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Ökologisch investieren Wie Anleger mit nachhaltigen ETFs Geld verdienen können

Nachhaltigkeit ist zum neuen Megatrend in der Finanzbranche geworden. Vor allem mit Blick auf das Risikomanagement hegen viele Profianleger aber offenbar Bedenken.
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Nachhaltig investieren: Fonds für ein besseres Klima Quelle: Imago/Westend61
Windenergie

Der Markt für nachhaltige ETFs wächst rasant.

(Foto: Imago/Westend61)

Frankfurt Nachhaltiges Anlegen ist zu einem Riesengeschäft geworden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Finanzprodukte auf den Markt kommen, die auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung ausgerichtet sind. Das Kürzel ESG – für die englischen Pendants Environment, Social, Governance – bezeichnet einen Megatrend.

Die viel größere öffentliche Wahrnehmung der Sozial- und Klimathemen – etwa durch die Umweltbewegung „Fridays for Future“ – sorge für steigende Nachfrage bei Privatkunden, hat Antje Biber beobachtet, die das Feri SDG Office beim gleichnamigen Vermögensverwalter in Bad Homburg leitet.

SDG steht für die insgesamt 17 „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen. Mit diesen Nachhaltigkeitszielen sollen beispielsweise der Hunger und die Armut weltweit bekämpft werden.

Trotz des Trends hin zum verantwortungsvollen Anlegen begegnen insbesondere die professionellen Investoren dem Thema noch mit Vorsicht. Vor allem mit Blick auf das Risikomanagement hegen viele Profianleger offenbar Bedenken.

„Jeder zweite befragte Investor glaubt, dass nachhaltige Anlagen Konsequenzen für das Risikomanagement haben können“, heißt es in einer Analyse von NN Investment Partners. Außerdem bemängeln 46 Prozent der befragten Anleger, dass es an Forschung und Informationen fehlt.

Die Risiken treiben auch Stefan May um, der das Asset-Management der Quirin Privatbank AG leitet. Er befürchtet, dass im Hype um das nachhaltige Investieren einige gravierende Risiken für private und professionelle Anleger übersehen werden. Zwar hält er große Stücke auf Indexfonds, aber auch hier gibt es für ihn erste Anzeichen einer Überhitzung.

Der Markt für nachhaltige ETFs wächst rasant. Das ist ein Modethema geworden, das sehr viele Anleger anlockt“, erklärt May gegenüber dem Handelsblatt. Zudem würden nachhaltige Anlagen – aktive und passive Produkte – auch von der EU administrativ gefördert.

„Ich sehe daher ganz klar die Gefahr einer Blasenbildung“, ergänzt der Anlagestratege. Dabei meint er die gesamte Nachhaltigkeitsindustrie, nicht nur die nachhaltigen ETFs.

Breite Streuung bleibt wichtig

In der Vermögensverwaltung bietet die Quirin Privatbank unter dem Begriff „Verantwortung“ zwar ebenfalls an ESG-Kriterien orientierte Indexfonds an, die allerdings ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen und in insgesamt elf Strategien mit unterschiedlichen Aktienquoten münden.

Dabei arbeitet das Team mit dem MSCI ESG-Research zusammen, um Rendite, Risiko und Nachhaltigkeit zusammenzubringen. Von aktiv gemanagten Fonds hält May dagegen wenig. Die meisten aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds hätten ein Anlageuniversum von beispielsweise 40 bis 50 Werten.

Das sei zu wenig, um die Risiken adäquat zu streuen. „Die meisten Analysen schauen nur auf die Rendite und vergessen eine angemessene Betrachtung der Risiken.“ Das sei aber wichtig. Denn speziell unsystematische Risiken können zu schmerzhaften Verlusten führen – auch in ,normalen‘ Börsenphasen.

Unter unsystematischen Risiken versteht man in der Portfoliotheorie denjenigen Teil des Risikos, der durch Diversifizierung der Wertpapiere reduziert werden kann.

„Durch gesenkte Risiken steigen auch die Renditechancen“, ergänzt May, dessen hauseigene ethisch-nachhaltige Vermögensverwaltung rund 3 000 Aktien und 800 Anleihen über ETFs und indexorientierte Fonds umfasst.

