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Nur wenige Fonds mit spezieller Ausrichtung bieten dem Anleger mehr als einen Marketing-Gag Gute Fonds-Themen schwer zu finden

Die große Zeit der Themenfonds ist vorbei. Noch zu Zeiten des Neuen Markts und des Internet-Hypes kamen fast wöchentlich neue Fonds vor allem mit dem Schwerpunkt Technologie- oder Internetaktien auf dem Markt. Mittlerweile ist es ruhiger geworden. Denn mit dem Platzen der Blasen wurden die Anleger zunehmend vorsichtiger. Obwohl diese Skepsis zumindest teilweise berechtigt ist, entgehen den Investoren damit auch Chancen.
  • Patrick Mönnighoff

HB DÜSSELDORF. Dass Themenfonds derzeit unter Anlegern nicht gerade beliebt sind, lässt sich leicht belegen. So zeigen die Daten des deutschen Fondsverbandes BVI, dass diese Produkte in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres kräftige Mittelabflüsse hinnehmen mussten. Während insgesamt über 19 Mrd. Euro ziehen in Fonds investiert wurden, ziehen die Manager der meisten Themenfonds ein ernüchterndes Fazit.

Allein die Schwellenländer-Portfolios verloren gut eine halbe Mrd. Euro. Sogar die neuen "BRIC-Fonds", die in Brasilien, Russland, Indien und China investieren, konnten den Abwärtstrend kaum bremsen. Auch andere Fonds litten unter ähnlich hohen Mittelabflüssen. Einzig für Portfolios, die hauptsächlich in Rohstoffwerte oder Osteuropa investieren, haben sich die Anleger zuletzt noch begeistert.

Für Thomas Bieler, Experte für Finanzfragen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, ist dieser Trend leicht zu erklären. "Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich derartige Investments häufig nicht ausgezahlt haben", sagt er. Und diese leidvollen Erfahrungen seien längst noch nicht vergessen. Zudem untergraben die Fondshäuser das Vertrauen der Anleger selbst. "Oftmals werden Themenfonds rein aus Marketing-Gründen entwickelt", sagt Bieler. Der Trend existiere dann nur in den Prospekten der Fondsgesellschaft und könne sich daher auch nicht positiv auf die Rendite auswirken.

So versprechen Portfolio-Manager mitunter hohe Renditen, indem sie auf so genannte Zukunftswerte setzen. Dann wandern Papiere von Coca-Cola oder McDonald?s in die Portfolios, da diese Marken bei Jugendlichen besonders beliebt sind und mit den Jugendlichen auch geschäftlich weiter wachsen sollen. Ähnlich strukturiert sind Produkte, die mit Großereignissen wie der Fußball-WM auf sich aufmerksam machen. "Bei derartigen Fonds fehlt aber häufig eine langfristige Strategie", sagt Achim Backhaus, Fondsanalyst bei Feri Trust.

Gänzlich auf Themenfonds verzichten sollten Anleger jedoch nicht. "Als Beimischung für das private Depot sind einige Themenfonds durchaus sinnvoll", sagt Oliver Meus, Vermögensverwalter in Bad Homburg. Auch Backhaus sieht in den Produkten eine gute Ergänzung für das Portfolio, solange sich die Anleger das zusätzliche Risiko bewusst machen. Und sogar einige eher exotische Produkte, die beispielsweise auf die demographische Entwicklung setzten, versprechen durchaus noch Potenzial. Denn der Vorteil der Fonds liegt auf der Hand. Die Fondsmanager haben weit mehr Informationen über die Ländern und Branchen und können häufig auf ein Research-Team zurückgreifen. Blind dem Fondsmanager zu vertrauen, sei allerdings nicht ratsam, sagt Meus. So unterscheidet sich beispielsweise die Strategie auch bei Fonds, die auf dasselbe Thema setzen, mitunter deutlich. Manchmal ist auch das Fondsvermögen so gering, dass die Abgaben an die Fondsgesellschaft auch die beste Rendite verstümmeln.

