Umstrittener Fonds Deutsche Bank begräbt die „Todeswetten“

Eine ethisch zweifelhafte Geschäftsidee hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht. Jetzt reagiert die Bank. Sie bietet Anlegern den Ausstieg aus der sogenannten „Todeswette“ an.
11 Kommentare
Der geschlossene Fonds „db Kompass Life 3“ hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht. Quelle: dpa

Der geschlossene Fonds „db Kompass Life 3“ hat der Deutschen Bank viel Kritik eingebracht.

(Foto: dpa)

Nach öffentlicher Kritik bietet der Konzern Anlegern den Ausstieg aus dem geschlossenen Fonds „db Kompass Life 3“ an. Das Produkt ist eine Art Wette auf die Restlebensdauer von etwa 500 Menschen: Sterben die sogenannten Referenzpersonen früher als erwartet, erhöht sich die Rendite für die Investoren. „Die Anleger werden in Kürze ein schriftliches Rückkaufangebot erhalten. Damit können sie ihr investiertes Kapital unter Abzug zwischenzeitlich erhaltener Zahlungen zurück erhalten“, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit.

Damit reagiere die Bank auf die „öffentliche Diskussion um die Berechtigung des Produkts“. Der „Spiegel“ hatte Anfang Februar über Kritik des Bankenverbandes an der „Todeswette“ berichtet. „Dies ist mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen“, zitierte das Magazin die Ombudsstelle des Bankenverbands.

Der Fonds wurde nach Angaben der Bank 2007 aufgelegt. Etwa 10.000 Anleger, hauptsächlich aus Deutschland, investierten rund 200 Millionen Euro. Die Referenzgruppe bestehe aus US-Bürgern, die sich freiwillig gemeldet und dafür eine Entschädigung erhalten hätten.

Die Fonds funktionieren so: Vor allem in den USA gibt es einen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Wer in Amerika eine Lebensversicherung besitzt und über das gesparte Geld früher als vereinbart verfügen will, kann sie an Dritte verkaufen. Die Betroffenen erzielen dabei oft einen besseren Preis, als wenn der Versicherer die Police zurücknimmt. Der Käufer zahlt einmalig eine Summe aus. Er übernimmt es fortan, die monatlichen Prämien des Versicherten zu begleichen, und erhält dafür die gesamte Versicherungssumme ausgezahlt, wenn der Versicherte stirbt. Aus Sicht des Käufers bedeutet ein früher Tod einen Gewinn. Ein langes Leben dagegen reißt ein Loch ins Portemonnaie.

Diskussionen um die Fonds kursieren bereits seit einiger Zeit, das Handelsblatt berichtete bereits 2010 über das fragwürdige Finanzprodukt. Anleger beklagten unter anderem, dass der Fonds nicht die erhofften Gewinne abwirft.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

11 Kommentare zu "Umstrittener Fonds: Deutsche Bank begräbt die „Todeswetten“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Korrektur: Hier geht es natürlich um das Langlebigkeitsrisiko einer Pensionskasse. Da ging meine Empörung mit MIR durch.

  • Offenbar wird weiterhin ökonomischer Analphabetismus gepflegt. Zunächst geht es nicht um den Kauf von Lebensversicherung am Zweitmarkt, sondern um eine Struktur, bei dem die Anleger Gewinne machen, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung von einer Gruppe Menschen niedriger ausfällt, während der Emmittent "gewinnt", wenn diese Menschen länger leben.

    Jede Lebensversicherung ist letztlich eine Wette über die künftige Lebenserwartung der Versicherten. Historische Sterbetafeln bieten lediglich Anhaltspunkte, um die dem Risiko adäquateVersicherungsprämie zu kalkulieren. Darüberhinaus müssen Annahmen über den Anstieg der Lebenserwartungen getroffen werden. Letztlich geht die Lebensversicherung ein Langlebigkeitsrisiko ein. Dieses Risiko kann sie wiederum am Kapitalmarkt auf andere Anleger übertragen. Das hat die Deutsche Bank in dieser Struktur getan. Bei Naturkatastrophen ist dieser Risikotransfer via Cat-Bonds schon länger erprobt. Was soll diese künstliche Empörung? Der Artikel trägt ansonsten die klassiche Nichtökonomen-Handschrift der dpa.

  • Schade, dass in den meisten Kommentaren nur gefährliches Halbwissen die Runde macht.
    Während die db kompass I und II tatsächlich in die amerikanischen Lebensversicherungen investierten (was aus meiner Sicht marktwirtschaftlich vollkommen in Ordnung ging), weist der III eine synthetische Struktur auf und hat nichts mit Lebensversicherungen zu tun.
    Steht sogar in der Pressemitteilung der DB: http://www.db.com/medien/de/content/3862_4049.htm
    Das ist aus meiner Sicht dann doch moralisch höchst fragwürdig.

  • Die Darstellung im "Spiegel" ist ein Musterbeispiel, wie die Presse den Leser durch geschickte Wortwahl manipuliert.
    Den Verkauf von "gebrauchten" LV's gibt es seit über 20 Jahren. Vorteile haben sowohl der Käufer, als auch der Verkäufer. Das Nachsehen hat in diesen Fällen immer die Versicherung, die zu äußerst bescheidenen Rückkaufwerten die LV abgelöst hat.
    M.E. dient der Spiegelartikel ausschließlich dazu der DB eins auszuwischen und der allgemeinen Banker-Schelte weiter Nahrung zu geben.