Durch das Auswahlverfahren werden der CO2-Ausstoß im Portfolio der Quirin Privatbank bei einem 100-prozentigen Aktienanteil nach eigenen Angaben um rund ein Drittel gegenüber dem Vergleichsmaßstab MSCI All Country World Index reduziert. Damit leiste das Portfolio auch einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele.

Waffen, Alkohol, Tabak herausfiltern

Bei der Beurteilung der verschiedenen Strategien gibt es auch Analysten, die den „Glaubenskrieg“ zwischen Anhängern von aktivem und passivem Investieren beim Thema Nachhaltigkeit nicht im Vordergrund sehen.

„Für auf Nachhaltigkeit fokussierte Anleger ist es wichtiger zu wissen, ob ein Fonds die ESG-Präferenzen des Anlegers erfüllt – ganz gleich ob aktiv oder passiv gemanagt“, sagt Andre Härtel, Leiter Fondsselektion bei Scope Analysis.

Grundsätzlich könnten Manager von nachhaltigen Fonds laut Härtel auf zwei Weisen vorgehen.
Erstens: Sie können im Voraus bestimmte Branchen, die ethische und nachhaltige Kriterien nicht erfüllen, ausschließen – wie die Waffen-, Alkohol-, Tabak- und Atomindustrie oder Branchen, die mit Kinderarbeit, Glückspiel oder Pornografie in Verbindung stehen.

Zweitens: Sie können nur in die besten Unternehmen der jeweiligen Branche investieren, die in Sachen Ethik und Nachhaltigkeit den anderen Unternehmen ihres Bereichs voraus sind (sogenanntes „Best-in-class/Best-of-class“-Vorgehen).

Wie ein Nachhaltigkeitsfilter wirkt, hat beispielhaft die Anlagegesellschaft State Street Global Advisors bei ihrem Produkt SPDR Stoxx Europe 600 ESG Screened Ucits ETF gezeigt. Über Ausschlusskriterien sollen Waffen-, Tabak- und Kohlehersteller draußen bleiben, ebenso Unternehmen, die sich nicht zur UN Global Compact-Initiative bekennen.

Diese weltweite Initiative für Unternehmen will bessere soziale und ökologische Bedingungen in der Welt sowie beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte und weniger Korruption.

Zu den 19 ausgeschlossenen Unternehmen im State-Street-Fonds gehören unter anderem Schwergewichte wie Novartis, Airbus, Volkswagen Vorzüge, BAe Systems, Rolls-Royce Holdings, Imperial Brands, RWE sowie Atlantia.

Bessere Performance

Wie ein „verantwortungsvolles Portfolio“ aussehen kann, hat die Quirin Privatbank mit den Bausteinen Xtrackers ESG MSCI World Ucits ETF 1C, iShares SRI World, Amundi Index MSCI World SRI, Franklin LibertyQ GI Equity SRI Ucits ETF und Xtrackers II ESG EUR Coporate Bond gezeigt.

Allerdings ist dies nur eine Auswahl der Fonds, alle eingesetzten Produkte werden nicht genannt. Bei der Produktauswahl werden weltweit Hersteller von Streumunition, Landminen, Atomwaffen sowie Unternehmen, die gegen den Globalen Pakt der Vereinten Nationen mit Unternehmen (UN Global Compact) verstoßen, vermieden.

Die Nachfrage nach ethisch-nachhaltigen Investments nimmt laut May zu. „In unserer Vermögensverwaltung machen Nachhaltigkeitsprodukte etwa 40 Millionen Euro aus.“ Er gehe davon aus, dass sich das Volumen in den kommenden zwei bis drei Jahren mindestens verzehnfachen werde.

Ein Grund für den Boom ist sicherlich auch die Erkenntnis, dass man mit ESG-Produkten nicht zwangsläufig weniger Rendite erwarten muss, ganz im Gegenteil. „Beinahe alle Studien und Marktanalysen zeigen, dass ESG-Kriterien die Performance von Unternehmen und anderen Anlagen gerade langfristig durchaus verbessern können“, meint Nachhaltigkeitsexpertin Biber von Feri.