Ein erster Orientierungspunkt für die Anleger sind die Veröffentlichungen von Fondsvergleichen. Diese zeigen zumindest auf, wie sich die Fonds in der Vergangenheit entwickelt haben und wie viel Kapital sie verwalten. "Diese Werte lassen jedoch nur Vermutungen für die zukünftige Entwicklung zu", sagt Vermögensverwalter Meus. Zumindest das Fondsprospekt zu lesen, sei daher Pflicht.

Interessant sind für Verbraucherschützer Bieler auch einige ethische oder ökologische Investmentfonds. Bei der Auswahl der Aktien achten die Manager auf ethische oder ökologische Kriterien, die die jeweiligen Unternehmen einhalten müssen. Diese Fonds beruhigen nicht nur das Gewissen. "Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass das Rendite-Risiko-Verhältnis nicht schlechter als bei anderen Produkten ist", sagt Bieler.

Fallstricke

Höheres Risiko: Anleger, die auf Themenfonds setzen, begrenzen damit auch ihr Anlageuniversum. Wer beispielsweise auf einen Boom an den asiatischen Aktienmärkten spekuliert, kann - falls dieser ausbleibt - herbe Verluste erleiden, auch wenn anderswo die Kurse steigen.

Ungewisse Strategie: Generell gilt an der Börse: "Der Trend ist dein Freund." Wenn also eine Fondsgesellschaft einen echten Trend erkennt und darauf mit einem Themenfonds reagiert, können die Anleger davon profitieren. Allerdings werden die Trends oftmals zu Marketingzwecken von den Fondshäusern inszeniert. Ein Erfolg der Produkte ist häufig fraglich. Anleger müssen daher selbst lukrative Investmentideen von kurzlebigen Modeerscheinungen unterscheiden.

Imitate: Hat eine Fondshaus erfolgreich einen Trend erkannt, ziehen die anderen oftmals möglichst schnell mit eigenen Produkten nach. Anleger sollten sich daher zunächst für ein Thema entscheiden und dann die verschiedenen Produkte vergleichen.

Regionen, Branchen und Exoten

Kategorien: Eine klare Abgrenzung für Themenfonds gibt es nicht. Häufig findet eine Unterteilung in Regionen- und Branchenfonds statt. Hinzu kommen noch exotische Produkte, die in keine der beiden anderen Kategorien fallen.

Regionenfonds: Unter den Themenfonds stellen die auf bestimmte Regionen ausgerichteten Produkte die größte Gruppe dar. Besonders beliebt waren unter Anlegern lange Zeit Fonds, die in so genannte Schwellenländer (Emerging Markets) investieren. Diese Fonds weisen daher noch immer das höchste Fondsvermögen auf. In Asien hat Indien aber mittlerweile Japan den Rang abgelaufen. Momentan fließt das meiste Geld jedoch in Osteuropa-Portfolios. Auch Aktien aus der Schweiz, Italien, Frankreich und Großbritannien sind weiterhin beliebt.

Branchenfonds: Die Mehrzahl der Branchenfonds investiert noch immer in Biotechnologie-, Technologie-, Telekommunikations- und Internetwerte. Vieler dieser Portfolios wurden aber noch zu Zeiten des Neuen Markts aufgelegt. Seit dem Platzen der Internetblase fließt weitaus mehr Geld in Rohstoff- und Energie-Fonds. Relativ stabil blieben in den vergangenen Jahren Portfolios, die in Finanzpapiere investieren.

Exoten-Fonds: Viele Fondshäuser locken die Anleger mit exotischeren Produkten. Beliebt sind dabei Portfolios, die auf Großereignisse ausgerichtet sind. Derartige Produkte werden aber häufig als Marketing-Gags kritisierst, da eine langfristig ausgerichtete, erfolgversprechende Strategie fehlt. Interessanter sind da schon langfristige Trends wie die demographische Entwicklung. Beliebt sind bei den Fondsanbieter auch so genannte Öko-Fonds, die in Aktien von Unternehmen investieren, die gewisse ökologische Kriterien erfüllen.

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