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