Institutionelles Investment

Faktorbasiertes Investieren Das Risiko kontrollieren

Der Hunger nach Rendite bei geringem Risiko treibt Anleger in neue Spielarten des Investierens. Vor allem Großinvestoren suchen in der Niedrigzinsphase ihr Heil im faktorbasierten Investieren - doch was ist das genau?
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Investoren können damit auch bei steigenden Zinsen oder sinkenden Aktienkursen positive Renditen erzielen. Quelle: dpa
Faktorbasiertes Investieren

Investoren können damit auch bei steigenden Zinsen oder sinkenden Aktienkursen positive Renditen erzielen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Hunger nach Rendite bei überschaubarem Risiko treibt Anleger in immer neue Spielarten des Investierens. Vor allem Großinvestoren wie Versicherungen, Pensionskassen und Staatsfonds, die regelmäßige Erträge brauchen, um Policen oder Pensionen zu bezahlen, suchen in der anhaltenden Niedrigzinsphase ihr Heil im sogenannten faktorbasierten Investieren.

Knapp ein Fünftel der Großanleger in Europa und Nordamerika setzt bereits darauf, spielt gezielt einzelne Strategien mit Aktien, schließt aber das Marktrisiko über Derivate aus. In den kommenden fünf Jahren wollen die Investoren den Anteil dieser Strategien um knapp ein weiteres Fünftel ausbauen. Das ergibt eine Umfrage des US-Fondsanbieters Invesco unter 108 Großanlegern und Beratern.

Auf welche Aktien Norwegens Billionen-Fonds setzt

JOHNSON & JOHNSON REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US4781601046
Börse
Xetra

-1,79 -1,64%
0,00€
Chart von JOHNSON & JOHNSON REGISTERED SHARES DL 1
Platz 10: Johnson & Johnson
1 von 10

Von allen Staatsfonds weltweit ist der norwegische der größte. Eine Billion Dollar entsprechen dem Zweieinhalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Ursprünglichen Prognosen zufolge sollte der Fondswert ab 2020 das 1,3-fache des Bruttoinlandsproduktes erreichen. Diese Übersicht zeigt die Steckenpferde des Fonds. Auf Rang zehn stehen die Aktien des US-Pharmakonzern Johnson & Johnson. Insgesamt 2,87 Millionen Euro hat der Staatfonds in das Unternehmen investiert.

Quelle: Norges Bank (Stand: 30. Juni 2017)

HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50

WKN
ISIN
GB0005405286
Börse
Xetra

+0,04 +0,43%
0,00€
Chart von HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50
Platz 9: HSBC Holdings
2 von 10

Das Wachstum des Fonds-Marktwerts ist atemberaubend. Im Mai 1996 wurden die ersten Öleinnahmen übertragen. Damals konnte sich niemand eine derartige Steigerung des Volumens vorstellen. Der Zuwachs hängt natürlich mit dem Höhenflug der weltweiten Aktienbörsen zusammen. Die neuntgrößte Investition bilden die Aktien der HSBC-Bank. Der Fonds hat in das britische, international agierende Kreditinstitut mehr als 3,04 Millionen Euro investiert. Der weltweit größte Banken- und Finanzdienstleister ist in rund 80 Ländern aktiv.

AMAZON.COM INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0231351067
Börse
Xetra

-16,99 -1,08%
0,00€
Chart von AMAZON.COM INC. REGISTERED SHARES DL -,01
Platz 8: Amazon
3 von 10

Der 1998 aufgesetzte Fonds investiert in Aktien, Anleihen und Immobilien aus mehreren Dutzend Staaten. Zuletzt war er an etwa 9000 Firmen beteiligt und hielt 1,3 Prozent aller weltweit gehandelten Aktien. Die norwegische Regierung darf jährlich drei Prozent des Fondswertes für den Staatshaushalt verwenden. Im Etat für 2017 liegt die Quote bei 2,8 Prozent. Auf Rang acht liegt die Aktie des Amazon-Konzerns mit einem Investment in Höhe von 3,1750 Millionen Euro.

ROCHE HOLDING AG INHABER-GENUSSSCHEINE O.N.

