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Aktien für Spieler Diese Spiele-Entwickler von der Gamescom bieten auch an der Börse Potenzial

Ausgerechnet zum Start der Branchenmesse schwächeln die Aktien der großen Spieleentwickler. Analysten sehen dennoch Aufwärtspotenzial bei Games-Titeln.
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Gamescom: Diese Spiele-Entwickler bieten an der Börse Potenziale Quelle: picture alliance/dpa
Gamescom

Spiele-Fans und Investoren schauen in diesen Tagen gespannt auf das Games-Event in Köln.

(Foto: picture alliance/dpa)

Frankfurt, Köln Einige haben sich gleich einen Hocker mitgebracht. Wer will schon eine Stunde stehen? Auf der Gamescom ist der Andrang groß, schon am Dienstag, dem Fachbesuchertag, bilden sich Schlangen. An einem Stand liefern sich zwei Besucher ein Duell mit echten Waffen: Sie versuchen, sich mit einem gepolsterten Schläger gegenseitig von der Bank zu boxen. Anderswo werden T-Shirts ins Publikum geworfen.

Die Gamescom zeigt, welchen Stellenwert Computerspiele für viele Menschen haben. Die Veranstalter erwarten Hunderttausende Besucher in Köln und Millionen Zuschauer in aller Welt, die sich einen Teil der Veranstaltungen übers Internet anschauen. Die Messe sei „das größte und aufregendste Game-Event der Welt“, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands Game, zur Eröffnung.

Doch es sind nicht nur Spiele-Fans, die in diesen Tagen gespannt nach Köln blicken. Auch von Investoren werde die Messe genau verfolgt, sagt Robert Berg, Analyst der Privatbank Berenberg in London. „Die Länge der Schlangen an den Messeständen gibt einen Hinweis darauf, welche Spiele die meiste Aufmerksamkeit erhalten.“

Viele Top-Titel kommen im Herbst auf den Markt – nur wenige Wochen nach der Gamescom. „Die Messe ist für Investoren die letzte Möglichkeit, vor der Veröffentlichung abzuschätzen, welche Spiele am heißesten erwartet werden“, sagt Berg. In einer Branche, in der die Finanzkennzahlen selbst großer Entwickler maßgeblich vom Erfolg einiger weniger Titel abhängen, seien das wichtige Erkenntnisse, so Berg. „Es gibt in der Spieleindustrie nicht viele verlässliche Daten.“

Dennoch sind die großen Spielehersteller wie Electronic Arts, Activision Blizzard oder Ubisoft längst in den Fokus vieler Anleger gerückt. Mit Spielereihen wir „Fifa“, „Call of Duty“ oder „Rainbow Six“ fesseln die Unternehmen ein Millionenpublikum an den Bildschirmen, setzen Milliarden um und werden als Börsenstars gefeiert.

So hat beispielsweise der französische Spielehersteller Ubisoft seinen Börsenwert in den vergangenen fünf Jahren fast verzehnfacht, beim US-Konkurrenten Electronic Arts (EA) betrug der Kurszuwachs im selben Zeitraum mehr als 500 Prozent, Activision Blizzard schaffte immerhin mehr als 300 Prozent.

Doch ausgerechnet vor der wichtigen Branchenmesse Gamescom schwächeln viele Entwickler: EA, Ubisoft, und Activision mussten innerhalb eines Monats zweistellige Abschläge auf den Aktienkurs hinnehmen. Ein Grund sei, dass sich auch die Gaming-Aktien dem Ausverkauf der Tech-Aktien nicht entziehen konnten, sagt Berenberg-Analyst Berg. Doch der Rücksetzer sei nicht von Dauer: „Das ist ein attraktiver Einstiegspunkt“, sagt er.

Fest steht: Ein Ende des Spielebooms ist bislang nicht absehbar. Der globale Markt wächst in diesem Jahr nach einer Prognose des niederländischen Marktforschers Newzoo um gut 13 Prozent auf 138 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 120 Milliarden Euro. Auch für die nächsten Jahre sind die Experten optimistisch, 2025 soll der Umsatz erstmals die 200-Milliarden-Dollar-Marke knacken.

