Viele offene Fragen Filmanleger im Würgegriff

Der VIP-Filmfonds kommt nicht aus den Turbulenzen heraus: Übernahmeversuche, Fragen der Staatsanwaltschaft und Forderungen von Banken lasten auf dem Fonds. Und auch für viele Anlager ist noch offen, was am Ende noch an Geld für sie rauskommt.
Der Film "Das Parfum" wurde auch mit Mitteln aus dem VIP-Filmfond finanziert. Foto: ap

Der Film "Das Parfum" wurde auch mit Mitteln aus dem VIP-Filmfond finanziert. Foto: ap

DÜSSELDORF. Die Anleger der VIP-Filmfonds finden keine Ruhe. Zurzeit verschickt die VIP Fondsverwaltung Schreiben, in den Anleger des „VIP IV“ über mögliche Ausschüttungen entscheiden sollen. Die Ausschüttungen sollen dazu beitragen, Forderungen der Hypo-Vereinsbank (HVB) zu begleichen. In diese Phase hinein platzt die Mitteilung, dass die Fondsverwaltung sich juristisch gegen den Versuch des britischen Investors Brass Hat Media Advice (BHMA) wehrt, den Fonds VIP IV zu übernehmen.

Mehreren tausend Anlegern des vierten Fonds schlägt die VIP-Geschäftsführung vor, Geld an sie auszuschütten, das nicht mehr in Filme investiert wurde. Dieses Geld war bisher quasi bei der HVB geparkt und diente der Absicherung von Einlagen. Im Gegenzug für die Ausschüttung sollen durch Kredite aufgelaufene Schulden bei den Anleger verrechnet werden. Mit diesen Darlehen – so die Konstruktion des Fonds – finanzierten die Anleger einen Teil ihrer Einlagen auf Pump. Ernüchterndes Fazit: Die Anleger haben keine Chance auf Bares.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt nun die juristische Auseinandersetzung mit dem Investor BHMA. Dieser will feststellen lassen, dass Verträge, die der im September 2007 abgelöste VIP-Geschäftsführer Dirk Specht geschlossen hat, gültig sind. Gegen diese Feststellungsklage wehrt sich nun VIP unter Leitung des neuen Geschäftsführers Peter H. Riedel im Namen der VIP-IV-Anleger. Der Vertrag würde allein BHMA das Recht einräumen, Filme auszuwählen und die Konditionen zu verhandeln. „Der frühere Geschäftsführer hat – offenbar getrieben durch die Aussicht auf eine neue Position bei der BHMA-Unternehmensgruppe – in hohem Maße gegen seine Treuepflicht verstoßen“, sagt Riedel und ist darum fest davon überzeugt, „dass die Verträge unwirksam sind.“ Der Ausgang der gerichtlichen Auseinandersetzung ist noch offen.

Auch für die Anleger ist vieles offen – nicht nur bei den Fonds III und IV, denen das Finanzamt die Steuervorteile verwehrt. So wissen die Anleger der beiden ersten VIP-Fonds nicht, was hinterher an Geld überhaupt noch für sie herauskommt. Fast in Vergessenheit ist zudem, dass erst vor genau einer Woche die Staatsanwaltschaft den Fonds VIP II ins Visier genommen hat und die Geschäftsräume der VIP durchsuchte. Nun stehen auch bei diesem – wie bei den zwei Nachfolgefonds – Steuervorteile in Frage.

Auf die Frage, ob die Einnahmen der Fonds I und II die Kommanditeinlagen einspielen werden, sagt Riedel: „Das kann ich nicht beantworten.“ Er nennt dafür zwei Gründe: Zunächst habe er sich auf die Fonds III und IV konzentriert. Außerdem bestätigt er ein Gerücht, wonach Geschäftspartner die Turbulenzen um VIP ausnutzen, und dem vermeintlich schwachen Partner Zahlungen verwehren. „Es gibt Geschäftspartner, die sich mit Zahlungen zurückhalten“, sagt Riedel.

Hoffen können zumindest die VIP-III–Zeichner. Ihnen sichert er zu: „Die Schlusszahlung wird ohne Abstrich kommen.“ Das bedeutet, die Einlage ist gerettet. Allerdings dürfen sich weder Anleger des dritten noch des vierten Fonds allzu große Hoffnungen machen, dass mehr als die Einlage herauskommt. In diesem Punkt ist Riedel offen: „Die Prognosen werden wir nicht erreichen.“

Wenig tröstlich ist dabei, wenn auch noch die Steuervorteile flöten gehen. Darüber ist aber ebenfalls noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Ob die Aberkennung der Steuervorteile für die beiden jüngsten Fonds rechtmäßig ist, wird letztendlich der Bundesfinanzhof entscheiden. Riedel geht davon aus, dass dies in diesem Jahr geschehen wird.

Unterdessen versuchen Anlegeranwälte die Rückzahlung der Einlagen einzuklagen. Die Mehrzahl der Advokaten schießt sich auf die Vertriebe ein. Vorwurf: falsche Beratung. Größter VIP-Vermittler war die Commerzbank.

Fragwürdiges Steuersparmodell

Der Plan Die VIP-Filmfondsmanager sammelten für die Medienfonds III und IV etwa 635 Millionen Euro bei Anlegern ein. Die Mindestzeichnungssumme lag bei 25 000 Euro. Mit dem Geld sollte die Produktion von Filmen wie z.B. „Das Parfum“ oder „Trade - Willkommen in Amerika“ finanziert werden. Die Anleger hätten ihre Steuerlast durch Verluste, die bei der Filmproduktion entstehen, mindern sollen.

Das Problem Nur 20 Prozent der Anlegergelder flossen tatsächlich in die Filmproduktion. Den Rest parkte VIP wie eine Art Festgeld auf Bankkonten, meldete aber das komplette Kapital als steuermindernde Investition. Den Anlegern drohen deshalb Steuernachzahlungen in Millionenhöhe.

Das Urteil VIP-Fondsgründer Andreas Schmid wurde im November 2007 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht München sah es als erwiesen an, dass Schmid den Anlegern gesetzeswidrige Steuervorteile verschafft hatte.

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