WKN
ISIN
CH0012032048
Börse
Xetra

+1,65 +0,83%
0,00€
Chart von ROCHE HOLDING AG INHABER-GENUSSSCHEINE O.N.
Platz 7: Roche
4 von 10

Der Staatsfonds hat verschiedene Anlageklassen definiert und einen sehr langen Anlagehorizont. Oder wie es Fondschef Yngve Slyngstad formuliert: „Unser Ziel ist es, die bestmögliche Rendite bei einem akzeptablen Risiko zu erzielen.“ Solch ein Risiko-Rendite-Profil bietet offenbar die Roche-Aktien, mit einem Investitionswert von mehr als 3,8 Millionen Euro auf Rang sieben.

NOVARTIS AG NAMENS-AKTIEN SF 0,50

WKN
ISIN
CH0012005267
Börse
Xetra

+0,74 +1,06%
0,00€
Chart von NOVARTIS AG NAMENS-AKTIEN SF 0,50
Platz 6: Novartis
5 von 10

Generell versuchen die Fondsmanager in Oslo den Auswahlindex FTSE Global All Cap nachzubilden, ihn aber gleichzeitig durch gezielte Investments zu schlagen. Nach Analystenmeinung sei das für den Privatanleger natürlich nicht möglich, doch mit mehreren börsengehandelten Indexfonds (ETFs) könne man dem Ziel recht nahe kommen. Wichtig ist: Man muss langfristig denken. Auch die Pharma-Aktie Novartis ist ein langfristiges Investment mit knapp vier Millionen Euro.

MICROSOFT CORP. REGISTERED SHARES DL-,00000625

WKN
ISIN
US5949181045
Börse
Xetra

+1,03 +1,14%
0,00€
Chart von MICROSOFT CORP. REGISTERED SHARES DL-,00000625
Platz 5: Microsoft
6 von 10

In Deutschland hält der Fonds 4,1 Prozent an den Dax-Firmen. Er darf, so hat das Finanzministerium in Oslo entschieden, seinen Anteil an einem einzigen Unternehmen nie über zehn Prozent steigern. Insgesamt ist der Fonds an 9000 Unternehmen in 77 Ländern beteiligt. In Microsoft hat er knapp 4,2 Millionen Euro investiert.

ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS A EO -,07

WKN
ISIN
GB00B03MLX29
Börse
Xetra

-0,04 -0,13%
0,00€
Chart von ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS A EO -,07
Platz 4: Royal Dutch Shell
7 von 10

Der Finanzausschuss des norwegischen Parlaments, unter dessen Aufsicht er steht, hat einstimmig beschlossen, dass sich der Fonds aus Energie- und Bergbaufirmen zurückziehen muss, wenn das Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Da die Kohleverstromung als Klimakiller gilt, soll der Fonds, der hier strengen Regeln zu folgen hat, seine Investitionen in diesem Bereich zurückfahren. Dazu zählt die Aktie des Energiekonzerns Royal Dutch Shell offenbar nicht. Das Investitionsvolumen beträgt knapp 4,3 Millionen Euro.

Das Interesse an diesen Strategien nehme seit Jahren zu, erklärt auch Sebastian Rohm, Fondsmanager beim genossenschaftlichen Fondsanbieter Union Investment. "Investoren können damit auch bei steigenden Zinsen oder sinkenden Aktienkursen positive Renditen erzielen", sagt er.

Investoren setzen der Umfrage zufolge besonders auf niedrig bewertete Aktien, Titel kleiner Firmen oder Papiere mit geringen Kursschwankungen, schließen aber über Derivate Verluste am breiten Markt aus. Solche Strategien bewegten sich relativ unabhängig zu klassischen Anlagen mit Aktien und Anleihen, betont Rohm. "Das macht sie besonders wertvoll, weil durch die hohe Diversifikation Schwankungen im Portfolio abgefedert werden können."

Investoren nennen denn auch "Risikovorteile" als Hauptgrund für den Ausbau faktorbasierter Anlagen - vor den Chancen, eine Extrarendite erzielen zu können. US-Investoren betonen zudem Kostenvorteile. Sie nutzen dafür meist relativ günstige sogenannte "Smart Beta ETF", europäische Anleger dagegen eher quantitative Produkte von Fondsmanagern.

Bei europäischen Versicherern stellt Invesco steigenden Bedarf an größerer Streuung seines Kapitals über Anlageklassen und Regionen hinweg fest. Die Umfrage ergibt ein zunehmendes Interesse an Zins- und Multi-Asset-Strategien. Bislang dominieren Einzel- und Multi-Faktor-Aktienstrategien. Um das Potenzial voll zu nutzen, rät Rohm von Union, möglichst in alle Anlageklassen und Stile zu investieren.

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