Abseits des klassischen Spieleverkaufs treiben insbesondere eSports-Events, Online-Wettkämpfe mit Millionen von Zuschauern, sowie Mikrotransaktionen, bei denen Spieler virtuelle Gegenstände im Spiel mit realem Geld bezahlen, die Umsätze der Spieleentwickler.

„Die führenden Spieleentwickler haben sich bereits einen Löwenanteil des Marktes gesichert“, schreiben die Analysten des Finanzanalysehauses Morningstar. „Sie sind in guter Position, um von dem wachsenden Markt zu profitieren.“ Ähnlich optimistisch ist das Gros der vom Finanzdatendienst Bloomberg befragten Analysten. So empfehlen 98 Prozent der Experten den chinesischen Unterhaltungskonzern Tencent zum Kauf (siehe Grafik).

Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel, das die Analysten für Tencent ausgegeben haben, liegt 30 Prozent über dem aktuellen Kurs. Auch für EA, Take Two Interactive und Activision Blizzard erwarten die Analysten ein zweistelliges Kurswachstum innerhalb von zwölf Monaten.

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Hohe Abhängigkeit von „Hit-Titeln“

Allerdings gibt es für Anleger bei Spiele-Investments einiges zu beachten. So ist beispielsweise Take Two Interactive mit einem Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Dollar ein für Börsenmaßstäbe kleines Unternehmen mit einer entsprechend volatilen Aktie.

Hinzu kommt: Viele Hersteller sind vom Erfolg weniger Blockbuster-Titel abhängig. So hat Take Two mit „Grand Theft Auto“ (GTA) eine der erfolgreichsten Spieleserien aller Zeiten im Portfolio. Doch die GTA-Reihe war 2018 für rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich.

Das erzeugt eine immense Abhängigkeit und hohe Erwartungshaltung der Spieler, wie das Unternehmen selbst einräumt: „Wir müssen weiter Hit-Titel veröffentlichen, um in der Branche weiter wettbewerbsfähig zu sein“, heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens. Liefert das Unternehmen nicht, kann es auch mit dem Aktienkurs schnell bergab gehen.

Viele Spielehersteller stehen zudem in der Kritik, ihre etablierten Spielereihen gnadenlos auszuschlachten und nicht genug auf neue Titel zu setzen. EA bringt beispielsweise seit 1993 jedes Jahr eine neue Version der Fußballsimulation Fifa heraus. Activisions Ego-Shooter-Serie „Call of Duty“ gibt es bereits seit 2003, und die Action-Serie „Assassin‘s Creed“ von Ubisoft seit 2007.

Das schafft Raum für Überraschungserfolge wie „Fortnite“, das derzeit sämtliche Rekorde bricht. Das Spiel hat einer Analyse der Investmentbank Goldman Sachs zufolge bereits mehr als 125 Millionen Nutzer. Es fesselt viele Zocker so lange am Bildschirm, dass sie keine Zeit haben, die Titel der Konkurrenz zu spielen.

So schreiben die Goldman-Analysten zur Aktie von Activision Blizzard: „Ein Hauptrisiko ist der Wettbewerb insbesondere durch Fortnite.“ Auch EA sei bei seinen Ambitionen, führend bei virtuellen Wettbewerben zu werden, dem Druck durch „Fortnite“ ausgesetzt.

Besser steht Tencent da: Der chinesische Unterhaltungsriese hat sich mit Anteilen an den Entwicklern von „Fortnite“ und „League of Legends“ den Zugriff auf die derzeit populärsten Online-Spiele gesichert. Zudem profitiert der Konzern davon, dass er im wichtigsten Markt der Welt beheimatet ist: 2017 lag der Umsatz mit Videospielen in China bei 38 Milliarden Dollar.

Tencent ist zudem sehr erfolgreich bei Smartphone-Spielen: Das Handy ist mittlerweile die beliebteste Plattform für Zocker, zumindest wenn man die Masse der Titel zugrunde legt. In diesem Jahr wächst der Umsatz mit mobilen Spielen um 25 Prozent auf 70 Milliarden Dollar, wie Newzoo prognostiziert.

Doch der Boom bei Handyspielen und Titeln wie „Fortnite“ kommt mittelfristig auch den etablierten Herstellern zugute, ist Berenberg-Analyst Berg überzeugt. Sie führten neue und jüngere Kundengruppen an Videospiele heran, sagt er. „Niemand spielt ein einziges Spiel für den Rest seines Lebens.“

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