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Nachhaltige Geldanlage

Investieren nach ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Aspekten ist gefragt.

(Foto: Getty Images)

Geldanlage Raus aus der Nische – wie sich mit Nachhaltigkeit gute Rendite machen lässt

Immer mehr Investoren setzen auf nachhaltige Geldanlagen. Auch in der Gunst der Privatanleger steigen ökologische und sozialverträgliche Investments – zu recht.
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Düsseldorf Früher mitunter als Anlageklasse für Gutmenschen abgestempelt, bestenfalls als Ökofonds belächelt, hat nachhaltige Geldanlage längst die Nische verlassen. Investieren nach ökologischen, sozialen und gesellschaftlichen Aspekten ist vor allem bei institutionellen Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen und Kirchen gefragt. Aber auch Privatanleger können dem immer mehr abgewinnen.

Knapp jeder zweite Anleger hält nachhaltige Investments für attraktiv, immerhin zwölf Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment.

Für drei Viertel der Befragten spielt dabei das nachhaltige Handeln eine wichtigere Rolle als das Erzielen kurzfristiger Gewinne. Die Sparer erkennen allmählich, dass sie durch die Investition in nachhaltige Unternehmen Positives bewirken können, ohne Renditeeinbußen hinnehmen zu müssen. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit und gute Renditen schließen sich nicht aus. Kein Wunder, dass das Interesse steigt.

Das zeigen auch die Zahlen des Fondsverbands BVI: Nachhaltigkeitsfonds verwalteten Ende August 2018 ein Vermögen von 68,2 Milliarden Euro. Davon entfielen 23,1 Milliarden Euro auf Publikumsfonds (plus 2,4 Milliarden in 2018) und 45,1 Milliarden Euro (Plus 0,2 Milliarden in 2018) auf Spezialfonds.

Nachhaltiges Investieren ist ein klarer Trend„, sagt Julia Backmann, Nachhaltigkeitsexpertin des BVI. „Die Nachfrage steigt, aber vor allem von den institutionellen Investoren.„ Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) kommt sogar auf einen noch höheren Wert - zählt neben Fonds aber auch nachhaltige Mandate und andere Anlageformen.

Mit einem Anlagevolumen von rund 171 Milliarden Euro hat die Summe nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland demnach einen neuen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahr wuchs das unter Berücksichtigung von strengen sozialen, ökologischen und auf eine gute Unternehmensführung bezogene Kriterien angelegte Vermögen damit um neun Prozent.

Experten überraschen diese Zahlen wenig. „Institutionelle Anleger sind sich des Themas sehr bewusst“, sagt BVI-Expertin Backmann. Das liege auch an der politischen Debatte. „Die Investoren merken natürlich, dass die Politik die Aufmerksamkeit immer mehr auf Nachhaltigkeit lenkt. Und entsprechend steigt das Interesse der Anleger“, ergänzt sie. „Ein Trend, denn wir seit drei, vier Jahren beobachten.“

Unterschiedliche Schwerpunkte weltweit

Weltweit überprüfen immer mehr Anleger ihre Investitionen unter nachhaltigen Gesichtspunkten. Nicht zuletzt aufgrund der regulatorischen Anforderungen war dies zunächst bei Institutionellen ein Thema, zunächst in den Niederlanden, Schweden und Dänemark aber zunehmend auch in Deutschland, wobei je nach Land durchaus unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Während ursprünglich Pensionsfonds und andere betriebliche Altersvorsorgesysteme eine führende Rolle spielten, legen immer mehr Versicherungen, Stiftungen sowie kirchliche Institutionen und Wohlfahrtsorganisationen nach nachhaltigen Kriterien an.

Das Interesse an nachhaltigen Investments ist aber auch unter Profis sehr unterschiedlich. „Es gibt Institutionelle, die ein sehr hohes Interesse an dem Thema haben und ihre Asset Manager entsprechend aussuchen“, sagt Backmann. „Es gibt aber auch Institutionelle, die sich zwar der Bedeutung bewusst sind, aber für die das Thema nicht an erster Stelle steht.“

Ein Thema mit Relevanz

Bei Privatanlegern haben nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren auf jeden Fall deutlich an Bekanntheit und vor allem an Zustimmung gewonnen. Jeder zweite deutsche Sparer hat der Umfrage von Union Investment zufolge bereits von dieser Geldanlageform gehört.

Vor vier Jahren waren es erst 39 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten hält nachhaltiges Anlegen für attraktiv. Das ist ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die diese Geldanlage wenig attraktiv finden, um sechs Prozentpunkte auf ein Fünftel gesunken. Entsprechend kommt für 40 Prozent der Sparer eine Anlage in nachhaltige Investmentfonds ganz sicher oder wahrscheinlich in Frage. Nur jeder Vierte lehnt ein solches Investment ab.

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit längst keine Modeerscheinung mehr ist und mittlerweile auch unter deutschen Privatanlegern einen hohen Stellenwert genießt“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment. Die gestiegene Attraktivität von nachhaltigen Investments führt er zum einen auf das veränderte Konsumverhalten der Menschen mit bewussterer Produktauswahl zurück. Zum anderen suchten die Sparer in Zeiten niedriger Zinsen und zunehmender Unsicherheit an den Kapitalmärkten nach adäquaten Anlagealternativen. Nachhaltige Geldanlagen seien dabei eine Option.

Auch Christoph Bergweiler überrascht das gestiegene Interesse der Privatanleger wenig. „In dem Maße, in dem das Bewusstsein für nachhaltige Unternehmensführung und der Wille zu einem nachhaltigeren Lebenswandel insgesamt steigt, möchten eine zunehmende Anzahl an Privatanleger auch bei der Geldanlage diese Kriterien berücksichtigen“, sagt der Leiter von JP Morgan Asset Management in Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland. „Es gibt mittlerweile ein breites Angebot an nachhaltigen Geldanlagen – von ethischen Banken, ‚grünen‘ Sparbüchern bis hin zu nachhaltigen Fonds.“ Er kritisiert allerdings, dass eine gesetzliche Definition fehle, was Nachhaltigkeit genau sei, „und so tummeln sich viele unter diesem Label“.

Klar, dass auch die Investmentbranche immer stärker auf diesen Trend setzt. „In unserer Industrie ist das Thema ‚Sustainability‘ bereits seit Jahren eines der Schlagwörter, das Aufmerksamkeit auf sich zieht“, sagt Bergweiler. „Waren diese Investments aber zugegebenermaßen zunächst eher ein Nischenbereich, so ist in den letzten Jahren unter dem Stichwort ESG doch ein recht deutlicher Trend zu beobachten.“

Die drei Buchstaben ESG stehen für „Environment, Social, Governance“ und zeichnen Unternehmen aus, die besonders nachhaltig, sozial- und umweltbewusst agieren. Es geht um die Schonung natürlicher Ressourcen und die Begrenzung des Klimawandels - Stichwort „Environment“.

Aber eben auch um Humankapital, Gesellschaft, nachhaltige Produkte, Menschenrechte, also soziale Aspekte. Hinzu kommen Wirtschaftsethik, also Unternehmensführung, Transparenz, Vergütungsregeln - die „Governance“. Was ist im Alltag und in der Geschäftswelt für viele längst selbstverständlich ist, kommt nun auch in den Depots der Anleger an.

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