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Nachhaltige Geldanlage

Junge Anleger sind kritisch - und wissen was sie wollen.

(Foto: Getty Images)

Ethische und ökologische Geldanlage Warum nachhaltig nicht gleich nachhaltig ist

Nach ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten zu investieren ist Trend. Doch fehlt es an einer klaren Definition, was nachhaltig eigentlich bedeutet.
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Düsseldorf Es gehört heute zum guten Ton unter Anlegern, nicht in Unternehmen zu investieren, die Kinder für sich arbeiten lassen. Auch Waffenproduzenten meiden viele Börsianer. Und Firmen, die die Umwelt verschmutzen oder gar Umweltkatastrophen ausgelöst haben, werden an den Märkten abgestraft. Nach ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten zu investieren ist Trend. ESG lautet die Zauberformel.

Die drei Buchstaben stehen für „Environment, Social, Governance“ und zeichnen Unternehmen aus, die besonders nachhaltig, sozial- und umweltbewusst agieren. Es geht um die Schonung natürlicher Ressourcen und die Begrenzung des Klimawandels - Stichwort „Environment“. Aber eben auch um Humankapital, Gesellschaft, nachhaltige Produkte, Menschenrechte, also soziale Aspekte. Hinzu kommen Wirtschaftsethik, also Unternehmensführung, Transparenz, Vergütungsregeln - die „Governance“.

Nachhaltigkeit ist für viele Fondsgesellschaften bereits eine Selbstverständlichkeit. Sie integrieren allgemeine ESG-Kriterien in ihren Portfolios, schließen also beispielsweise Unternehmen mit Kinderarbeit generell aus. „Viele Privatanleger sind sich dessen gar nicht bewusst“, sagt Julia Backmann, Nachhaltigkeitsexpertin des Fondsverbands BVI.

Darüber hinaus bieten die Fondsgesellschaften aber eben auch spezielle Produkte an. Hier sind die ESG-Filter sehr viel komplizierter. Diese Fonds würden aber eher von institutionellen Investoren nachgefragt und weniger von Privatanlegern, so die BVI-Expertin.

Zwar erkennen auch Sparer allmählich, dass sie durch die Investition in nachhaltige Unternehmen Positives bewirken und dabei auch noch eine gute Rendite einfahren können. Dennoch legen nur wenige Deutsche ihre Ersparnisse entsprechend an, da ihnen das Angebot zu unübersichtlich erscheint. Das zeigt eine Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment unter Anleger.

Gut die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass das Interesse an nachhaltigen Anlagestrategien in Zukunft weiter zunimmt. Auch ist der Anteil derjenigen, die nachhaltiges Anlegen nur als Option professioneller Anleger sehen, deutlich gesunken – von 41 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell nur noch 30 Prozent. Dennoch ist der Besitz von nachhaltigen Geldanlagen unter deutschen Privatanlegern immer noch relativ gering verbreitet. Gerade einmal zwölf Prozent der Befragten sind darin investiert. Das sind drei Prozentpunkte mehr als 2013.

Am häufigsten begründen die Sparer ihre Zurückhaltung damit, dass sie dafür kein Geld übrig haben. Drei von zehn Sparern geben aber an, dass das Angebot an nachhaltigen Geldanlagen unübersichtlich ist. Dabei würde gut jeder zweite Befragte nachhaltig investieren, wenn er als Kleinanleger wüsste wie. „Mangelnde Transparenz und fehlendes Wissen scheinen die Sparer davon abzuhalten, ihre Ersparnisse mit gutem Gewissen anzulegen“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment. „Um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, müssen nachhaltige Produkte einfacher und verständlicher gestaltet werden.“

Doch genau da liegt das Problem. Es fehlt eine klare Definition, was Nachhaltigkeit ist. „Die Definition von ‚nachhaltig‘ und die genaue Ausgestaltung von ESG-Kriterien sind in der Tat sehr individuell“, sagt Eric Wiegand, Head of Passive Sales Strategy EMEA & APAC bei der DWS. „Man kann jedoch beobachten, dass bezüglich einiger Kernthemen weitestgehend Einigkeit zwischen den meisten Investoren besteht.“ So würde beispielsweise die Investition in Unternehmen, die kontroverse Waffen wie Streubomben produzieren, von einer breiten Anlegerbasis kritisch gesehen. Oft wird vor allem über solche Ausschlusskriterien gesprochen.

