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Nachhaltige Geldanlage

Geldanlage Warum die USA bei der Nachhaltigkeit hinterherhinken

US-Unternehmen schneiden bei Umweltschutzbelangen und sozialen Fragen schlecht ab. Doch auch beim Thema Governance sind sie weit abgeschlagen.
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Für amerikanische Unternehmen steht die Schonung natürlicher Ressourcen nicht im Fokus. Quelle: obs
Wald (Symbolbild)

Für amerikanische Unternehmen steht die Schonung natürlicher Ressourcen nicht im Fokus.

(Foto: obs)

DüsseldorfGeht es um die Umwelt, nehmen es die Amerikaner nicht so genau. Die Schonung natürlicher Ressourcen, also unseres Planeten steht nicht in ihrem Fokus. Und ein sozialer, ethisch korrekter Umgang mit Geschäftspartnern und den eigenen Mitarbeitern? Auch nicht ihr Ding. Was nach Stammtisch-Parolen klingt, beinhaltet leider einige Wahrheit.

Das zumindest zeigt der Morningstar Nachhaltigkeits-Atlas. Unverändert schneiden europäische Börsenindizes weltweit am besten ab. Die USA landen erneut weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Wirklich überrascht hat die Experten das Ergebnis nicht.

„Einerseits ist es intuitiv leicht zu erschließen, dass die europäischen Unternehmen in Umweltschutzbelangen und auch sozialen Faktoren überlegen sind„, sagt Morningstar-Experte Ali Masarwah. „Dass aber die Governance-Komponente der wesentliche Grund für das unterdurchschnittliche Abschneiden der USA insgesamt ist, ist doch etwas erstaunlich – liegt aber, und das macht es vielleicht dann doch nicht ganz so überraschend, an den begrenzt aktionärsfreundlichen Praktiken von großen Unternehmen wie Alphabet, Amazon und Facebook.“

Denn mit Blick auf Kontroversen, also Skandale wie VWs Dieselgate oder ähnliches nehmen sich die Amerikaner und Europäer nicht so viel.

US-Unternehmen liegen bei Umweltfragen im Mittelfeld

Grundsätzlich gilt aber: Bei den ESG-Kriterien schneiden die Konzerne der Wall Street schlechter ab. Die drei Buchstaben ESG stehen für „Environment, Social, Governance“ und zeichnen Unternehmen aus, die besonders nachhaltig, sozial- und umweltbewusst agieren.

Es geht um die Schonung natürlicher Ressourcen und die Begrenzung des Klimawandels - Stichwort „Environment“. Aber eben auch um Humankapital, Gesellschaft, nachhaltige Produkte, Menschenrechte, also soziale Aspekte. Hinzu kommen Wirtschaftsethik, also Unternehmensführung, Transparenz, Vergütungsregeln - die „Governance“.

Europäische Unternehmen zeigen laut Morningstar mit Abstand die beste Umweltbilanz, der Rest des Index-Universums hinkt deutlich hinterher. Die USA liegen nur im Mittelfeld. Wenig anders fällt die soziale Bilanz auf Länderebene aus. Bewertet werden unter anderem Produktionsbedingungen und Arbeitsstandards.

Das Ergebnis auch hier: Europa Spitze, die USA im Mittelfeld. Ein etwas anderes Bild zeigt sich beim Aspekt Governance, also den Grundsätzen der guten Unternehmensführung wie die Unabhängigkeit von Aufsichtsräten, Korruption und ethische Aspekte der Unternehmensführung.

Zwar ragt auch im dritten ESG-Teilbereich Europa unter den 46 betrachteten Indizes heraus. Allerdings sind die westeuropäischen Unternehmen nicht so allein auf weiter Flur wie in den anderen beiden Teilbereichen.

Australien und Kolumbien finden sich ebenfalls unter den Besten. Auffällig ist indes, dass sich US-Unternehmen abgeschlagen im vierten Quintil befinden und damit ähnlich schwach abschneiden wie Peru, Indonesien oder Malaysia.

Der Morningstar Nachhaltigkeits-Atlas zeigt es ganz klar: Europas Unternehmen schlagen amerikanische um Längen. Carsten Roemheld überrascht das Ergebnis nicht besonders. „Auch nach unseren Erfahrungen scheint das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im europäischen Raum schon deutlich länger ausgeprägt zu sein als in Nordamerika“, sagt der Kapitalmarktstratege bei Fidelity International. „Dennoch hängt die Betrachtung sehr von der jeweiligen Definition von Nachhaltigkeit ab.“

Einzelne Unternehmen können Indizes stark beeinflussen

Anleger definieren nachhaltig sehr unterschiedlich, legen mal mehr Wert auf den einen ESG-Aspekt mal auf den anderen. Oft geht es vor allem um Ausschlusskriterien, beispielsweise werden Unternehmen, die bestimmte Waffen produzieren und handeln oder die einen hohen CO2-Ausstoß haben, aus dem Anlageuniversum verbannt.

Verallgemeinern lässt sich das Ergebnis im Grunde auch nicht. Die Ergebnisse für die einzelnen Länder sind ein Durchschnittswert. Morningstar weist darauf hin, dass einzelne Unternehmen das Ergebnis eines Indizes stark beeinflussen können.

