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Nachhaltige Geldanlage

Kampf gegen den Klimawandel Darum entdecken die Finanzinvestoren ihr grünes Gewissen

Banken, Versicherer und Fonds erhöhen den Druck auf börsennotierte Unternehmen, ihre Klimarisiken offenzulegen. Das geschieht nicht nur aus Liebe zur Umwelt.
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Passanten in Busan, Südkorea, trotzen dem starken Wind des Wirbelsturms. Quelle: dpa
Taifun Kong-Rey

Passanten in Busan, Südkorea, trotzen dem starken Wind des Wirbelsturms.

(Foto: dpa)

Frankfurt, München Die Warnsignale sind erdrückend: Auf den Philippinen machte der Taifun „Mangkhut“ vor wenigen Wochen Zehntausende Menschen obdachlos, dazu gab es Hunderte Todesopfer. In den USA verursachte der Hurrikan „Florence“ Tage davor Milliardenschäden. Zwischen 38 und 50 Milliarden Dollar dürfte die Gesamtsumme liegen, hat die Ratingagentur Moody’s errechnet.

Der Weltklimarat forderte deshalb vor Kurzen unmissverständlich „rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad einigermaßen einzuschränken.

Angesichts der zunehmenden Dramatik sind auch die Kapitalmärkte aufgewacht: Nachdem sie das Thema zuvor lange ignorierten, sehen sich die großen Investoren der Welt jetzt als einer der Treiber dieser Veränderung. Überall bei Banken, Versicherern, Fondsgesellschaften und Pensionskassen planen mittlerweile Teams, wie sie die Milliarden an Kundengeldern so anlegen, dass Klimarisiken minimiert werden.

Und dazu erhöhen sie auch den Druck auf die Konzerne, ihre Klimarisiken offenzulegen und aufzuzeigen, wie sie strategisch damit umgehen. Andernfalls drohen die Großanleger mit erheblichen Konsequenzen: Diese reichen von der Zustimmung zu kritischen Aktionärsanträgen auf der Hauptversammlung über die Abwahl einzelner Aufsichtsräte bis hin zum Verkauf des gesamten Aktienpakets an dem Unternehmen.

Es ist ein rauer Wind, der den großen Unternehmen da entgegenbläst. Angesprochen fühlen dürfen sich inzwischen gut zwei Drittel aller 30 Dax-Konzerne. Auf den Prüfstand der großen Fondshäuser stehen erwartungsgemäß an erster Stelle die Autobauer und der Energiesektor – aber auch Bergbau, Chemie, Transport und Luftfahrt gehören dazu.

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Susana Penarrubia, Nachhaltigkeitsexpertin der Fondsgesellschaft DWS, fordert mehr Informationen zum Umgang mit dem Klimawandel. „Ansonsten würden wir die Bewertungen entsprechend anpassen müssen“, droht sie ganz offen. Ähnlich äußern sich andere Fondshäuser. Wobei die Deka auch den Grundstoffsektor unter Beobachtung stellt, beispielsweise Zementhersteller wie Heidelberg Cement. Bei Union Investment blickt man kritisch auf die Kreuzfahrttouristik.

Sogar die Finanzbranche selbst steht unter Beschuss. So musste sich Munich-Re-Chef Joachim Wenning bei der Hauptversammlung im April deutliche Kritik anhören für das Engagement seines Hauses im Bereich Kohle. Der Erfolg aus Sicht der Aktivisten kam im August: Da kündigte der Rückversicherer den Ausstieg aus dem Geschäft an.

Showdown bei den Aktionärstreffen

Für die Hauptversammlungen im Frühjahr 2019 zeichnet sich schon ab, dass der Druck weiter steigen wird. „Wenn die Unternehmen beim Thema Klimawandel nicht handeln, könnte das zu einem sehr kontroversen Thema auf den Hauptversammlungen werden“, prophezeit Amra Balic. Sie ist beim US-Vermögensverwalter Blackrock für Fragen der europäischen Corporate Governance zuständig.

Der amerikanische Fondsriese sorgte schon im vergangenen Frühjahr für Aufsehen, als er führende europäische Unternehmen per Brief aufforderte, die Risiken des Klimawandels für ihr Geschäft zu untersuchen, offenzulegen und zu erklären, wie sie strategisch auf diese Gefahren reagieren.

Dabei geht es generell um tiefergehende Detailinformationen, von denen sich die Investoren weit mehr Aussagekraft erhoffen als von den in Geschäftsberichten und an anderen Stellen bisher oft sehr allgemein gehaltenen Aussagen. Deswegen schließen sich die Anleger zusammen, bündeln ihre Ziele und wollen so gemeinsam mehr Macht ausüben.

