Musterdepot: Dynamik-Depot: Santa-Rally oder Fallout? So bereiten sich Anleger auf beides vor
München. Das Kapitalmarktjahr 2023 neigt sich langsam dem Ende zu. Wir dürfen festhalten: Vieles kam anders als erwartet. Und in den letzten Wochen wird es noch einmal spannend.
Vor allem die stark positive Performance diverser Assetklassen hat zahlreiche Marktteilnehmer eher überrascht. Dieser Trend setzte sich auch im November fort: Trotz diverser Risiken und Belastungen weisen die Aktienmärkte im vorletzten Monat des Jahres eine beachtliche Performance auf. Gleiches gilt für die Rentenmärkte und Gold. Zudem ist die starke Aufwertung des Euros zu erwähnen.
Die positive Kapitalmarktentwicklung wurde durch eine „taubenhafte“ Zentralbankkommunikation unterstützt, also durch Befürworter einer lockeren Geldpolitik. Ökonomische Faktoren wie der Rückgang der Kerninflation in den USA und in der Euro-Zone gaben dem Markt Anlass für ausgeprägte Zinssenkungsfantasien. Daher preisen die Rentenmärkte bis zum Ende des Jahres 2024 einen Zinsrückgang von bis zu 100 Basispunkten in den USA ein.
Auch für die Euro-Zone werden mehrere Zinssenkungen erwartet. Die Renditen für US-Staatsanleihen oder Bundesanleihen fielen folgerichtig im Monat November erheblich.
Mit Blick auf eine potenzielle Rezession in den USA und in der Euro-Zone erscheint eine Zinswende naheliegend – entsprechend erwartet dies ein Großteil der Investoren. Ob und inwiefern diese Zinssenkungsfantasien realisiert werden, wird die Zukunft zeigen. Auch die Entwicklung der relevanten Wirtschaftsdaten gehen aus Sicht der Zentralbanken in die richtige Richtung.
Trotzdem liegt die Inflation in den genannten Regionen weiterhin höher als der Zielkorridor der Zentralbanken von zwei Prozent. Ich halte die hohen Zinssenkungserwartungen daher für überzogen.
Entwicklung weiterhin auf Kurs
Das Dynamik-Depot konnte von der starken Wertentwicklung an den Kapitalmärkten profitieren, die temporären Verluste somit aufholen und sogar neue Allzeit-Höchststände ausbilden. Dies ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, vor allem mit Blick auf die moderaten Risiken im Portfolio. Ich habe das hohe Renditeniveau der vergangenen Monate genutzt und Positionen in Anleihe-ETFs aufgebaut, die von Preissteigerungen profitierten, da die Renditen in den vergangenen Wochen erheblich zurückgegangen sind.
Auf der Aktienseite ist besonders die Entwicklung von Intel und Walt Disney herauszustellen. Intel hat sich seit meinem Kauf um über 22 Prozent steigern können. Trotzdem habe ich den Titel an einem wichtigen technischen Widerstand komplett verkauft, um Gewinne zu realisieren und Risiken zu reduzieren. Ich bin nach wie vor von Intel als Unternehmen überzeugt, daher soll die Aktie nach einer Kurskorrektur erneut in das Dynamik-Depot aufgenommen werden.
Walt Disney kann nach einer anfänglichen Schwächephase eine Wertsteigerung von über acht Prozent verbuchen, seit ich es ins Portfolio aufgenommen habe. Die operative Entwicklung des Unternehmens durch den alten und neuen CEO Bob Iger trägt erste Früchte. Dadurch haben sich nicht nur die Kapitalrenditen verbessert, auch die Entwicklung des operativen und freien Cashflows ist erfreulich.
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Die Aktie von Alibaba habe ich nach Kursrückgängen weiter aufgestockt. Mit der zusätzlichen potenziellen wirtschaftlichen Stimulierung und der Annährung Chinas an den Westen weist dieser Wert weiterhin ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf.
Zudem habe ich das ETF-Investment noch mal halbiert, das den S&P 500 Index abbildet. Hierbei handelt es sich um eine taktische Reduktion des Aktienmarktrisikos. Stattdessen habe ich eine Position in einem ETF aufgebaut, der die Kursentwicklung des S&P 500 Index invers abbildet. Damit könnte ich an einer Marktkorrektur direkt partizipieren und einen möglichen temporären Verlust im Dynamik-Depot reduzieren.
Korrektur vor Jahresende möglich
Kurzfristig halte ich eine Marktkorrektur nicht für ausgeschlossen, bevor es anschließend zu einer möglichen Rally kommen könnte. Allerdings ist es mit Blick auf die letzten Handelswochen des Jahres wichtig, flexibel zu bleiben.
Denn neben der Hoffnung auf eine Santa-Rally könnte dem Kapitalmarkt auch ein Santa-Fally blühen, also fallende, sehr illiquide Kapitalmärkte während der Feiertagswochen. Überhöhte Erwartungen und deren Enttäuschung könnten ein Auslöser dafür sein.