Öl-Anleihe Dubai an der Havel

Brandenburg zockt mit einer Öl-Anleihe: Das Land hat überraschend ein "Öl-Performance-Zertifikat" aufgelegt, das ihm nicht nur einen Kredit von bis zu 100 Mill. Euro bringen kann, sondern mit dem es sich zugleich gegen sinkende Ölpreise absichert. Steigt der Ölpreis, ist das Land doppelt gestraft - doch einen Gewinner gibt es in jedem Fall.
Öl gibt es in der Uckermark nur in der Raffinerie in Schwedt - dorthin kommt es über eine lange Pipeline aus Russland. Foto: dpa Quelle: dpa

Öl gibt es in der Uckermark nur in der Raffinerie in Schwedt - dorthin kommt es über eine lange Pipeline aus Russland. Foto: dpa

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Werden bald Ölfördertürme im Havelland, in der Uckermark oder in der Lausitz die Landschaft prägen? Wird Brandenburg bald als 13. Mitglied der Opec beitreten? Der Eindruck drängt sich immerhin auf, dass die Regierung des östlichen Bundeslandes unbemerkt auf größere Vorkommen des schwarzen Goldes gestoßen ist.

Sinn macht so eine Anleihe nur für ein Land, das selber Öl fördert. Oder für den Anleger, der den Ölbond mit fünf Jahren Laufzeit noch bis zum 14. September zeichnen kann: Ist der Ölpreis innerhalb eines Quartals gestiegen, bekommt er 1,9375 Prozent Zins. Im besten Fall klappt es ein ganzes Jahr lang, dann wären es 7,75 Prozent. Eine üppige Maximalausbeute, die deutlich über dem risikolosen Marktzins liegt. Wenn der Anleger sich durch das 37-seitige und schwerverdauliche Emissionsprospekt gekämpft hat, erfährt er auch noch, dass ihm die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals garantiert wird. Bei Fälligkeit kann er demnach nichts verlieren - ein durchaus überschaubares Risiko.

Doch was bringt die Teilnahme am internationalen Energiepoker dem finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Bundesland? Am besten kommt Ministerpräsident Matthias Platzeck weg, wenn sich beim Ölpreis nichts mehr tut oder der Preis eher fällt. Dann erhält er den Kredit zum Nulltarif. Doch davon gehen die wenigsten Experten aus. Wahrscheinlicher ist, dass der Preis weiter zulegt. Dann ist das Land doppelt gestraft: Es muss nicht nur die steigenden Energiekosten tragen, sondern auch noch viel Geld auf die Konten der Anleger überweisen.

Nur einer der Mitspieler gewinnt auf jeden Fall: UBS als konsortialführende Bank. Die Schweizer hatten die Produktidee, und die Politiker ließen sich nicht lange bitten. UBS und ihre Vertriebspartner dürften die 100-Millionen-Euro-Marke spielend schaffen. Sie werden das Zertifikat schon an die Frau und den Mann bringen. Öl als Anlagethema ist sexy, in Verbindung mit einer Kapitalgarantie und der Aussicht auf ein Zinsplus noch mehr.

Da sicherlich die meisten der betuchten Investoren aus den westlichen Bundesländern kommen dürften, wird das Papier nebenbei zu einem Instrument innerdeutscher Umverteilung. Die Sparkasse Regensburg etwa bewirbt das Zertifikat schon auf ihrer Internetseite mit der "Chance auf attraktive Rendite" und begründet dies mit der bevorstehenden Hurrikan-Saison. Hoffentlich ist das Havelland sturmfest.

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