Doch ganz so einfach ist das gar nicht. Beispiel Waffenproduktion: Natürlich ist es leicht möglich, sämtliche Waffenproduzenten aus dem Portfolio zu werfen. Doch was ist mit den großen Unternehmen, die Bausteine an die Hersteller liefern? Wie weit geht der Ausschluss?

„Ausschlusskriterien sind die auf den ersten Blick eingängigste Variante, aber das ist ein eher holzschnittartiges Vorgehen“, sagt Backmann. „Harte Ausschlusskriterien sind oft nicht zielführend, sie minimieren einerseits das Anlageuniversum und helfen andererseits nicht, dass nachhaltiges Wirtschaften gefördert wird.“

Deshalb würden viele Fondsgesellschaften einen anderen Ansatz bei der ESG-Integration verfolgen. Anstatt komplette Industrien auszuschließen, würden statt dessen die schlechtesten Unternehmen mit Blick auf den Umweltschutz oder andere Kriterien ausgeschlossen oder - andersherum - nur in die besten investiert oder in Unternehmen, denen die Fondsmanager große Fortschritte bei der Einhaltung von ESG-Kriterien zutrauen. „Das ist natürlich ein etwas komplizierteres Vorgehen und für Privatanleger erklärungsbedürftiger“, sagt Backmann. Sie würden daher weniger stark in nachhaltige Fonds investieren als die Institutionellen. „Aber auch die Nachfrage der Privatanleger nach diesen Produkten steigt leicht“, sagt die BVI-Expertin.

Eine allgemein gültige Definition würde helfen, fehlt aber - noch. Die Europäische Union (EU) arbeitet an einem Aktionsplan „Nachhaltiges Wachstum finanzieren“. Der Plan beruht auf drei Strategien: Kapitalflüsse in nachhaltige Investments leiten, Nachhaltigkeit ins Risikomanagement einbeziehen sowie Transparenz und langfristiges Handeln fördern. Die EU will ein Klassifikationssystem schaffen, das klar benennt, welche Aktivitäten als nachhaltig bewertet werden. Bis es soweit ist, müssen Investoren andere Maßstäbe ansetzen. „Es gibt inzwischen international anerkannte Maßstäbe wie beispielsweise den UN Global Compact und die UN Sustainable Development Goals, deren Nachhaltigkeitsziele nicht nur für Investoren und Unternehmen, sondern auch für Staaten und Individuen gelten“, sagt Dieter Niewierra von der Ratingagentur Oekom / ISS ESG, die auf Nachhaltigkeit spezialisiert ist. „Sie stellen einen universellen Orientierungsrahmen dar, aus dem sich auf der Finanzebene zum Beispiel der ‚Sustainable Finance‘-Gedanke entwickelt.“

ESG-Indizes können auch hier zur Standardisierung beitragen – sowohl für passive als auch für aktive Anlagestrategien. „Institutionelle Anleger haben für nachhaltige Investments oft klare Vorgaben in Bezug auf ihre Mandate oder unterliegen in einigen Ländern regulatorischen Vorgaben zur nachhaltigen Geldanlage“, ergänzt DWS-Experte Wiegand. „Privatanleger streben meist die beste Kombination aus Rendite und Nachhaltigkeit an.“

Allerdings seien ESG „light“-Lösungen, die weniger als zehn Prozent der kontroversen Titel ausschließen, für viele Privatkunden sicher zu wenig nachhaltig. Zu strenge Kriterien hingegen stören die Diversifikation und können zu Klumpenrisiken führen. „Hier helfen große Vermögensverwalter mit intelligent konstruierten Indizes, die ESG-Kriterien einhalten und dennoch breit gestreut sind“, ergänzt Wiegand.

Anleger müssen allerdings genau hinschauen, welche ESG-Faktoren zum Tragen kommen, welche Filter angelegt werde und die verschiedenen Ansätze genau vergleichen. Denn Nachhaltigkeit ist eben nicht immer gleich Nachhaltigkeit.

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