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Agrarkonzern Zivilprozess um Insolvenz von KTG-Agrar endet mit geheimnisvollem Vergleich

Der Insolvenzverwalter einigt sich mit den Verantwortlichen der insolventen KTG Agrar auf einen Vergleich. Weitere Details bleiben unbekannt.
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Der Zivilprozess hat ein Ende gefunden. Quelle: dpa
Blick auf das Firmenschild der KTG Gruppe

Der Zivilprozess hat ein Ende gefunden.

(Foto: dpa)

Berlin Mehr als ein Jahr hat der Zivilprozess gegen acht Führungskräfte des insolventen Landwirtschaftskonzerns KTG Agrar gedauert, doch das für Donnerstag angekündigte Urteil fiel überraschend aus. Stattdessen gab es ein paar dünne Worte des Klägers. „Wir haben im Rahmen des Vergleichs Verschwiegenheit vereinbart“, sagte Insolvenzverwalter der KTG Agrar Stefan Denkhaus in Hamburg.

Die Klage sei zurückgezogen und ein Entscheidungstermin aufgehoben worden, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Parteien hatten vor Gericht vor allem um Vorstandspflichten und Geschäftsprognosen gestritten.

Denkhaus hatte den Führungskräften von KTG Agrar um Firmenchef Siegfried Hofreiter eine fahrlässige Verschleppung der Insolvenz um ein Jahr vorgeworfen, durch die Gläubiger geschädigt worden seien sollen. Insgesamt 189 Millionen Euro Schadensersatz wollte der Insolvenzverwalter erstreiten. Bei der Summe handele es sich um Zahlungen, die die Ex-Chefs geleistet hätten, obwohl KTG Agrar bereits überschuldet war, argumentierte er.

Bei einem Verhandlungstermin Ende August 2018 bestritt die Gegenseite die Vorwürfe und beteuerte, die Insolvenz sei aus heiterem Himmel gekommen. Ein Beleg: Schließlich seien die Abschlüsse des Konzerns doch noch 2015 anstandslos testiert worden.

Hofreiters Anwalt war am Donnerstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zum Vergleich zu erreichen. Anwälte anderer Manager wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

340 Millionen Euro eingesammelt

KTG Agrar hatte von tausenden Anlegern 340 Millionen Euro eingesammelt, indem es mehrere Anleihen begeben hatte. Die Zinsen lagen bei bis zu 7,25 Prozent. Das börsennotierte Unternehmen war vor der Pleite unter Hofreiter über Jahre zu einem gigantischen, unübersichtlichen Agrarkonglomerat gewachsen. Der Konzern hatte 800 Mitarbeiter und mehr als 46.000 Hektar bewirtschafteter Fläche vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Hinzu kamen die Herstellung von Lebensmitteln und eine Tochter, die eine Reihe von Biogas-Anlagen betrieb, die KTG-Energie.

Anfang Juli 2016 beantragte KTG Agrar eine Insolvenz in Eigenregie, weil der Konzern fällige Zinsen in Höhe von 18 Millionen Euro nicht mehr aufbringen konnte. Im Oktober beschlossen die rund 10.000 Gläubiger dann, die KTG Agrar abzuwickeln. Große Teile übernahm die Gustav-Zech-Stiftung aus Bremen.

Über Jahre hatte Hofreiter riesige Ländereien in Ostdeutschland, Litauen und Rumänien gekauft. Doch laut der Klageschrift funktionierte vieles nicht. Maschinen und Anlagen waren demnach in desolatem Zustand. Selbst für die einfachsten Instandsetzungen habe das Geld gefehlt.

Der Insolvenzverwalter argumentierte, dass die Insolvenz bereits im Juni 2015 absehbar gewesen sei. Die im Juni 2016 fälligen Zinsen für die „Biowertpapier II“-Anleihe hätten genauso festgestanden wie alle Rückzahlungstermine der Anleihen.

Richterin fand die Klage „schlüssig“

Richterin Heike Himmelmeier schien der Argumentation folgen zu können. „Die Klage war schlüssig“, sagte sie bei der Verhandlung 2018 und wandte sich an die Ex-Chefs. „Wenn man Ihnen Glauben schenkt, dann war ja alles ganz großartig bis zum Schluss.“ Doch Zinsen und Rückzahlungstermine der Anleihen hätten in die Kalkulationen der Vorstände, ob der Konzern erfolgreich fortgeführt werden kann, schon Jahre zuvor eingehen können.

Die Einschätzung der Richterin, dass die Positionen der Parteien zu weit auseinanderliegen, um einen Vergleich ins Auge zu fassen, ist hingegen seit Donnerstag widerlegt. Warum es so gekommen ist, darüber kann derzeit nur spekuliert werden.

Dem Insolvenzverwalter hätte ein Urteil nur helfen können, wenn es die Fahrlässigkeit der Manager hervorgehoben hätte. Haftpflichtversicherungen für Manager zahlen nur, wenn kein Vorsatz im Spiel ist, wenn also die einzelnen Manager fahrlässig alle Warnzeichen übersehen und ignoriert haben.

Ihre Haftpflichtversicherungen sollen die Beklagten bei Allianz und Dual Deutschland abgeschlossen haben. Sie decken insgesamt nur Schäden bis zu etwa 40 Millionen Euro ab. „Die Mangerhaftung ist für die Gläubigerbefriedigung bei KTG Agrar die größte Einzelposition und daher von großer Relevanz“, sagte Denkhaus vor einem Jahr. Ob die Versicherer in den Vergleich eingebunden sind, war nicht zu erfahren. Die Allianz wollte sich kurzfristig nicht dazu äußern.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Ob und wie viel die Versicherungen am Ende zahlen, könnte auch von den strafrechtlichen Ermittlungen abhängen, die weiterhin andauern. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte im April 2018 fast zwanzig Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Bayern durchsucht.

Damals warnte die Behörde schon, dass sie noch „geraume Zeit“ brauchen werde. Inzwischen ermitteln die Strafverfolger gegen 17 Beschuldigte, wie eine Sprecherin am Donnerstag mitteilte. So könnte es durchaus sein, dass am Ende doch noch Gerichte entscheiden, ob das Spitzenmanagement der KTG Agrar unschuldig war, ob es fahrlässig oder gar vorsätzlich gehandelt hat. Bis es soweit ist, wird es aber dauern.

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