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Private Equity Finanzinvestor EQT geht unter die Aktivisten

Der schwedische Finanzinvestor will auch in die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen einziehen. Die Bedeutung von aktivistischen Investoren nimmt aber auch weltweit zu.
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Der weltweite Co-Chef für Übernahmen des schwedischen Investors EQT plant mehr Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Quelle: Stephanie Nolte / Ottobock
Marcus Brennecke

Der weltweite Co-Chef für Übernahmen des schwedischen Investors EQT plant mehr Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen in Deutschland.

(Foto: Stephanie Nolte / Ottobock)

MünchenIn Deutschland schickt sich ein weiterer, viele Milliarden schwerer Finanzinvestor an, über Beteiligungen an Unternehmen und Konzernen die Strategie mit zu bestimmen und schlecht geführte Gesellschaften zu optimieren. Mit einem speziellen Fonds für „Public Value“ habe man schon Investments in börsennotierte Unternehmen in Skandinavien getätigt, über die Zeit werde man die Engagements ausweiten und dabei könnten auch deutsche Firmen als Kandidaten in Frage kommen, sagte Marcus Brennecke, Partner und Europachef Equity, am Mittwoch in München. Man strebe dabei in der Regel ein oder zwei Sitze im Aufsichtsrat an, um entsprechenden Einfluss nehmen zu können.

In Deutschland tauchen immer häufiger aktivistische Investoren auf, die Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen wollen. Zumeist haben sich Fonds vorgewagt, die aus den USA kommen und dort nicht mehr so viele Unternehmen finden, die aufgespaltet oder umgebaut werden können.

Zu den mächtigsten der Branche gehört der Hedgefonds Elliott, der bei Thyssen-Krupp eingestiegen ist und dafür sorgte, dass Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende abtraten. Zudem kaufte Elliott ein Aktienpaket beim Anlagenbauer Gea, worauf Konzernchef und Finanzvorstand ihren Rücktritt ankündigen. In Deutschland ist aber auch der Fonds Cevian, der wie EQT schwedische Wurzeln besitzt, etwa bei Thyssen-Krupp eingestiegen und forciert wie im Fall Bilfinger Berger eine Aufspaltung des Konzerns.

Weltweit sind Aktivisten im vergangenen Jahr so viele börsennotierte Unternehmen angegangen wie noch nie, wie aus einer Studie der Investmentbank Lazard hervorgeht. Danach wurden 226 Unternehmen zum Ziel von Aktivisten. Die aggressiven Investoren investierten 2018 dabei 65 Milliarden Dollar, um sich in Unternehmen einzukaufen. Elliott war mit 22 neuen Kampagnen der aktivste unter den aktivistischen Investoren. Zuletzt kursierten Gerüchte, dass die Amerikaner ihren Anteil an Uniper aufstocken wollten.

Eigentlich gehört EQT, hinter der die schwedische Wallenberg-Familie steht, zu den gewichtigsten Spielern im europäischen Private-Equity-Geschäft. Die Beteiligungsfonds haben seit Gründung der Gesellschaft 1994 bis heute insgesamt 52 Milliarden Euro eingesammelt.

Die Bedeutung von aktivistischen Investoren hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, EQT würde voraussichtlich ähnlich agieren wie die Gesellschaft Cevian, die bereits mehrere Investments getätigt hat. Private-Equity-Häuser haben sich hier bisher zurückgehalten. EQT halte jetzt nach Unternehmen Ausschau, „die wir für unterbewertet halten“, sagte Brennecke.

Bisher ist EQT eher für Mehrheitsübernahmen oder Minderheitsengagements bei nicht notierten Gesellschaften bekannt, beispielsweise beim Gesundheitsspezialisten Otto Bock oder dem Hörgerätehersteller Sivantos und Sirona Dental.

Brennecke hält den Höhepunkt im laufenden Zyklus bei Private Equity für überschritten, mit sinkenden Bewertungen könne man wieder günstiger einkaufen. Insgesamt stehe die Branche wegen der geopolitischen Unsicherheiten wie dem Brexit vor einer „holprigen Wegstrecke“. Börsengänge – auch der eigene von EQT – seien 2019 nicht ausgeschlossen, würden aber schwieriger wegen der Kursturbulenzen. Die Portfoliofirma Otto Bock habe 2018 ein sehr gutes Jahr gehabt, das Initial Public Offering – abgekürzt IPO – komme aber frühestens im nächsten Jahr.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters nehmen die Börsenpläne von EQT aber Formen an. Die Agentur beruft sich auf einen Insider. Bei dem Schritt sollten Aktien für rund eine Milliarde Euro auf den Markt geworfen werden, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen. Der Streubesitz solle bei bis zu 25 Prozent liegen, die Private-Equity-Gesellschaft insgesamt mit etwa vier Milliarden Euro bewertet werden. EQT könnte den Schritt aufs Parkett in Stockholm ab dem zweiten Quartal wagen. Von EQT war am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

In den vergangenen Jahren haben mehrere Beteiligungsfirmen den Sprung an die Börse gewagt, allerdings vorwiegend in USA: KKR, Blackstone, Apollo und Carlyle wollen sich damit weniger abhängig von den Anlegern in ihren geschlossenen Fonds machen. In Europa sind die schweizerische Partners Group und die britische 3i an der Börse gelistet.

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