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Ölfonds Norweger überdenken Ausstieg aus Energieaktien

Norwegens Staatsfonds hat viel Geld in Öl- und Gasaktien investiert. Das könnte auch in Zukunft so bleiben. Denn die Investments werfen hohe Renditen ab.
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Der Chef des norwegischen Ölfonds wollte eigentlich keine Öl- und Gas-Investments mehr tätigen- Quelle: Reuters
Yngve Slyngstad

Der Chef des norwegischen Ölfonds wollte eigentlich keine Öl- und Gas-Investments mehr tätigen-

(Foto: Reuters)

StockholmDer geplante Ausstieg des norwegischen Ölfonds aus seinen Beteiligungen an Öl- und Gasunternehmen ist wieder unsicherer geworden. Eine von der norwegischen Regierung eingesetzte Kommission hat jetzt empfohlen, den vom Ölfonds-Chef Yngve Slyngstad vorgeschlagenen Ausstieg aus allen Öl- und Gas-Investments nicht durchzuführen.

Die bisherige Investment-Strategie sei „einfach und gut begründet” gewesen und habe dem Fonds in der Vergangenheit hohe Renditen beschert, heißt es in dem Bericht der dreiköpfigen Kommission. Eine Abkehr von Investitionen in Energieunternehmen würde wahrscheinlich „zu niedrigeren Renditen und einem höheren Risiko führen”, erklärte ein Sprecher der Kommission.

Yngve Slyngstad hatte als Chef des größten Staatsfonds der Welt vergangenes Jahr vorgeschlagen, dass sich der Fonds aus seinen Investitionen in die Öl- und Gasbranche zurückziehen sollte. Das Risiko für den Fonds sei wegen großer Schwankungen des Ölpreises zu groß, begründete er den Vorschlag.

Die norwegische Zentralbank, unter deren Aufsicht der Fonds arbeitet, hatte im November vergangenen Jahres deshalb einen entsprechenden Vorschlag dem Finanzministerium vorgelegt. „Es ist ein Vorschlag, von dem wir meinen, das er das Risiko für das staatliche Vermögen durch Schwankungen des Ölpreises verringert“, erklärte damals der stellvertretende Zentralbankchef Egil Matsen. „Wir haben unsere Empfehlung abgegeben, jetzt warten wir auf die Entscheidung der Regierung”, kommentierte Matsen jetzt den Vorschlag der Kommission.

„Wir haben jetzt eine gute Grundlage, um eine Entscheidung zu treffen”, erklärte die norwegische Finanzministerin Siv Jensen in Oslo. Wann die Mitte-Rechts-Regierung eine Entscheidung über das künftige Engagement des Staatsfonds in Öl- und Gasunternehmen treffen wird, wollte sie noch nicht sagen.

Nach einem Regierungsbeschluss muss auch noch das Parlament über die Frage entscheiden. Die norwegische Regierung unter Ministerpräsidentin Erna Solberg hat keine eigene Mehrheit. Die oppositionellen Sozialdemokraten haben sich bislang nicht endgültig festgelegt. Allerdings betonte eine Sprecherin, dass ihre Partei grundsätzlich positiv gegenüber einem Ausstieg aus Öl- und Gas-Aktien gestimmt sei.

41 Milliarden Dollar in Aktien von Öl- und Gasunternehmen

Derzeit hat der Staatsfonds 41 Milliarden Dollar in Aktien von Öl- und Gasunternehmen investiert. Insgesamt verwaltet der Fonds rund eine Billion Dollar. Die Öl- und Gasaktien machen zwar nur 6,2 Prozent aller Aktieninvestments des Fonds aus. Allerdings brachten sie im zweiten Quartal dieses Jahres mit 13 Prozent die höchste Rendite aller Investitionen des Fonds.

Grund dafür war der zuletzt wieder gestiegene Ölpreis. Bei einer Reihe von internationalen Energiekonzernen gehört der norwegische Ölfonds zu den größten Investoren. So hält er an Shell über zwei Prozent. Es ist das drittgrößte Investment des Staatsfonds überhaupt. Bei BP ist er mit knapp zwei Prozent beteiligt, bei Chevron und Exxon Mobil mit jeweils knapp einem Prozent.

Außerdem halten die Norweger größere Anteile an der brasilianischen Petrobas, der mexikanischen Pemex, der italienischen ENI, der spanischen Repsol, der französischen Total sowie an den russischen Ölkonzernen Lukoil und Gazprom. Die Abhängigkeit des Fonds vom Ölpreis ist trotz des vergleichsweise geringen Anteils an Öl- und Gasaktien sehr hoch.

Denn der Staat ist mit 67 Prozent am größten norwegischen Unternehmen, dem Öl-Riesen Equinor, vormals Statoil, beteiligt. Außerdem fließen jährlich Milliardenbeträge aus den staatlichen Anteilen der Öl- und Gasfelder vor der norwegischen Küste in den Fonds.

Fonds erhöht seine Investments in Aktien um zehn Prozentpunkte

Die Anlagestrategie beruht auf Vorgaben der norwegischen Regierung. Erst kürzlich hat der Fonds die Erlaubnis erhalten, seine Investments in Aktien um zehn Prozentpunkte auf nunmehr 70 Prozent zu erhöhen. Fonds-Chef Yngve Slyngstad hatte das vorgeschlagen, um die wegen der Niedrigzinsen niedrigen Renditen bei Staatsanleihen auszugleichen zu können. 25 Prozent dürfen in Staatsanleihen angelegt werden, fünf Prozent in Immobilien.

Insgesamt gehören dem Ölfonds 1,4 Prozent sämtlicher auf der Welt ausgegebenen Aktien und 2,5 Prozent der europäischen. In Deutschland hält der Fonds über vier Prozent an den Dax-Unternehmen. Der Fonds, so hat das Finanzministerium in Oslo entschieden, darf seinen Anteil an einem einzigen Unternehmen nie über zehn Prozent steigern und auch nicht im Inland investieren, um eine Überhitzung der einheimischen Wirtschaft zu verhindern. Insgesamt ist der Fonds an rund 9.000 Unternehmen in 80 Ländern beteiligt.

Die Top Ten der gewichtigsten Aktieninvestments liest sich wie das „who is who“ der Wirtschaft: Als größte Beteiligung steht der US-Konzern Apple oben in der Anlageliste, gefolgt von Nestlé und Royal Dutch Shell. Die Fondsmanager bilden den Index FTSE Global All Cap nach und versuchen, ihn durch gezielte Investments zu schlagen.

Bei den Staatsbonds sind die aus den USA, Japan und Deutschland am stärksten vertreten. In den vergangenen Jahren hat der Fonds verstärkt auch in Schwellenländern investiert. Derzeit untersucht das Finanzministerium, ob es dem Fonds auch Investitionen in Private Equity und Infrastruktur genehmigen soll.

In den Fonds fließen seit 1996 die staatlichen Einnahmen aus dem Ölgeschäft des Landes. Er wurde eingerichtet, um den Wohlfahrtsstaat auch nach dem Versiegen der Öl- und Gasquellen noch finanzieren zu können. Der Ölfonds dient aber nicht nur der sozialen Vorsorge, sondern soll auch den Staatshaushalt in der Balance halten. Bislang wurden reale Erträge von vier Prozent im Haushalt eingeplant. Einnahmen, die darüber hinaus gehen, werden akkumuliert.

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