Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Kursentwicklungen auf Papier und digital

Die Finanzmärkte im Blick: Anleger sollten Gewinne einstreichen.

(Foto: Getty Images/EyeEm)

Absicherung So rüsten Sie Ihr Depot für schwierige Zeiten

Gestiegene Aktienkurse und trübe Konjunkturaussichten führen zu einer komplexen Lage für Anleger. Das Depot sollte eine gute Mischung beinhalten.
Kommentieren

FrankfurtDie Aktienkurse sind hoch und die Konjunkturaussichten trüb. Nach einem starken Jahresstart hat der deutsche Leitindex Dax Anfang April erstmals seit Oktober zeitweise wieder die Marke von 12.000 Punkten überschritten. Zugleich deuten viele Wirtschaftsdaten darauf hin, dass sich der Konjunkturzyklus in einer Spätphase befindet.

„Momentan gibt es eine Diskrepanz zwischen den relativ hohen Kursen und der Realwirtschaft“, sagt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank. Diese Mischung macht Anlageentscheidungen nicht gerade einfach. Mit ein paar Tipps bringen Anleger ihr Depot aber auch durch schwierige Marktphasen.

Grund zum Börsenjubel gibt es nicht, sagt Franz Wenzel, Anlagestratege bei Axa Investment Managers (Axa IM). Viele Experten zeichnen ein pessimistischeres Bild für die Konjunktur als zuletzt – etwa der Internationale Währungsfonds (IWF), der seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 um 0,2 Prozentpunkte nach unten korrigierte auf nun 3,3 Prozent. Das wäre der schwächste Wert seit 2009.

Im Fokus stehen der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie der geplante Ausstieg der Briten aus der EU, auch wenn der auf Ende Oktober verschoben wurde. Bereits jetzt haben viele Analysten ihre Prognosen für die Firmengewinne reduziert. Laut Axa IM gingen die Experten vor zwölf Monaten für das Jahr 2019 im Schnitt von einem Gewinnwachstum von etwa 15 Prozent für die USA und acht Prozent für die Euro-Zone aus. Derzeit sind für beide Regionen noch fünf Prozent übrig.

Trotz der Risiken hatten die wichtigsten globalen Börsenindizes im ersten Quartal mehr als zehn Prozent zugelegt. Die Hausse ist laut Wenzel primär auf die Hoffnung der Anleger auf einen guten Ausgang der Verhandlungen zwischen China und den USA sowie die 180-Grad-Wendung der US-Notenbank (Fed) zurückzuführen.

Grafik

Wegen der Konjunkturabschwächung verzichtet die Fed vorerst auf weitere Zinserhöhungen. Die Europäische Zentralbank will die Zinswende ohnehin frühestens 2020 einleiten. Diese Gemengelage gibt Privatanlegern Anlass, ihr Depot zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die Experten haben hierfür einige Empfehlungen.

Gewinne sichern: Wer von den Kursanstiegen im ersten Quartal profitiert hat, sollte diese jetzt sichern. „Anleger sollten sich am Aktienmarkt engere Stop-Loss-Marken setzen, damit die Gewinne des Jahres nicht wieder wie Schnee in der Sonne dahinschmelzen“, rät LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Mit einer solchen Order legen Anleger einen Kurs unterhalb der aktuellen Notierung fest, bei dem automatisch ein Verkauf der Aktien ausgelöst werden soll.

DZ-Bank-Stratege Kahler hat die Aktienquote in seinem Musterdepot in dieser Woche bereits auf 19 Prozent reduziert. Schon im März hatte er den Aktienanteil von über 50 Prozent auf 25 Prozent gesenkt: „Nachdem die Märkte seit Jahresbeginn gut gelaufen sind, haben wir Gewinne realisiert. Ein Rücksetzer am Aktienmarkt erscheint möglich.“

Beibehalten hat die DZ Bank nur eine Position im Global-Titans-Index. Dieser biete eine attraktive Mischung aus Technologiefirmen, Banken und Ölkonzernen. Im Index enthalten sind beispielsweise Intel, Microsoft, Citigroup, JP Morgan, Exxon Mobil und Royal Dutch Shell.

Der richtige Umgang mit den aktuellen Risiken am Aktienmarkt

Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch hält Gewinnmitnahmen vor allem bei US-Aktien für sinnvoll: „In den Vereinigten Staaten ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,3 auf 16,5 gestiegen und liegt damit über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre“, sagt Mitgründer Bert Flossbach. Wer seine Aktienbestände nicht antasten will, sollte zumindest über eine Absicherung nachdenken.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, empfiehlt einen „indexabbildenden Short-ETF auf den Dax“. Diese Fonds haben in umgekehrter Weise an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index teil. Vereinfacht gesagt: Fällt der Dax um zehn Prozent, steigt der Short-ETF um einen ähnlichen Prozentsatz. Das sei ein gutes Instrument, um Aktienrisiken aus dem Portfolio zu nehmen, ohne an anderen Aktienpositionen drehen zu müssen.