  • @ Anonymer Benutzer: MW65719
    Bei amerikanischen Lebensversicherungen, welche bei diesem Fonds gekauft werden handelt es sich weder um eine Risiko- noch um eine Kapital-LV. Es ist eine Kombination aus beiden. Es wird Kapital angespart, welches aber erst bei Tod der versicherten Person ausgezahlt wird.
    Deshalb verstehe ich auch die ethnischen Probleme nicht, da der Verkäufer ja freiwillig verkauft und sich mit dem Geld noch ein schönes Leben macht und auch die Raten nicht mehr bedienen muss. Müssen ja nicht alles immer die Erben bekommen...
    Und wie man sieht, leben diese "LV-Verkäufer" aufeinmal alle viel länger als progostiziert, ist ja klar, die haben jetzt das Geld sich anständig ärztlich versorgen zu lassen.

  • Wenn jmd. auf meinen Tod wetten will und gut zahlt nehm ich das gern an. Hab aber keine LV, biete dafür 200% meines nachtodlichen Einkommens aus Arbeitsleistung.

  • @John Doe:
    Auch wenn man eine Lebensversicherung auf sich selbst abschließt (ist übrigens nicht zwingend, aus (Erbschafts-)steuerlicher Sicht sogar dumm), dann ist man selbst nicht Nutznießer des eigenen Todes. Gegen den kann man sich nicht versichern. Nutznießer ist der Begünstigte (wenn man sich selbst einsetzt, die Erben).
    D.h. es profitieren immer Dritte vom Tod.
    Insofern ist Ihre Argumentation genauso schlagkräftig wie die Argumentation der Gutmenschen, die den Ankauf einer Lebensversicherung verbieten wollen.
    Und nur um eines klarzustellen: Hier ist nicht die Rede von Risikolebensversicherungen, die tatsächlich als Hauptzweck die Absicherung haben. Hier geht es um Kapitallebensversicherungen, die hauptsächlich einen (steuerlich immer noch begünstigten) "Sparplan" darstellen.
    Eine Risikolebensversicherung hat im Normalfall keinerlei Wert, der angekauft werden könnte - außer es würde sich um Versicherungen von Menschen handeln, die schon am Sterben sind. Dann allerdings könnte man tatsächlich moralische Zweifel äußern. Aber damit kann man kaum einen solchen Fonds füllen (außer man ist die Mafia und hilft nach) - und es entspricht auch nicht der Beschreibung im Artikel.

    Allerdings ist der Artikel in seiner Beschreibung auch nicht ganz korrekt - nämlich bei dem Punkt "Ein langes Leben dagegen reißt ein Loch ins Portemonnaie". Ein Tod des Versicherten vor dem Ende der Versicherungszeit würde sich zwar in eier Steigerung der Rentabilität auswirken (da früher Geld fließt und die restliche Beiträge gespart werden). Aber Kapitallebensversicherungen werden ja auch ausgezahlt, wenn der Versicherte den Ablauf erlebt. Und das ist der Hauptertragsbringer bei einem solchen Fonds, nicht der vorzeitige Tod des Versicherten, sonern der Spar- und Zinsertrag aus den Beiträgen.

    Aber wie schon erwähnt, "Gutmenschen" neigen nicht dazu, ihren Verstnd dazu einzusetzen, einen "Aufreger" bis zum Ene durchzudenken und zu verstehen, bevor sie ihre Vorurteile ausleben.

  • Herr Ackermann sollte sich schämen!

  • Und auch die Krankenversicherung bitte. Schließlich ist es ja ethisch auch nicht zu vertreten, dass man gegen die Gesundheit der Menschen wettet.

    Aber schön, dass die hirnbefreiten "Gutmenschen" mal wieder eine Möglichkeit gefunden haben, die unbedarfte "Volksseele" gegen die bösen Banken (speziell die Deutsche) aufzubringen.
    Äußerst bedauerlich, dass die Deutsche Bank hier eingeknickt ist (wobei ja kein Anleger das Angebot zur Rückabwicklung annehmen muss). Ich stehe als (Klein-)Aktionär zwar vollstens hinter der von Ackermann und dem Vorstand aufgestellten Regel "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen", aber zum guten Ruf der Bank gehört für mich eben auch, dass sie sich nicht von jedem Hirnfurz einiger "Gutmenschen" ins Bockshorn jagen lässt. Selbst wenn diser Gutmensch bim BdB als Ombudsmann beschäftigt ist.

    Ich frage mich sowieso, wer den eingschaltet haben soll. Ein Anleger, der genau wusste, was er tat, als er den Fonds gekauft hat, jetzt aber moralische Bedenken geltend macht, weil er vorzeitig an sein Geld will - ein opportunistischer (moralisch gefestigter) Lügner also?
    Ein Versicherter, der dringend Geld gebraucht hat, die Lebensversicherung nicht mit hohem Verlust vorzeitig kündigen wollte und sie deshalb verkauft hat - und jetzt die Hand beißt, die ihm dabei geholfen hat, einen größeren Betrag als den Rückkaufwert zu behalten?
    Oder irgendein anderer, gar nicht direkt beteiligter "Gutmensch" (gerne aus dem kirchlichen Umfeld?), der meinte, peinlich berührt zu sein?

  • Es geht hier um das Verbot bzw. die Rüge, aus dem Tod eines Menschen Gewinn zu erzielen. Das Verbot von Lebensversicherungen auf das eigene Leben, wäre ein tiefgreifender Eingriff in das Recht, SICH SELBST, gegen dieses Risiko abzusichern.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%