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Nachhaltige Geldanlage

Aktiv oder passiv Nachhaltige Investoren haben die Qual der Wahl

Indexinvestment oder lieber ein aktiv gemanagter Fonds? Diese Fragen stellen sich auch nachhaltigen Anlegern. Das Angebot ist groß und wächst stetig.
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Nachhaltige Geldanlage liegt im Trend. Experten rechnen damit, dass die Produktpalette weiter wachsen wird. Quelle: dpa
Nachhaltigkeit

Nachhaltige Geldanlage liegt im Trend. Experten rechnen damit, dass die Produktpalette weiter wachsen wird.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nachhaltiges Investieren wird mehr und mehr zum Megatrend – getrieben durch die Nachfrage der institutionellen, aber auch privaten Investoren und durch Vorgaben der Politik. Wie bei anderen Anlageklassen und -themen auch haben Anleger die Qual der Wahl: aktiv oder passiv, also gemanagter Fonds oder doch lieber Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETF). Beide Varianten sind gefragt.

Nachhaltigkeit gewinnt für alle Investmentansätze zunehmend an Bedeutung“, bestätigt Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka Investment.

Das Angebot wird immer größer. Viele Kapitalanlagegesellschaften bieten sowohl aktive als auch passive Produkte an.

„Was die optimale Lösung für einen Anleger ist, dafür gibt es kein Patentrezept. Denn die Voraussetzungen wie Anlageziele und Risikotragfähigkeit, Anlagehorizont, Ausgangsportfolio und steuerliche Aspekte sind individuell verschieden“, sagt Carlo Funk, Investmentstratege für nachhaltige Geldanlage bei dem größten Vermögensverwalter der Welt, zum dem auch der Indexfonds-Anbieter iShares gehört.

Blackrock bietet deshalb sowohl aktiv gemanagte als auch indexbasierte nachhaltige Lösungen an – von breiten Nachhaltigkeitsstrategien über entsprechende iShares ETFs bis hin zu thematischen und Impact-Strategien. „In allen diesen Bereichen sehen wir eine steigende Nachfrage privater und institutioneller Anleger“, so Funk.

Zu erkennen sind die Produkte häufig an den drei Buchstaben ESG, sie stehen für „Environment, Social, Governance“ und zeichnen Unternehmen aus, die besonders nachhaltig, sozial- und umweltbewusst agieren. Blackrock bietet in Europa aktuell mehr als 45 Fonds an, die als nachhaltig klassifiziert sind. Davon sind 29 zum Vertrieb in Deutschland zugelassen, darunter 18 ETFs – Tendenz steigend.

Zuletzt bracht Blackrock sowohl aktiv und als auch passiv gemanagte ESG-Schwellenländer-Anleihenfonds auf den Markt gebracht. „Denn in der Welt der Schwellenländer-Anleihen gibt es eine große Kluft zwischen ESG-Vorreitern und -Nachzüglern“, sagt Funk. „Starke ESG-Kennziffern können mitunter deutlich eher als klassische Makro-Kreditdaten eine Vorausschau liefern, etwa in Bezug auf Verschlechterungen der Kreditwürdigkeit.“

Deka Investment verfügt ebenfalls über ein breites Angebot an Nachhaltigkeits-Fonds und Nachhaltigkeits-Dienstleistungen, das aktive und passive Lösungen beinhaltet. Für private und institutionelle Anleger, die in ESG-Kriterien berücksichtigen wollen, gibt es die Fondsfamilie Deka-Nachhaltigkeit.

Diese umfasst einen Aktien-, einen Renten- und einen Mischfonds. Zum Angebot gehören zudem ein vermögensverwaltender Fonds und ein Aktienfonds, der ausschließlich in Unternehmen aus den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Wasserwirtschaft und erneuerbare Energien investiert. Auch für Stiftungen und Kirchen gibt es spezielle Angebote.

Der steigenden Nachfrage nach passiven Anlagelösungen trägt die Deka ebenfalls Rechnung und hat gemeinsam mit der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Oekom den Indexfonds Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit UCITS ETF aufgelegt.

Auch JP Morgan Asset Management bietet neben aktiv gemanagten Fonds ETFs an. Ende Oktober kamen drei aktiv gemanagte Indexfonds auf den Markt, eine Art Zwitter also. Die Kombination aus aktiv und passiv erklärt Philip Annecke, Head of ETF-Distribution bei JP Morgan Asset Management, so: „Während des gesamten Prozesses verfolgen wir einen zweistufigen Ansatz, der darin besteht, Ausschlüsse bestimmter Anlagen mit der Integration von ESG-Faktoren zu kombinieren.

