Aktien: Geldpolitik, Bewertung, Wirtschaftspolitik: Warum Strategen wieder stärker auf China setzen
Gegenläufige Bewegung zu den Kursen weltweit.
Foto: dpaPeking, Frankfurt. Es sieht wieder nach Erholung aus in China – das jedenfalls spiegelt der Aktienmarkt wider. Die Kurse an den chinesischen Festlandsbörsen sind die fünfte Woche in Folge gestiegen. Chinas Leitindex CSI 300 hat im vergangenen Monat um elf Prozent zugelegt, während die Aktienkurse weltweit im Schnitt um fünf Prozent abgesackt sind.
Grund für die Erholung nach dem starken Kursrutsch zu Beginn des Jahres – der CSI verlor seit seinem Hoch Anfang 2021 gut ein Drittel – sind in erster Linie die gelockerten Pandemie-Beschränkungen in vielen Städten, allen voran in Schanghai. Am Montag vermeldete China nur noch 16 Neuinfektionen im ganzen Land.
Zudem versprach der Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Yi Gang, die unterstützende Geldpolitik beizubehalten, um die wirtschaftliche Erholung zu fördern. Immer mehr Kapitalmarktstrategen äußern sich inzwischen positiv über die Aussichten an den chinesischen Aktienmärkten; große Investoren gewichten China in ihren Portfolios über.
Chinas Aktien seien nach dem Kursrutsch „sehr attraktiv bewertet“, sagte Virginie Maisonneuve, Chefaktienstrategin bei der Allianz-Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) auf einer Konferenz. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien im CSI 300 liegt nach ihrer Einschätzung im Schnitt mit gut 13 noch unterhalb des historischen Mittels mit Blick auf erwartete Gewinne in den nächsten zwölf Monaten. „Wer aktuell nicht in China investiert ist, sollte überlegen, ob er nicht einsteigt“, riet Maisonneuve.
Die Aktienstrategen der US-Bank JP Morgan äußern sich ebenfalls „bullish“ zu China. Für die Aktienexperten der UBS ist China die am meisten bevorzugte Region in Asien.
Manche Strategen sprechen davon, dass Anleger schon wieder Angst hätten, „etwas zu verpassen“. Ein Grund für die positive Sicht dürften auch die trüberen Aussichten an den globalen Aktienmärkten sein.
Verbraucher trauen der Erholung nicht
Zwei Dinge sprächen besonders für China, meint Maisonneuve von AGI: Während große Notenbanken ihre Geldpolitik strafften, fahre Peking seinen lockeren Kurs weiter. Außerdem wolle die Regierung nicht nur mit Steuersenkungen Haushalte und Firmen entlasten, sondern sie wolle gezielt auch die Wirtschaft unterstützen und damit international unabhängiger machen. Das schaffe in „vielen Sektoren fantastische Möglichkeiten“, sagte die Strategin. Die Sparten Infrastruktur, nachhaltige Energieerzeugung, IT und Künstliche Intelligenz hebt sie dabei hervor.
Ob der Börsenaufschwung in China anhält, hängt vor allem mit der weiteren Entwicklung der Coronapandemie zusammen. Die Regierung in Peking hat wiederholt betont, an der Null-Covid-Politik festzuhalten. Selbst kleinere Ausbrüche der hochansteckenden Omikron-Variante können daher jederzeit wieder zu weitreichenden Abriegelungen führen und dazu, dass sich die Stimmung wieder dreht.
Die chinesische Wirtschaft hat sich bisher denn auch nur leicht stabilisiert. Die Verbraucher trauen der Erholung bisher nicht. Die Ausgaben für Konsum, aber auch Immobilienkäufe sanken im Mai, auch nach dem Ende vieler Lockdowns, immer noch deutlich.