Das international bekannteste dieser Bündnisse ist die im vergangenen Jahr gegründete Taskforce for Climate Related Disclosures (TCFD) unter Führung des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg. Sie gibt Empfehlungen für die freiwillige Offenlegung von Klimarisiken. Große Banken wie HSBC oder JP Morgan gehören zu den Unterstützern, aber auch Unternehmen mit hohem C02-Ausstoß wie Royal Dutch Shell, Statoil, Total oder Unilever.

In fast allen Branchen wächst somit die Einsicht, dass dieses Thema immer dringlicher und bedeutender wird.

Unter den deutschen Fondshäusern finden die Ziele des Bündnisses große Beachtung. Im Kern geht es dabei zunächst um eine einheitliche und transparente Berichterstattung, die alle wichtigen Informationen offenlegt und die Vergleichbarkeit innerhalb einer Branche sicherstellt. Dazu gehören auch Analysen, wie bestimmte Klimaszenarien auf Geschäft und Strategie durchschlagen.

Auch wenn die Empfehlungen freiwillig seien, etablierten sie sich als Standard, heißt es. Deswegen gehört die Deutsche Asset Management ebenso zu den Unterstützern wie Union Investment. Dort sagt der Fondsmanager Ingo Speich: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die TCFD-Richtlinie in unseren Anlageprozess für die Investmententscheidungen einzuarbeiten.“

Viel mehr als nur Imageschaden

Vor allem aber suchen die Großinvestoren das direkte Gespräch mit den Unternehmen. Und treten dabei als Gruppe auf, wie bei einer anderen Initiative, der „Climate Change 100+“. Dort fordert jeder Asset Manager ein Unternehmen auf, den eigenen Umgang mit dem Klimawandel zu erklären. Danach fließen diese Informationen an die gesamte Gruppe.

Die wiederum hat es in sich. Seit dem Start der Initiative im Dezember haben sich 310 Großinvestoren angeschlossen. Die verwalten eine unglaubliche Summe von 32 Billionen Dollar. Bei so viel Finanzmacht werden selbst hartnäckige Leugner des Klimawandels gesprächsbereit, berichten Fondsmanager. Schließlich gehe es für die Unternehmen um die drei großen „R“ – Reputation, Regulierung und Refinanzierung –, wie es Michael Schmidt, Geschäftsführer bei Deka Investments, ausdrückt.

Neben dem Imageschaden besteht für uneinsichtige Unternehmen so die Gefahr einer schärferen Gesetzgebung, zudem dürfte es für sie schwieriger werden, in Zukunft an Geld zu kommen.

Trotzdem: Dass Investmenthäuser bei keinerlei Einsicht als letzte Lösung ihr komplettes Aktienpaket an einem Unternehmen verkaufen, kam bisher so gut wie nicht vor. „Davon halten wir wenig, denn mit dem Verkauf der Aktie gibt man den Einfluss auf das Unternehmen ab“, zeichnet Deka-Manager Schmidt die Kehrseite auf. Hier zeigen sich die Grenzen, an die Großinvestoren trotz ihrer gewaltigen Finanzmacht stoßen. Besteht doch ihre vornehmliche Aufgabe darin, das Geld ihrer Kunden zu mehren.

„Aus Sicht der Investoren darf der Bogen nicht überspannt werden, weil dies häufig Wachstum kostet und teuer sein kann“, gibt Fondsmanager Speich zu bedenken.

Doch die Folgen des Klimawandels für die Unternehmen – und damit auch die Investoren – sind allgegenwärtig: Schon jetzt sind viele Firmen Leidtragende des Klimawandels. Modeanbieter wie Tom Tailor, Superdry oder Zalando senkten zuletzt ihre Prognosen, ebenso der Elektronikhändler Ceconomy mit seinen Marken Mediamarkt und Saturn. Die Begründung: der heiße Sommer 2018 und die so ausbleibende Kundschaft.

Selbst die Finanzindustrie leidet. Immer wenn es zu schweren Unwettern kommt wie in den vergangenen beiden Jahren, bekommen das besonders die Rückversicherer zu spüren. „So haben sich die Geschäftsergebnisse einiger Gesellschaften nicht nur 2017 deutlich verschlechtert“, berichtet Ulrich Wallin, Vorstandschef der Hannover Rück. Auch in diesem Jahr seien die Resultate der Branche teilweise wieder belastet.

Die Warnsignale, die der Klimawandel aussendet, zeigen sich so auch in den Bilanzen der Finanzindustrie.

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