So könne man bei JP Morgan die weiteren Konsequenzen der Anlageentscheidungen berücksichtigen, „denn ESG-Aspekte, besonders jene der Unternehmensführung, sollten bei einer langfristigen Anlagestrategie eine bedeutende Rolle.“ Denn ESG-Faktoren könnten sich auf den Umsatz, die Kosten und den operativen Cashflow von Unternehmen auswirken.

Studien haben in der Tat gezeigt: Eine schlechte ESG-Praxis kann den Wert von Vermögenswerten verringern - man denke nur an Umweltskandale oder Korruption - und den Zugang zu Finanzierungsmitteln einschränken. „Deshalb kann man ESG-Faktoren als zusätzlichen Filter betrachten, den man bei Investments beachten sollte und durch den eine zusätzliche Stufe der Risikominderung integriert wird“, so Annecke. Das könne potenziell zu besseren und nachhaltigeren Erträgen führen.

Der zweistufige Ansatz umfasst auf Werten beziehungsweise Normen basierende Filter, die bestimmte Unternehmen oder Branchen ausgrenzen, die nicht den Werten der Anleger entsprechen oder ihre Normen oder Standards nicht erfüllen. Die ausgeschlossenen Unternehmen gehören zurzeit drei Kategorien an: Tabak, Kraftwerkskohle und bestimmte umstrittene Waffengattungen. „Diese Kategorien und Ausschlusslisten sollten sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln“, sagt der Experte.

Die zweite Stufe ist die ESG-Integration - das heißt eine systematische und ausdrückliche Berücksichtigung von ESG-Faktoren. „Durch Unternehmensbesuche, fundierte Analyse und persönliche Kontakte erfahren Anlageteams Einzelheiten zur Resilienz des Geschäftsmodells, zu den Geschäftspraktiken und Zukunftsplänen eines Unternehmens“, sagt der Experte. Hier durch entstehe eine zusätzliche Ebene der Risikominderung, was potenziell zu besseren risikobereinigten Erträgen führe.

Nachhaltigkeit ist längst kein Thema mehr für institutionelle Investoren, auch Privatanleger achten immer stärker auf ESG-Kriterien. Klare Präferenz, wer eher aktive oder eher passive Lösungen bevorzugt, können die Experten von Deka und Blackrock nicht erkennen. „Wir sehen Interesse für beide Lösungen“, bestätigt auch Eric Wiegand, Head of Passive Sales Strategy EMEA & APAC DWS.

„ESG ist in der Regel nicht als eigenständige Anlageklasse zu verstehen, sondern als Filter, der gleichermaßen für aktive und passive Strategien angewandt werden kann.“ Die Nachhaltigkeitsregeln sind dabei klar in den Anlagerichtlinien eines Fonds beziehungsweise eines ESG-Index definiert. Somit steht für die meisten Investoren immer noch die zugrundeliegende Anlagestrategie des Fonds im Vordergrund.

Mit einem ETF profitieren Investoren von einem transparenten Regelwerk, der Orientierung an einer regelbasiert aufgebauten Benchmark und geringen Kosten.

Die Experten sind überzeugt: Die Produktpalette wird weiter wachsen - sowohl bei den passiven als auch bei den aktiven Anlagelösungen. Das ist nicht zuletzt der immer höheren Nachfrage geschuldet. „Wir erwarten, dass das verwaltete Vermögen nachhaltiger Anlagestrategien im nächsten Jahrzehnt insgesamt deutlich steigen wird“, sagt Blackrock-Experte Funk. Treiber dieser Entwicklung dürften das zunehmende Interesse der Privatanleger und die anhaltend starke Nachfrage von institutionellen Investoren sein.

Nachhaltige ETFs kommen aktuell auf rund 25 Milliarden Dollar weltweit verwaltetes Vermögen. Das entspricht rund drei Prozent aller nachhaltigen Investmentfonds. „Wir erwarten jedoch, dass nachhaltige ETFs bis zum Jahr 2028 auf mehr als 400 Milliarden Dollar anwachsen und damit dann 23 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen werden“, so Funk.

Der Trend sei klar: „Das Thema Nachhaltigkeit wird in den Kern vieler Portfoliolösungen Einzug erhalten, wofür sich ETFs auf Grund ihrer Struktur hervorragend eignen.“

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