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Nachhaltige Geldanlage

Green Bonds Umdenken in der Finanzbranche – warum Portfoliomanager stärker auf Nachhaltigkeit achten

Anleihe-Investoren integrieren ökologische und soziale Kriterien in den Auswahlprozess. Sie finden diese Faktoren ebenso wichtig wie Finanzkennzahlen.
31.07.2018 - 19:40 Uhr Kommentieren
Der schlechte Ruf schlägt auf die Kurse durch. Quelle: Bloomberg
Glencore-Mine im Kongo

Der schlechte Ruf schlägt auf die Kurse durch.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Investorengespräche mit dem Rohstoffriesen Glencore gehören für viele Finanzprofis zu den weniger angenehmen Aufgaben. Wenn es um schlechte Arbeitsbedingungen in Minen geht, um Umweltverschmutzung, Korruption oder Geldwäsche, fällt der Name Glencore oft. „Das sind keine einfachen Gespräche“, sagt ein hochrangiger Finanzmanager, der anonym bleiben will. „Glencore zeigt den Willen, sich zu bessern“, sagt er, „aber sie informieren, ehrlich gesagt, nicht gut genug.“

Der schlechte Ruf des Konzerns kommt mittlerweile an den Märkten an. Der Aktienkurs hat im vergangenen halben Jahr 20 Prozent eingebüßt. Auch die in fünf Jahren fällige Anleihe des Unternehmens verbuchte Verluste.

Der Fall Glencore zeigt: Firmen, die sich nicht an Gesetze, Umweltstandards oder ethische Normen halten, werden von den Finanzmärkten immer häufiger abgestraft. Skandale können zu einem ernsthaften Reputationsrisiko werden – mit Auswirkungen auf den Aktienkurs, die Kreditwürdigkeit sowie Bank- und Kundenbeziehungen.

Das hat auch bei Investoren und Portfoliomanagern zum Umdenken geführt. Statt immer neue Finanzprodukte mit grünen Etiketten zu bekleben, lassen sie Nachhaltigkeitsindikatoren direkt in den Investmentprozess mit einfließen.

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    Die Indikatoren umfassen etwa die Bemühungen von Konzernen, die Umwelt zu schützen, aber auch den Umgang mit Mitarbeitern oder die Vergütung und die Zusammensetzung des Topmanagements. Zusammengefasst werden die Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards unter der englischen Abkürzung ESG.

    Für immer mehr Portfoliomanager haben sie einen ähnlichen Stellenwert wie die harten Finanzkennzahlen, etwa Umsatz, Gewinn oder Verschuldung. Nicht grüne Fonds aufzulegen ist die Devise – sondern bestehende Fonds grüner zu machen.

    So sagt etwa Mike Amey, der beim Vermögensverwalter Pimco die Nachhaltigkeitsstrategie verantwortet: „Wir integrieren ESG-Kriterien überall.“ Die Allianz-Tochter mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,71 Billionen Dollar habe schon immer einen langfristigen und wertsichernden Anlageansatz verfolgt. „Der Aspekt der Nachhaltigkeit passt zu unserer Investmentphilosophie“, sagt er.

    Bescheidenes Angebot

    Doch dafür ist das Angebot von Nachhaltigkeitsfonds im Rentenbereich bei Pimco bescheiden. Die Allianz-Tochter hat in Europa nach eigenen Angaben einen einzigen ESG-Rentenfonds im Angebot. Zwar sollen weitere folgen. Bei der Konkurrenz sieht es aber kaum besser aus.

    Dem Fondsanalysehaus Morningstar zufolge stecken nur rund 24 Prozent des europaweit in ESG-Fonds investierten Geldes in Anleihen. Damit sind grüne Bonds in europäischen Portfolios deutlich unterproportional vertreten. Insgesamt sind 30 Prozent aller Anlegergelder in Europa in Rentenpapieren investiert.

