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Nachhaltige Geldanlage

Atlas für Indizes In diesen Ländern wirtschaften Unternehmen besonders nachhaltig

Nachhaltigkeit wird nicht von allen Unternehmen gleichermaßen gelebt. Auch die Bilanz einzelner Länderindizes unterscheidet sich entsprechend stark.
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Europäische Indizes schneiden beim Thema Nachhaltigkeit laut Morningstar weltweit am besten ab. Quelle: mauritius images
Steckdose auf Graswand

Europäische Indizes schneiden beim Thema Nachhaltigkeit laut Morningstar weltweit am besten ab.

(Foto: mauritius images)

Düsseldorf Umweltverschmutzung, Korruption oder Ausbeutung - für viele Investoren sind das Ausschlusskriterien. Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, in Skandale verwickelt sind oder Menschenrechte verletzen, verbannen sie aus ihren Depots. Nachhaltigkeit ist für viele Stiftungen, Pensionsfonds und institutionelle Investoren wie Kirchen schon lange ein wichtiger Aspekt bei ihren Investments. Auch immer mehr Privatanleger entdecken das Thema.

Spezielle Anlageprodukte - oft steckt das Kürzel ESG für „Environment, Social, Governance“ im Produktnahmen - helfen Anlegern, den Trend umzusetzen. Rating-Agenturen durchleuchten Unternehmen und Branchen und vergeben entsprechende Nachhaltigkeits-Siegel.

Doch in welchen Ländern lassen sich die meisten Unternehmen mit einer guten Nachhaltigkeits-Bilanz finden, wo sind Kontroversen und Skandale besonders virulent und wie sind die einzelnen Faktoren Umwelt, Soziales und Governance gewichtet? Der Morningstar Nachhaltigkeits-Atlas liefert regelmäßig eine Antwort auf diese Fragen. Und die fällt ziemlich eindeutig aus: Nordeuropa top, Russland und China flop.

Die Ergebnisse sind auch für Anleger sehr interessant, die in börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) investieren, die aber nicht auf spezielle ESG-Indexfonds setzten möchten, bei ihrer Indexwahl trotzdem das Thema Nachhaltigkeit nicht völlig außer Acht lassen möchten. Die Analysten haben sich allerdings nicht Dax, Dow Jones oder Euro Stoxx 50 angeschaut, sondern 46 Morningstar Länderindizes. Aber auch diese Ergebnisse lassen natürlich Rückschlüsse auf die bekannten Standardwerte-Indizes zu.

„Unverändert schneiden europäische Indizes weltweit am besten ab“, fasst Morningstar-Experte Dan Lefkovitz das Ergebnis der jüngsten Erhebung zusammen. Die Niederlande schneiden mit einem Score von 61,7 Punkten von 100 maximal möglichen Punkten am besten ab. Das sei vor allem der sehr guten Bilanz von ASML Holding und der ING Groep geschuldet.

Es folgt der Morningstar Finnland-Index, der von dem guten Scores für Nokia, Kone und UPM-Kymmene profitiert. Portugal findet sich ebenfalls erneut unter den nachhaltigsten Länderindizes. Schwach schneiden wie schon in früheren Untersuchungen die Indizes Russlands, Chinas und der meisten nahöstlichen Staaten ab. Auch die USA landen auf den hinteren Plätzen.

Wichtig für Anleger: Bei engen Indizes können wenige nachhaltige Unternehmen den Ausschlag geben. Das zeigt sich beispielsweise beim Morningstar Kolumbien Index, in dem mit Bancolumbia und Grupo Sura zwei Finanzkonzerne besonders gute Scores aufweisen. Das beeinflusst das Gesamtergebnis stark. Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank kritisiert den Ansatz von Morningstar deshalb auch.

Die Nachhaltigkeitseinschätzung der Länder sei indirekt aus dem Abschneiden der börsennotierten Unternehmen abgeleitet. „Ein Länderrating sollte aus materiellen Nachhaltigkeitsindikatoren des Landes selbst abgeleitet werden“, sagt der Experte. „Beispielsweise schneidet Ungarn im Morningstarrating relativ gut ab. Ungarn selbst ist aber durch zahlreiches EESG-Kontroversen, zum Beispiel die Einschränkung der politischen Meinungsfreiheit gekennzeichnet.“

Die DZ Bank hat ein eigenes EESG-Rating für Länder entwickelt. Nach ihrer Methodik ist Ungarn als „nicht-nachhaltig" klassifiziert. Im Nachhaltigkeits-Atlas von Morningstar profitiert der Ungarn-Index in der Tat von dem guten Nachhaltigkeits-Rating von MOL, einer der besten Öl- und Gas-Förderer gemäß der Einschätzung der ESG-Ratingagentur Sustainalytics.

Für Investoren, die einzelne ESG-Kriterien besonders hoch gewichten möchten, lohnt sich vor allem der Blick auf die Details. „Im Einzelnen schneidet der Morningstar Portugal Index aus Umweltsicht weltweit am besten ab“, analysiert Morningstar-Experte Dan Lefkovitz. „Der Index Morningstar Dänemark ist mit Blick auf Einhaltung sozialer Kriterien top, und die Niederlande landen mit Blick auf Corporate Governance, also bei den Grundsätzen der guten Unternehmensführung, ganz weit vorn.“ Unter den aufstrebenden Schwellenländern kommt Kolumbien auf die beste ESG-Bilanz und in Asien glänzt Taiwan dank der sehr guten Bilanz von Taiwan Semiconductor.

Korruptions-, Geldwäsche-, Umwelt- oder Datenskandale können die Ergebnisse ebenfalls stark belasten. „Länder wie die Schweiz und Großbritannien kommen zwar auf sehr gute ESG Scores, die Kontroversen um Schlüsselunternehmen wie UBS und HSBC trüben die Bilanz indes ein“, so Lefkovitz. „Das Ergebnis für die USA wird ebenfalls durch Kontroversen verschlechtert. Hier stehen Facebook, Alphabet und Amazon im Mittelpunkt.“ Ähnlich, wenn auch nicht so extrem, sei der Fall beim Deutschland-Index: Das Barometer schneidet in der ESG-Bilanz sehr gut ab, wird allerdings durch die schwachen „Controversy“-Werte unter anderem von Volkswagen - Stichwort Dieselskandal - nach unten gezogen.

Investoren erhalten mit dem Morningstar-Atlas zwar erste Ansatzpunkte, sollten aber genauer hinschauen, eben weil einige wenige Unternehmen mit ihrem Abschneiden das Gesamtergebnis stark beeinflussen, in die eine wie in die andere Richtung. DZ-Experte Kahler rät Anleger, Staatsanleihen aus Ländern, die mit Blick auf die Nachhaltigkeit besonders schlecht abschneiden, zu meiden.

„Bei Unternehmen aus diesen Ländern ist eine separate Analyse für jedes Unternehmen durchzuführen“, sagt er. „Länder- und Unternehmensratings sind im Sinne des Materialitätsgedankens, also der Wesentlichkeit strikt von einander zu trennen.“ Für ETF-Anleger mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit gilt, sich die Indizes genau anzuschauen - hier hilft der Nachhaltigkeits-Atlas - oder gleich auf spezielle ESG-Indizes zu setzen.

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