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Wagnisfinanzierung Wie ein „Zukunftsfonds“ Deutschland für Tech-Start-ups attraktiver machen soll

Der Branchenverband der Beteiligungsunternehmen fürchtet um den Finanzstandort Deutschland. Die Politik müsste mehr Wachstumskapital freigeben.
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Start-ups fehlt in Deutschland in der Wachstumsphase das Geld. Quelle: Imago/Westend61
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Start-ups fehlt in Deutschland in der Wachstumsphase das Geld.

(Foto: Imago/Westend61)

Frankfurt Die Beteiligungsbranche verliert beim Thema Risikokapital zunehmend die Geduld mit der Bundesregierung. Die Manager und auch die Lobbyisten fürchten, dass junge deutsche Technologiefirmen zu wenig Geldgeber im Inland und in Europa finden und deshalb zunehmend bei amerikanischen und asiatischen Adressen landen.

Vor allem in der kapitalintensiven Wachstumsphase sieht die Venture-Capital-Szene erhebliche Defizite. In der sogenannten „Later Stage“-Phase – also nicht in der ganz frühen Gründerzeit – falle die Finanzierung eines Start-ups in Europa im Vergleich zu Nordamerika um 44 Prozent geringer aus, im Vergleich zu Asien gar um 67 Prozent niedriger.

Die Schlüsselfrage lautet deshalb: Wie kann man die vorhandenen Ressourcen bei den institutionellen Investoren in Deutschland für den hiesigen Wagniskapitalmarkt mobilisieren? Gelingen kann dies nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) mit einem „Zukunftsfonds Deutschland“. Dieser stünde Venture-Capital-Gesellschaften als Ankerinvestor zur Verfügung und ermögliche gemeinsam die Auflage größerer Fonds.

Dabei verweist der Verband auf ein Modell der FDP, welches schon detaillierte Vorstellungen vom Zukunftsfonds beinhaltet. „Ein Volumen von zwei Milliarden Euro wäre aus meiner Sicht ein guter Anfang. Investments in Venture-Capital-Fonds in Europa und Deutschland sollten den Fokus bilden“, sagt Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim BVK.

Die deutschen Versicherer wollten beispielsweise deutlich mehr in Venture Capital investieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Ein Dachfonds – der in viele einzelne Venture-Capital-Fonds investiert – wäre dabei ein Durchbruch.

Hilfe der KfW gefordert

Ein Dachfonds mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro könnte helfen, das fehlende Kapital für Wachstumsfinanzierungen zu mobilisieren, findet FDP-Expertin Bettina Stark-Watzinger, Vorsitzende im Finanzausschuss des Bundestags. „Dazu könnte die staatliche Förderbank KfW auch ihre Industriebeteiligungen an den Markt bringen“, so die Politikerin. Die Mittel könnten auf den bestehenden Dachfonds der KfW für Venture Capital draufgesattelt werden oder in einen separaten Topf fließen.

Bei den Venture-Capital-Investitionen droht Europa den Anschluss zu verlieren, 2018 betrugen die Investments in Nordamerika und Asien 86 beziehungsweise 69 Milliarden Euro, die europäischen Fonds für Wagniskapital brachten nur knapp 18 Milliarden Euro unter.

Neun von zehn größeren Finanzierungsrunden über mindestens zehn Millionen Euro werden entweder ausschließlich oder unter Beteiligung ausländischer Investoren finanziert, weil die deutschen Geldtöpfe zu klein sind, rechnete der BVK für eine Anhörung im Finanzausschuss vor.

In Deutschland wüchsen gute Ideen, aber die Gewinne daraus zögen ausländische Investoren, erklärt die Bundestagsabgeordnete Stark-Watzinger. „Wir verlieren wichtiges Know-how, wenn aufgrund mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten die Unternehmen ins Ausland ziehen.“ Letztlich gehe es darum, privates Kapital mit dem Dachfonds anzulocken.

Zu den Industriebeteiligungen, die die KfW zugunsten der Gründer abstoßen könnte, zählen Anteilspakete an der Deutschen Post und der Deutschen Telekom. Vorbild für Deutschland könnte Dänemark sein, wo bereits zwei Wachstumsfonds existieren („Dansk Vækstkapital I und II“).

Im FDP-Modell können sich Investoren auf zwei Wegen engagieren. Erstens über direkte Investments in den Dachfonds und zweitens indirekt zum Beispiel über eine Anleihe, wobei das Ausfallrisiko von der KfW übernommen würde.

Entscheidungen drängen

„Das ist ein Fall von Marktversagen“

Nach Ansicht des BVK sollten bald die Grundsatzentscheidungen erfolgen, um gegenüber den USA und China nicht weiter zurückzufallen. „Wir haben jetzt eigentlich acht Jahre gewartet, damit sich bei dem Thema etwas deutlich und spürbar bewegt“, sagt Hinrichs. Die Bundesregierung müsse in den kommenden sechs Wochen die Weichen stellen in Richtung Dachfonds, sonst werde das Vorhaben in dieser Legislaturperiode nicht mehr gelingen.

Die meisten VC-Fonds in Deutschland seien zu klein für die dritten oder vierten Finanzierungsrunden, in denen es um das Wachstum der Geschäftsmodelle geht. „Das ist ein Fall von Marktversagen“, erklärt die BVK-Managerin.

Der Verband begrüße es natürlich, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich des Themas Förderung der VC-Kultur angenommen habe. „Aber man muss auch sehen, dass die im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen für Beteiligungskapital in Deutschland leider ausgeblieben sind. Das ärgert mich“, sagt Hinrichs.

Wirtschaftsminister Altmaier hatte auf dem letzten „Deutschen Eigenkapitaltag“ in Berlin eingeräumt, dass die Venture-Capital-Märkte in den USA und Asien schneller wachsen als in Europa. Das gelte besonders für „Tickets zwischen 50 und 150 Millionen Euro“.

Die Wagniskapitalfonds in den Vereinigten Staaten würden Renditen von 14 Prozent erzielen, jetzt müsse man das Vertrauen der institutionellen Investoren gewinnen und zeigen, dass europäische Fonds genauso gut seien wie die VC-Gesellschaften aus Asien und Nordamerika. Gemessen am nationalen Bruttoinlandsprodukt liegen die VC-Investitionen in Deutschland sogar unter dem europäischen Durchschnitt, führend sind Finnland, Dänemark und Schweden.

Mehr: Bessere Start-up-Finanzierung – Risikokapital für deutsche Start-ups kommt fast immer aus dem Ausland. Die Sozialdemokraten wollen mit einem Fonds Unternehmen und Talente halten.

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