Langfristig denken: Generell gilt, dass gerade Privatanleger Ruhe bewahren sollten, auch wenn die Zeiten einmal stürmischer sind. „Langfristig sollten Anleger eine deutlich höhere Aktienquote in ihren Depots haben. Solange die Zinsen niedrig sind, bleibe ich Superbulle“, sagt Kahler von der DZ Bank. Im ersten Quartal dieses Jahres notierte der durchschnittliche Zins für Geldeinlagen laut Comdirect bei knapp 0,2 Prozent. Die Inflation betrug im selben Zeitraum rund 1,4 Prozent.

Das ergibt einen Realzins von minus 1,2 Prozent. Um nach Steuern und Kosten einen Inflationsausgleich mit seiner Geldanlage zu schaffen, brauchen Anleger auch „aktuell ein Portfolio mit rund 40 Prozent Aktien“, meint LBBW-Experte Burkert: „Das deckt sich leider nur selten mit den tatsächlichen Anlagen der Deutschen.“

Qualität auswählen: In spätzyklischen Konjunkturphasen wird die Einzeltitelauswahl wichtiger, wie Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement Multi Asset Absolute Return bei Union Investment, anmerkt: „Die Flut hebt in dieser Phase nicht mehr alle Boote.“ Chancen sieht er bei Aktien aus Industrieländern, die von der gewachsenen geldpolitischen Unterstützung profitieren sollten.

Flossbach setzt auf Qualitätsaktien von Unternehmen, deren Erträge in der Vergangenheit stabil waren und die bisher nachhaltig gewachsen sind. Kahler bevorzugt Unternehmen, die den technologischen Fortschritt vorantreiben: „Zugleich gehören Aktien ins Depot von Firmen, die immer gut laufen – also die Produkte verkaufen, die auch in Krisenzeiten gebraucht werden.“ Als solche gelten Konsumwerte und Gesundheitsaktien mit starkem Markennamen.

Dividenden einstreichen: Aktien, die hohe Dividenden ausschütten, können ebenfalls interessant sein in Zeiten, in denen sich die Kurse allenfalls noch seitwärts bewegen. Allein die 30 Dax-Konzerne schütten in diesem Frühjahr 36,5 Milliarden Euro aus, wie eine EY-Studie angibt.

Mit einem erneuten Anstieg der Dividendenzahlungen sorgten die Unternehmen „für eine anhaltend hohe Attraktivität für Anleger“, sagt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. Verlassen können sich Anleger zwar nicht darauf, dass die Dividenden auch künftig gezahlt werden. Wer aber auf Firmen setzt, die über lange Zeiträume kontinuierlich Gewinne ausschütten, hat gute Chancen, dass es so bleibt.

Chancen nutzen: Der Anleihemarkt ist für Anleger derzeit wenig attraktiv. Vor allem als sicher geltende Staatsanleihen werfen nicht mehr viel ab oder rentieren sogar im negativen Bereich. Burkert rät Anlegern daher zu Unternehmensanleihen und empfiehlt einen Anteil von 40 Prozent im Portfolio. Vermögensverwalter Flossbach merkt jedoch an, dass Anleger nicht mehr einfach eine Anleihe mit guter Bonität erwerben und bis zur Endfälligkeit liegen lassen können.

„Nur mit einer flexiblen und aktiven Anlagestrategie lassen sich hier noch Chancen nutzen.“ Dann eröffnen sich Flossbach zufolge Opportunitäten: etwa, wenn die tatsächliche Bonität eines Firmenbonds besser ist, als es die Bewertung am Markt und das offizielle Rating widerspiegeln. „Wenn das Unternehmen in Zukunft positiver bewertet wird, fallen die Risikoaufschläge der Anleihe, und die Kurse steigen“, erklärt er.

Anleihen machen im Musterdepot der DZ Bank zwei Drittel aus. „Neu haben wir in einen marktbreiten Index mit Schwellenländeranleihen investiert“, erklärt Kahler. Diese Anleihen waren stark unter Druck, dürften sich aber erholen, wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China beendet wird.

Gold beimischen: Das Edelmetall gilt in schwierigeren Phasen als sicherer Hafen. Burkert von der LBBW hält derzeit einen Gold-Anteil von zehn Prozent im Portfolio für einen guten Wert, daneben empfiehlt er einen Liquiditätsbestand von zehn Prozent. Goldanlagen lassen sich beispielsweise über Fonds realisieren, die in Deutschland allerdings nur einen gewissen Anteil an dem Metall erwerben dürfen. Die Lagerung von Goldbarren oder -münzen kostet indes Geld. Kahler ist daher „kein großer Freund“ des begehrten Edelmetalls.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Absicherung - So rüsten Sie Ihr Depot für schwierige Zeiten

0 Kommentare zu "Absicherung: So rüsten Sie Ihr Depot für schwierige Zeiten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.