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    Die Zurückhaltung von Investoren bei grünen Anleihen hängt auch mit dem mangelnden Angebot zusammen. Zwar hat sich das Emissionsvolumen grüner Anleihen 2017 auf 155,5 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Doch gemessen am globalen Neuemissionsmarkt sind grüne Anleihen nach wie vor noch eine Nische: Allein im Januar 2017 haben Staaten, Konzerne und Banken laut Reuters Anleihen im Wert von 530 Milliarden Dollar ausgegeben. Insgesamt hat der globale Anleihemarkt ein Volumen von 100 Billionen Dollar.

    Doch angesichts der Risiken, die beispielsweise der Klimawandel oder Korruptionsskandale für Unternehmen bergen, geben sich viele Anleihe-Investoren nicht mit dem Anlageuniversum der Green Bonds zufrieden. So hat beispielsweise Pimco die eigenen Portfoliomanager befragt, wie sie sie ESG-Kriterien messen. Daraus hat der Vermögensverwalter ein Punktesystem entwickelt, mit dem jeder Emittent bewertet wird.

    „Jeder unserer Analysten bewertet beispielsweise, wie ein Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zu Konkurrenten der Branche abschneidet“, beschreibt Pimco-Manager Amey. Auf externe Nachhaltigkeitsratings verlässt sich die Allianz-Tochter dabei nicht. Die hauseigene Fundamentalanalyse, um Nachhaltigkeitsindikatoren zu erweitern, sei „der beste Weg, um ESG-Anleihe-Investments umzusetzen“.

    Eine ähnliche Strategie fährt auch der deutsch-französische Vermögensverwalter Oddo BHF Asset Management. Fondsmanager Bastian Gries sagt: „Die Einbeziehung von ESG-Kriterien erweitert unseren fundamental getriebenen Analyseprozess.“ Neue Produkte sind dafür nicht nötig. Stattdessen passt Gries die Anlagestrategie seines etablierten und 280 Millionen Euro schweren Oddo BHF Euro Corporate Bond Fonds an.

    Gesellschaftliche Debatten haben Einfluss

    Die althergebrachte Analyse von Finanzkennziffern wie Gewinn, Verschuldung oder Zinslast wird ebenfalls um einen ESG-Score erweitert. Unternehmen werden dabei auf einer Skala von eins bis fünf eingestuft. Fünf bedeutet: Die Analysten schätzen das Risiko als besonders gering ein, dass ESG-Faktoren einen Kurssturz der Anleihe auslösen. „Indem wir ESG-Kriterien in die Unternehmensanalyse mit einbeziehen, wird die Entscheidungsgrundlage unserer Anlagen verbessert“, ist Gries überzeugt.

    Der ESG-Score bildet sich aus einer Reihe von Indikatoren. Die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ist ebenso relevant wie die Vergütung des Managements, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, laufende Rechtsstreitigkeiten oder Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß des Unternehmens.

    Zudem analysieren die Portfolio-Manager auch gesellschaftliche Debatten, um einzuschätzen, ob Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit zum Risiko werden kann. Firmen, die die Prinzipien zur guten Unternehmensführung der Vereinten Nationen, die UN Global Compact Initiative, nicht unterzeichnet haben, schließt Oddo BHF aus.

    Sorge, dass ein vergleichsweise kleiner Vermögensverwalter wie Oddo BHF bei den Unternehmen kein Gehör findet, hat Nicholas Jacob nicht. Der Verantwortliche für die Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses sagt: „Wir sind nicht allein.“

    Oddo BHF ist Teil der Initiative „Climate Action 100+“, in der sich mehr als 250 institutionelle Investoren und Vermögensverwalter, die für Anlegergelder mit einem Volumen von 28 Billionen Dollar stehen, zusammengeschlossen haben. Mit ihren Investment-Entscheidungen wollen sie Großkonzerne zur Einhaltung der UN-Klimaziele zu verpflichten.

    Jacobs setzt dabei auf den Dialog mit Unternehmen: „Wir schließen keine Sektoren per se aus“, sagt er. „Aber wenn wir von Unternehmen keine zufriedenstellenden Antworten erhalten, können wir den Anteil dieser Anleihen in unseren Portfolios reduzieren.“

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