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Nachhaltige Geldanlage

Green Bonds Wenn der schöne Schein grüner Anleihen trügt

Der Markt für Green Bonds wächst rasant. Doch manche dieser speziellen Anleihen versprechen mehr, als sie halten. Es gibt aber Orientierungshilfen für Anleger.
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Green Bonds: Manchmal trügt der schöne Schein grüner Anleihen Quelle: Reuters
Windpark in der Nordsee

So stellen sich Anleger „grüne Investments“ vor. Die Realität sieht oft anders aus.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer staatliche Energieversorger Taiwan Power hat in den vergangenen Jahren grüne Anleihen, sogenannte Green Bonds, über mehrere Millionen US-Dollar begeben – und damit unter anderem Gas- und Kohlekraftwerke aufgerüstet. Sind das wirklich „grüne“ Investitionen?

Das Beispiel macht das Dilemma dieser Papiere deutlich: Es gibt keine Standards zu der Frage, was „grün“ oder „nachhaltig“ bedeutet. Reicht es aus, etwas umweltfreundlichere Anlagen als die jeweiligen Vorgänger zu bauen?

Die meisten Anleger dürften eher erwarten, dass ihr Geld in nachhaltige Technik wie Windkraftanlagen oder Niedrigenergiehäuser fließt. Die gute Nachricht: Auch wenn Standards fehlen, gibt es doch Organisationen, die Kriterien zur Nachhaltigkeit entwickeln und überprüfen.

In den Jahren 2007 und 2008 emittierten die Europäische Investmentbank und die Weltbank die ersten Green Bonds. Im vergangenen Jahr lag das Volumen neu ausgegebener Papiere dieser Art bei 155 Milliarden Dollar, für dieses Jahr schätzt Moody’s schätzt das Volumen auf bis zu 200 Milliarden Dollar.

Das ist nur ein Bruchteil des weltweiten Bondmarkts, aber das Segment wächst. Gerade bei institutionellen Investoren spielt das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. In Deutschland machten zuletzt die DZ Bank und die Deutsche Hypothekenbank mit grünen Anleihen auf sich aufmerksam.

Zweifel an Projekten

Aber was ist wirklich „grün“? Laut der Climate Bonds Initiative (CBI) entsprachen Green Bonds im Wert von 34,2 Milliarden Euro der in diesem Jahr bisher ausgegebenen Anleihen im Umfang von 151,1 Milliarden Euro gar nicht ihren Ansprüchen.

Manuel Adamini von der CBI erklärt: „Das bedeutet, dass wir Zweifel daran haben, ob die geplanten Projekte klimarelevant sind, oder dass es keine ausreichende Transparenz gibt, wo das Geld hinfließt.“ Am häufigsten treffe dies auf Papiere aus China und anderen Entwicklungsländern zu.

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Herausgeber von grünen Anleihen können sich an freiwilligen Prozessleitlinien, den sogenannten Green Bond Principles, orientieren, die Transparenz über die Verwendung des Gelds schaffen sollen. Die EU will mit ihrem Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ einheitliche Standards fördern.

Die Agentur ISS-Oekom, auf Nachhaltigkeits-Ratings spezialisiert, hat für mehr als 60 Branchen Kriterienkataloge mit je über 100 Indikatoren erstellt. Ihre Analyse stützt sie auf öffentlich zugängliche Informationen wie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte und auf Informationen von Aufsichtsbehörden oder Nichtregierungsorganisationen. Außerdem tritt sie mit den Unternehmen direkt in Dialog.

Zusätzlich zu den Ratings, die die Investoren bezahlen, geben manche Emittenten noch Gutachten zur Wirkung der Projekte, die sie finanzieren, in Auftrag, diese werden auch als „Second Party Opinion“ bezeichnet.

Doch Axel Wilhelm von der Beratungsgesellschaft Imug warnt: „Ein Green Bond mit einer Second Party Opinion ist nicht zwangsweise ‚gut‘“, sagt er, „denn der Umfang und die Qualität des Gutachtens sind je nach Anbieter durchaus unterschiedlich.“ Jeder Investor müsse sich daher die Mühe machen, das Gutachten tatsächlich zu lesen.

Auf der anderen Seite glaubt er: „Kein langfristig orientierter Second-Party-Opinion-Anbieter wird seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen und einzelne Green-Bond-Herausgeber besser darstellen, als sie es tatsächlich sind.“ Er rät, sich zusätzlich mit den regelmäßigen Berichten zur tatsächlichen Mittelverwendung des Bonds zu beschäftigen.

Der Portfoliomanager Johann Plé von Axa Investment Managers empfiehlt, neben dem Rating oder der zweiten Meinung die gesamte ökologische Strategie des Emittenten in den Blick zu nehmen.

Reine Imagepflege?

Immer wieder stellt sich die Frage, ob Unternehmen durch grüne Anleihen einfach nur ihren Ruf aufbessern wollen. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, ob die Projekte nicht sowieso umgesetzt und über andere Wege finanziert würden.

„Die meisten Bonds, die derzeit emittiert werden, finanzieren existierende Projekte“, sagt Plé. „Wir gehen aber davon aus, dass in Zukunft mehr neue Projekte finanziert werden und damit ein Mehrwert für die Umwelt geschaffen wird.“

Petra Wehlert, Abteilungsdirektorin und Spezialistin für Green Bonds bei der KfW, der größten Emittentin von grünen Anleihen in Deutschland, bestätigt, dass auch die KfW ihre Förderprogramme mit herkömmlichen Anleihen finanzieren könnte. „Der Grund für die Entscheidung zugunsten von Green Bonds ist, dass man das Thema Nachhaltigkeit über sie im Kapitalmarkt stärker transportieren kann“, erläutert Wehlert.

Sie räumt offen ein: „Mit Green Bonds allein können wir die Umwelt nicht verbessern, aber wir können dazu beitragen, dass das Thema Nachhaltigkeit weiter in den Fokus gerückt wird.“

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