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Teure Laborforschung will bezahlt werden Wachstumskapital verzweifelt gesucht

Die Private-Equity-Branche ist aus den Finanzmärkten nicht mehr wegzudenken. Buyout-Firmen sammeln Geld für Jumbo-Fonds ein; fast jede Woche wird ein neuer Größenrekord gebrochen. Konsortien von Buyout-Firmen schließen sich zu Milliardendeals zusammen und gehören heute in einigen Branchen zu den größten Arbeitgebern. In Deutschland wird spekuliert, wann ein Dax-Unternehmen zum Zielobjekt der Private-Equity-Häuser wird.
  • David M. Rubenstein

Die größeren Fondsvolumina haben dazu geführt, dass Buyout-Firmen auch immer größere Investments eingehen. Häuser, die traditionell in Firmen mit einem Wert von 100 bis 500 Mill. Euro investiert haben, spielen nun in der Liga von 500 Mill. bis zwei Mrd. Euro. Andererseits haben die Wagniskapitalfonds, die Geld für Start-ups oder Frühphasenfinanzierung bereitstellen, die Größe ihrer Investitionssummen nicht erhöht. Als Folge dieses Trends ist eine Lücke im so genannten Small-Cap- beziehungsweise Mid-Cap-Markt entstanden. Diese Lücke schließen nun einige Private-Equity-Firmen, indem sie Wachstumskapital in der Größenordnung von 25 bis 200 Mill. Euro Unternehmenswert zur Verfügung stellen.

Wachstumskapital zielt auf etablierte Cash generierende Unternehmen ab, denen die Mittel für eine Expansion fehlen oder die offen für einen Management-Buyout sind. Da nicht alle Investments voll mit Fremdkapital „gehebelt“ werden können, halten Investoren nach Wachstumspotenzial Ausschau, um auf diese Weise eine entspre-chende Rendite zu erzielen. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist die kürzlich von Carlyle erworbene französische Firma Cameca. Das Unternehmen ist seit 60 Jahren am Markt und stellt Analyseinstrumente für naturwissenschaftliche Labore auf der ganzen Welt her. Vor zwei Jahren brachte Cameca ein neues Produkt für kommerzielle Anwendungen in der Halbleiterbranche auf den Markt. Der stabile Cash-flow des Stammgeschäfts hat einen kleinen Leveraged Buyout ermöglicht, das Wachstumspotenzial aber kommt aus dem neuen Geschäftsfeld.

Einige Investments sind Abspal-tungen von größeren Unternehmen, andere sind bis dato durch Wagniskapital finanziert und suchen jetzt einen Investor für die anstehende nächste Phase.

Der Vorteil dieses Marktes liegt eindeutig darin, dass es hier weniger Wettbewerb gibt als bei großen Buyouts oder sogar kleinen Wagniskapitalfinanzierungen. Im US-amerikanischen Silicon Valley, in China und sogar in Indien hat der Wettbewerb die Preise für solche Frühphasenfinanzierungen mittlerweile fast wieder in die Nähe von Werten aus der Zeit um 1999 getrieben.

Wachstumskapital birgt weniger Risiken und ist daher vor allem für Investoren geeignet, die Wachstumspotenzial bei überschaubarem Risiko suchen. Investoren, die sowohl Erfahrung mit Wagniskapital als auch mit Buyouts haben, können solche Geschäfte relativ leicht identifizieren und abschließen. Oft tragen sie dann auch zur Wertsteigerung des jeweiligen Zielunternehmens bei.

Der Markt für Wachstumskapital ist nicht auf Europa beschränkt. Großes Potenzial gibt es in China, Indien und Japan, wo die Unternehmen von expandierenden Volkswirtschaften profitieren und es ein ähnliches Vakuum in der Größenordnung bis 200 Mill. Euro gibt. Möglichkeiten gibt es hier viele. Besonders empfänglich scheinen die Sektoren Technologie, Gesundheit, Outsourcing, Halbleiter und Mobilfunk. Getrieben ist dieses Wachstum durch die explosionsartige Entwicklung von IT und Telekommunikation und die aufstrebenden Schichten konsumfreudiger Verbraucher, gerade in China. In Indien wird das Wachstum zusätzlich durch den Dienstleistungssektor sowie den Export weiter angeheizt.

Für viele bisher wagniskapitalfinanzierte Unternehmen in diesen Märkten kommt Wachstumskapital gerade recht, um sie durch eine neue Phase zu begleiten.

Ein global tätiger Finanzinvestor kann seinen Portfoliounternehmen auch bei der Internationalisierung helfen. Für viele Technologie getriebene Unternehmen ist das Wachstum im Ausland geradezu obligatorisch. Dies gilt besonders für europäische Firmen, die den US-Markt beziehungsweise Asien erschließen wollen.

Wachstumskapitalfonds kombinieren das Beste aus beiden Welten: Buyout und Wagniskapital. Das In-vestment kann eine Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung sein, komplett aus Eigenkapital oder einer Kombination aus Fremd- und Eigenkapital bestehen, ein exklusives Investment oder ein Club Deal sein. Der Eigenkapitalanteil liegt dabei üblicherweise zwischen 20 und 40 Mill. Euro.

Die Geschäfte, bei denen Wachstumskapital investiert wird, finden sich vermutlich auch künftig kaum in den Schlagzeilen wieder. Erfolgspotenzial haben sie aber auch ohne große öffentliche Wirkung – und zwar sowohl für den Investor als auch für das von ihm finanzierte Unternehmen.

David M. Rubenstein ist Mitgründer und Managing Director von The Carlyle Group.

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