Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Nachhaltige Geldanlage

Umfrage Großinvestoren wollen mit alternativen Anlagen Kasse machen

Turbulenzen am Aktienmarkt und Niedrigzinsen belasten viele institutionelle Investoren. Mit alternativen Anlagen wollen sie nun gegensteuern.
Kommentieren
Da Gebäude nicht über Nacht verkauft werden können, zählen sie zu den langfristigen Anlageklassen. Quelle: Moment/Getty Images
Investitionen in Immobilien

Da Gebäude nicht über Nacht verkauft werden können, zählen sie zu den langfristigen Anlageklassen.

(Foto: Moment/Getty Images)

Köln Institutionelle Investoren interessieren sich immer stärker für alternative Investments. Die Mehrheit der Profi-Anleger hat ihr Engagement in diesem Bereich im vergangenen Jahr ausgebaut, zeigt eine Umfrage des Bundesverbands Alternative Investments (BAI). Dahinter stand meist die Absicht, das Portfolio stärker zu diversifizieren. Außerdem spielte der Wunsch nach höheren Renditen eine Rolle.

Institutionelle Investoren schätzen an alternativen Investments dem Branchenverband zufolge besonders, dass sie sich anders als traditionelle Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen entwickeln.

Der BAI hat nur 33 Investoren befragt, die Umfrage ist damit nicht repräsentativ. Sie liefert aber ein Stimmungsbild, das andere Studien bestätigt. Nach einer Untersuchung des Fondsanbieters Universal-Investment vom März 2018 legten institutionelle Investoren frei werdendes Geld zuletzt oft in alternative Anlageklassen an. Die Bedeutung dieser Investments sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, heißt es in der Analyse.

Zu den alternativen Investments gehören illiquide Anlageklassen. Dazu zählen Investitionen in die Infrastruktur über private Fonds, die zum Beispiel Straßen, Windparks oder Solaranlagen bauen, aber auch Direktkredite für Start-ups oder private, also außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen. Viele Investoren zählen auch Immobilien-Anlagen dazu: Diese sind ebenfalls langfristig angelegt, schließlich können Häuser nicht über Nacht verkauft werden.

Als Hauptgründe für das wachsende Interesse nannte bereits die Untersuchung im März das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die steigenden Risiken an den Aktienmärkten. Beide Faktoren belasten die Erträge – alternative Investments können einen Ausweg bieten.

So rechneten Beobachter bei Infrastruktur-Investitionen mit einem Rekordjahr, sagte BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer. „Was als geringe Beimischung begann, ist heute ein echter Portfoliobaustein. Fünf Prozent Infrastrukturanlagen sind bei institutionellen Investoren mittlerweile keine Seltenheit mehr“, sagt er.

Oliver Lang kann das bestätigen. Auch der Anlagechef der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse (KZVK) beschäftigt sich verstärkt mit Anlagen jenseits der etablierten Finanzmärkte, unter anderem in Infrastruktur. „Alternative Investments spielen in unserer Kapitalanlagestrategie eine große Rolle“, sagt er. Lang spricht allerdings – wie viele seiner Kollegen – lieber von „Private Market“-Investments, also Anlagen außerhalb der Börsen.

Er setzt sie in erster Linie dazu ein, das Portfolio stärker zu diversifizieren. Daneben hat auch die Zinsentwicklung einen Einfluss auf Langs Anlageentscheidungen: „Im aktuellen Marktumfeld rechnen wir in Europa weiterhin mit niedrigen, gegebenenfalls moderat steigenden Zinsen. In beiden Fällen ist ein Ausbau der Aktivitäten für uns ein probates Mittel, die Zinssensitivität des Portfolios zu reduzieren“, erklärt er.

Als kirchliche Pensionskasse genießt die KZVK beim Investieren vergleichsweise viele Freiheiten. Diese Freiheiten weiß Lang zu nutzen. So investiert die KZVK bereits seit rund 15 Jahren in private Unternehmensbeteiligungen. „Seit vier Jahren bauen wir unser Engagement in diesem Bereich systematisch aus, über Dachfonds und Einzelfondsinvestments“, berichtet der Kapitalanlage-Chef.

Daneben investiert er in Immobilien und hat seit einiger Zeit auch das Thema Infrastruktur auf der Agenda. „Infrastrukturinvestments spielen bei uns erst seit 2015 eine Rolle, sind aber ein Topthema für die Zukunft“, sagt Lang.

Die Beitragseinnahmen der KZVK seien so hoch, dass genug Liquidität vorhanden ist, um Kapital auch langfristig in interessante Marktsegmente zu investieren, erklärt Lang.

Das sieht bei vielen anderen institutionellen Investoren anders aus – vor allem bei solchen, die regelmäßige Zahlungen leisten müssen. Für rund 14 Prozent der Großinvestoren in Deutschland ist Liquidität der wichtigste Aspekt bei der Geldanlage, zeigt eine aktuelle Umfrage des genossenschaftlichen Fondsanbieters Union Investment. 2017 hatte Liquidität nur für sieben Prozent der Befragten an erster Stelle gestanden.

Mittel schnell verfügbar

Das im Schnitt steigende Liquiditätsbedürfnis hat zur Folge, dass unter Anlegern, die sich an alternative Investments heranwagen, sogenannte Liquid Alternatives beliebter werden. Darunter versteht man Hedgefonds-Strategien im Mantel von Fonds, die nach der EU-Wertpapierrichtlinie UCITS reguliert sind.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres flossen dem Segment in Europa unterm Strich rund 22 Milliarden Euro zu, zeigen Zahlen des Hamburger Marktdienstes Absolut Research. Ende Juni gab es auf dem europäischen Markt rund 1200 alternative UCITS-Fonds, die zusammengenommen rund 422 Milliarden Euro verwalteten.

Während 2017 vor allem alternative Mischfonds gefragt waren, konnten 2018 bis Ende Juni alternative Aktien- und Anleihefonds das meiste Geld einsammeln. „Anleger scheinen sich einerseits auf anhaltende Turbulenzen am Aktienmarkt einzustellen, andererseits besteht Absicherungsbedarf im Fall steigender Zinsen“, so Absolut-Research-Chef Michael Busack.

Wegen der allmählich strafferen Geldpolitik der Notenbanken und der wachsenden Sorge um die Konjunktur rücke für institutionelle Investoren die Portfolioabsicherung in den Fokus, sagt auch BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer. „Mit Blick auf konjunkturelle oder geopolitische Risiken und volatile Märkte muss jetzt das Risikomanagement im Vordergrund stehen“, sagt er. „Genau darauf zielen Liquid Alternatives ab.“

In den vergangenen Jahren hätten Investoren bei alternativen Investments vor allem auf langfristig investierende Strategien gesetzt, berichtet er. Nun seien auch sogenannte Long-Short-Strategien gefragt, mit denen Anleger zugleich auf steigende und fallende Kurse setzen könnten. Wegen des schwierigen Marktumfelds könnte die Nachfrage nach den alternativen Anlagen sogar noch zunehmen.

Finance Briefing
Startseite

0 Kommentare zu "Umfrage: Großinvestoren wollen mit alternativen Anlagen Kasse machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote