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Aktie unter der Lupe Für die LSE beginnt eine neue Ära als Riese im Datengeschäft

Die Londoner Börse will den Finanzdatenanbieter Refinitiv kaufen – das gefällt Analysten. Das Potenzial für die Aktie ist dennoch begrenzt.
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Die Londoner Börse spielt eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten. Quelle: Moment/Getty Images
London Stock Exchange

Die Londoner Börse spielt eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten.

(Foto: Moment/Getty Images)

Frankfurt Chris Hohn wird sich mächtig geärgert haben. Rund 200 Millionen Dollar sind ihm entgangen. Nach einem verlorenen Machtkampf des aktivistischen Investors um eine Verlängerung des Vertrags des Ex-Vorstandschefs der Londoner Börse LSE, Xavier Rolet, stieg auch Hohn aus. Im September 2018 verkaufte sein TCI Fund Management den Großteil seines LSE-Aktienpakets von gut fünf Prozent. Die Titel sind seit dem Verkauf aber um rund 40 Prozent gestiegen. Der jüngste Schub kam durch die Ankündigung, dass die LSE die Datenfirma Refinitiv für 27 Milliarden Dollar übernimmt.

Durch den Kauf von Refinitiv wird die LSE zu einem Riesen im attraktiven Daten- und Analysegeschäft. „Diese Transaktion ist ein entscheidender Moment für die LSE“, sagte Verwaltungsratschef Don Robert nach der Bekanntgabe des Deals Anfang August. Der Gewinn je Aktie werde durch den Kauf um 35 Prozent im nächsten Jahr steigen, erwartet auch Chris Turner, Analyst der Berenberg Bank. 2018 lag der Gewinn je Anteilsschein bei 138,3 Pence.

Mit dem Erwerb verringern die Londoner ihre Abhängigkeit von den schwankenden Kapitalmärkten. Und das ist gut so: Der Wertpapierhandel ging in den vergangenen Jahren deutlich zurück, was nicht nur die Banken, sondern auch die Börsen zu spüren bekommen.

Finanzdaten werden deshalb im Geschäft der Börsen immer wichtiger. Mit der Übernahme wird die LSE zu einem der weltgrößten Anbieter von Finanzdaten. Für Philip Middleton von der Bank of America erkennt die LSE die Zeichen der Zeit. Angesichts der neuen Marktmacht sind allerdings umfangreiche Untersuchungen von Kartellbehörden und Finanzaufsehern in den USA, der Europäischen Union und in anderen Ländern zu erwarten.

Die Analysten begrüßen mehrheitlich die Übernahmepläne. Laut Bloomberg empfehlen 60 Prozent der Experten die Aktie zum Kauf, ein Drittel rät zum „Halten“, und 6,7 Prozent würden den Anteilsschein verkaufen. Allerdings ist das Kurspotenzial im Durchschnitt der Vorhersagen bereits ausgeschöpft: Mit gut 6680 Pence notiert der Wert mehr als 4,5 Prozent über dem Zielpreis, der bei 6371,36 Pence liegt.

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Refinitiv ist die ehemalige Finanzmarktsparte von Thomson Reuters, die im vergangenen Jahr mehrheitlich vom Finanzinvestor Blackstone übernommen worden war. Das Unternehmen bietet etwa Börsenkurse, Konjunkturdaten sowie Informationen zu Fusionen und Übernahmen an und betreibt die Devisenhandelsplattform FXall, für die sich auch die Deutsche Börse interessiert hatte.

Mit dem Kauf stärkt die LSE das relativ stabile Finanzdatengeschäft und besitzt mit der Devisenplattform von Refinitiv künftig die Möglichkeit, neben dem Aktien- und Derivatehandel in den Devisenhandel vorzustoßen.

Für Michael Werner, Analyst bei der Bank UBS, ragen beim Refinitiv-Deal die erwarteten Umsatzerfolge und die Einsparungen durch die Kostensynergien heraus. Ende des fünften Jahres sollen die Erfolge bei 225 Millionen Pfund und die Einsparungen bei 350 Millionen Pfund liegen. Die Bank of America hält sogar Synergien von 400 Millionen Pfund für möglich. Im ersten Halbjahr lagen die Netto-Umsätze noch bei 999 Millionen Pfund und damit auf der Höhe der Erwartungen.

Dagegen schnitten die operativen Kosten mit 406 Millionen Pfund leicht besser (0,5 Prozent) ab als vom Konsensus erwartet. Der operative Gewinn lag mit 501 Millionen Pfund sogar zwei Prozent besser als die Prognosen. Mittelfristig rechnet Middleton mit einem Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent im Jahr.

Durch die Übernahme von Refinitiv kann die LSE mehr Geschäft mit Vermögensverwaltern machen, als das bisher der Fall ist. Refinitiv hat mehr als 5.000 Asset-Manager und Hedgefonds als Kunden. Das bietet der Börse großes Wachstumspotenzial.

Zusätzlich richtet sich die LSE globaler aus: Während bislang 29 Prozent des Geschäfts in Nordamerika liegen, sind es künftig 36 Prozent. In Schwellenländern wächst der Erlös sogar von fünf auf 20 Prozent. Für Middleton sind etwa die Ertragszahlen der Refinitiv-Tochter Ibes ein Bonus für die LSE. Und mit der Fondsdatenbank Lipper erhalte die Börse Eintritt in die Welt der Vermögensverwalter. Der Analyst zeigt sich optimistisch und nennt ein Kursziel von 8 075 Pence.

Doch eine große Frage hängt über der Börse: Wie lange bleibt die LSE allein? Ein Übernahmeangebot hat es in der Vergangenheit alle zweieinhalb Jahre gegeben, wie Turner von Berenberg betont. Es gebe eine Wahrscheinlichkeit von eins zu drei, dass es erneut zu einer Offerte komme. Und dann sieht die Welt wieder ganz anders aus.

Mehr: Die Londoner Börse LSE schnappt sich den Datenanbieter Refinitiv – und fährt damit Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer in die Parade.

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