Dass die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien immer zu Performanceverlusten führe, sei eine alte Mär, die schon längst widerlegt sei. Nur falls der ausgewählte Filter sehr umfangreiche Kriterien habe, könne die Performance vom Gesamtmarkt abweichen, aber nicht automatisch negativ.

Die wissenschaftliche Finanzmarktforschung neige tendenziell zur Position, dass es hinsichtlich der zu erwartenden Rendite keine nennenswerten Unterschiede zwischen traditionellen und nachhaltigen Anlagevarianten gibt, meint May von der Quirin Privatbank. Dabei seien viele Anleger durchaus bereit, auf den einen oder anderen Renditepunkt zu verzichten, wenn es denn für eine gute Sache sei.

Nur die wenigsten Anleger dürften aber akzeptieren, wenn ihre nachhaltige Anlage in Schwächephasen einen massiven Wertverlust erleidet.

Unterschiedliche Prioritäten

Ali Masarwah, Fondsexperte beim Analysehaus Morningstar, sieht bei ESG-Fonds im Grunde dieselben Faktoren und Fallstricke, die man bei konventionellen Fonds auch beachten muss. Dazu zählen etwa die Erfahrung der jeweiligen Manager oder die Höhe der Gebühren.

Bei Nachhaltigkeitsfonds oder ETFs komme allerdings die entscheidende Frage hinzu: Passt der ESG-Ansatz zu meinen Nachhaltigkeitszielen? Hier hätten kirchliche oder religiös motivierte Investoren andere Prioritäten als etwa Pensionsfonds, Stiftungen oder andere Institutionen.

Und genau so sei es auf Ebene der Privatanleger: Auch ihre Prioritäten seien höchst unterschiedlich. Wollen sie in eine Impact-Strategie investieren, um bestimmte Projekte zu fördern? Wollen sie in die nachhaltigsten Unternehmen investieren? Wollen sie nur die schlimmsten Sünder vermeiden? Wollen sie gerade in die schlimmsten Sünder investieren, die einen ESG-Turnaround anstreben?

Letztere Strategie heiße ESG-Momentum und sei momentan recht aktuell, weil sich das auch mit dem Thema „Value“ – also Substanzwerten – vertrage. Diese Fragen zeigen nach Ansicht des Morningstar-Experten Masarwah: Bei ESG-Investments kommt eine zusätzliche Komponente im Entscheidungsprozess der Anleger hinzu, die jeder selbst beantworten muss.

Angesichts der Vielschichtigkeit des Themas suchen Anleger nach Orientierung. Die Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien der Investmentprodukte wird heute von einer Vielzahl von Ratingagenturen angeboten, wobei MSCI, Sustainalytics, RepRisk und ISS Environmental & Social Quality Score den Markt dominieren.

Eine einfache Antwort auf die Frage, welches Gütesiegel man heranziehen und beachten soll, gibt es nicht. „Leider ist auch hier die Antwort komplexer als früher, weil sowohl der Markt der Nachhaltigkeitsprodukte stark wächst und die Komplexität zunimmt, als auch weil die Analysetools heute sehr vielfältig sind“, sagt Fondsexperte Masarwah von Morningstar.

Bisher hätten beispielsweise die Morningstar ESG Ratings eher die klassische, holistische ESG-Analyse von Sustainalytics widergespiegelt. Ab November würden die Morningstar-Ratings auf die neue Methodologie von Sustainalytics umgestellt, dann stünden die ESG-Risiken im Vordergrund, die einen materiellen-finanziellen Einfluss haben können auf die Unternehmen.

Wer sich bei Nachhaltigkeitsfonds engagieren will, der muss etwas Zeit aufwenden, um die Produkte genau zu überprüfen. Denn der Boom mit den ökologischen und sozial verantwortlichen Fonds ruft auch viele Trittbrettfahrer auf den Plan.

„Es besteht die Gefahr des sogenannten ‚Greenwashings‘, also dass sich manche Fonds nur einen ESG-Anstrich geben“, sagt Härtel von Scope Analysis.

Mehr: Der Fondsriese Vanguard senkt seine ETF-Gebühren in Europa.

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