Es gibt Ausreißer nach oben wie nach unten. Auch das Nachhaltigkeits-Research der Commerzbank zeigt, dass es sowohl in den USA als auch in Europa sehr viele Unternehmen gibt, die nachhaltig wirtschaften. Deshalb wäre ein genereller Verzicht auf US-amerikanische Unternehmen auch wenig sinnvoll.

Allerdings zeigt ein detaillierter Blick auf Sektoren-Ebene, dass es branchenseitig sehr wohl regionale Unterschiede gibt. So sind die Umweltstandards in der Stromerzeugung oder bei stromintensiven Produktionsbetrieben in Europa in der Regel besser.

Die Experten der Commerzbank stellen aber ebenfalls ganz klar fest, dass Nachhaltigkeit in Europa eine größere Rolle spielt als in den USA - sowohl in der Überzeugung der geldgebenden Investoren als auch in der Regulatorik. Die Europäische Union und ihr Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ würden schon jetzt die Nachhaltigkeits-Bestrebungen in der Finanzbranche beschleunigen.

Fidelity-Experte Roemheld weist zudem darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsratings von Morningstar auf Daten des Analysehauses Sustainalytics basieren. Die dahinter liegenden Metriken werden sehr stark von Unternehmensrichtlinien und Offenlegungen bestimmt. „Europäische Unternehmen – insbesondere Mega und Large Caps – wenden häufig mehr Zeit und Ressourcen für die Offenlegung von Nachhaltigkeitskriterien auf als amerikanische“, sagt er.

Daher würde ein nach dieser Bewertung niedriges Nachhaltigkeitsranking nicht bedeuten, dass die Unternehmen per se weniger nachhaltig seien. „Sie zeigen nur, dass Unternehmen in Europa dies besser offenlegen und kommunizieren können“, ergänzt der Anlageexperte.

Europa top, USA flop – das Ergebnis ist also relativ. Dass Anleger, die auf Nachhaltigkeit Wert legen, europäische Unternehmen nun bevorzugen und amerikanische generell meiden, geht den Experten deshalb auch zu weit.

„Eine solche Vereinfachung erscheint uns nicht angebracht, da eine generelle Aussage nicht für einzelne Unternehmen getroffen werden kann“, sagt Fidelity-Experte Roemheld. „Wie in unserem gesamten Analyse- und Investmentprozess müssen die einzelnen Aspekte von Nachhaltigkeit sehr individuell ermittelt und ausgewertet werden.“ Nachhaltigkeit als Investmentkonzept sollte dabei langfristig konsistente Cash-Flows vorantreiben und Unternehmen mit einer robusten Bilanz finden.

Morningstar-Experte Masarwah ergänzt: „Aufgrund der Vorteile europäischer Unternehmen dürfte die – relative – Bevorzugung europäischer Unternehmen in breit aufgestellten Investmentfonds ohnehin umgesetzt sein.“

Nachhaltige Investments bringen keine Rendite-Nachteile

Am Ende geht es natürlich auch um Rendite. Nachhaltigkeit und Rendite, was für viele lange ein ungleiches Paar war, passt sehr wohl zusammen. „Nachhaltigkeit hat auch eine ökonomische Dimension“, Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank. „Im Gegensatz zur klassischen Fundamentalanalyse, die kurzfristig orientiert ist, ist die Nachhaltigkeitsanalyse mittel- bis langfristig orientiert.“

Zahlreiche Metastudien hätten ergeben, dass in der mittel- bis langfristigen Perspektive mit nachhaltigen Investments keine Renditenachteile einhergehen. „Über längere Zeiträume hinweg ist sogar oftmals eine Outperformance nachweisbar“, betont der Experte.

Trotzdem war der größte vermeintliche Kritikpunkt am Faktor Nachhaltigkeit bisher in vielen Fällen, dass nachhaltiges Investieren mit Performance-Nachteilen verbunden sei, da ein so „gefiltertes“ Universum zwangsläufig Einschränkungen bei der Wertentwicklung mit sich bringe.

„Doch es gibt viele wissenschaftliche Studien, die gezeigt haben, dass Unternehmen mit einem guten ESG-Profil im Einklang mit dem gesamten Anlageuniversum stehen und gleichzeitig einen niedrigeren Drawdown aufweisen“, sagt Fidelity-Experte Roemheld. Mit Drawdown wird der Verlust zwischen einem Höchststand und dem darauf folgenden Tiefstand innerhalb einer bestimmten Zeitraumes bezeichnet.

Ein positives ESG-Rating trägt also auch zum Risikomanagement bei. Eine Studie von Fidelity International hat kürzlich ergeben, dass höhere ESG-Faktoren die Anlageergebnisse von Unternehmensanleihen verbessern. Dazu wurden insgesamt 1.500 Anleihen aus dem Universum der ICE-BofAML-Indizes untersucht.

Gesellschaften mit höheren ESG-Scores wiesen in der Studie eine niedrigere Verschuldung sowie höhere Umsätze und Dividendenrenditen auf. Auch das spricht für den Faktor Nachhaltigkeit.

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