Aktien und Anleihen Risiko? Welches Risiko?

Aktien sind riskanter als Anleihen, das ist unbestritten. Doch kommt der Faktor Zeit ins Spiel, sinkt das Risiko gen null. Trotzdem bleiben deutsche Anleger unbeeindruckt – und lassen sich ansehnliche Renditen entgehen.
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Mit dem Rendite-Risiko-Radar können Anleger das eigene Portfolio gewichten, um stärker von steigenden Kursen profitieren zu können. Quelle: AP
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Mit dem Rendite-Risiko-Radar können Anleger das eigene Portfolio gewichten, um stärker von steigenden Kursen profitieren zu können.

(Foto: AP)

DüsseldorfFür viele Deutsche ist die Börse ein ganz großes Spielkasino. Dubiose Investoren zocken dort wie verrückt, Privatanleger werden in diesem Spiel permanent übervorteilt. Es droht quasi jederzeit der Totalverlust.

So weit zu den gängigen Stammtischparolen. Natürlich gibt es Risiken an der Börse. Risiko, das ist per Definition ein Ereignis mit möglichen negativen Konsequenzen. An den Kapitalmärkten wären das Kursverluste. Aber: Risiko kann auch ein Ereignis mit positiver Auswirkung sein. Dann bedeutet Risiko die Chance auf Kursgewinne.

An der Börse zählt neben der Risikostreuung über viele Einzeltitel, Branchen und Regionen – im Börsendeutsch Diversifikation – vor allem der Faktor Zeit. Je länger ein Anleger investiert ist, desto geringer das Risiko, Geld zu verlieren. Und desto höher die Chance, eine stattliche Rendite einzufahren.

Wie hoch diese Chancen im Laufe der Zeit werden, zeigt das Rendite-Risiko-Radar von Donner & Reuschel. Es ermöglicht die realistische Einschätzung von Ertragschancen und Verlustrisiko für verschiedene Kapitalanlagen. „Viele Anleger lassen sich von ihrer emotionalen Einschätzung leiten“, sagt Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse der Privatbank. „So fühlen sich kurzfristige Verluste an der Börse dramatisch an, obwohl die Kapitalanlage ja mit dem langfristigen Blick betrieben wird, beispielsweise für die Altersvorsorge.“

Und gerade dieser langfristige Blick ist wichtig. Das zeigt auch das Rendite-Risiko-Radar. Nutzer können wählen, welche Indizes – Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe – angezeigt werden. Auch eine Kombination ist möglich. Über einen Schieberegler wird dann die gewünschte Gewichtung eingestellt. Die Grafik zeigt dann, wie sich ein Depot im Laufe der Zeit entwickelt hätte. Je dunkler der Grünton, desto höher die Rendite. Je knalliger das Rot, desto höher die Verluste. Die genaue Rendite wird sichtbar, wenn man mit dem Mauszeiger über die Grafik fährt. Gerade bei Aktieninvestments zeigt sich, dass der Faktor Zeit entscheidend ist, das Verlustrisiko mit den Jahren schwindet, und die Chance auf satte Gewinne steigt.

Der Dax etwa weist ab einer Haltedauer von zwölf Jahren keine Verluste mehr auf. Und wer beispielsweise von 1996 bis 2017 investiert war, kann sich über eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,15 Prozent pro Jahr freuen – trotz mehrerer heftiger Crashs. Ein Depot, das nur auf deutsche Standardwerte setzt, ist natürlich schlecht diversifiziert. Wer internationaler anlegt, zum Beispiel zu jeweils 50 Prozent auf den US-Standardwerte-Index Dow Jones und sein europäisches Pendant, den Euro Stoxx 50, fuhr im selben Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 5,75 Prozent pro Jahr ein.

Mit diesen Aktien machten Anleger 2017 Kasse

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

-0,14 -0,60%
+22,47€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat 1
1 von 30

Der Fernsehmarkt verändert sich radikal, und der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bekommt das deutlich zu spüren. Unterhaltung lieferte der Konzern aus Unterföhring mit der Posse um Vorstandschef Thomas Ebeling selbst. Dieser muss nach unbedachten, teils diskriminierenden Äußerungen über die eigenen Kunden gehen. 23,7 Prozent beträgt das Minus des Aktienkurses in diesem Jahr. Ein Papier ist inzwischen weniger als 29 Euro wert. Experten glauben, dass der Konzern gar aus der ersten Börsenliga absteigen könnte, sollte sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen.

Quelle: Bloomberg

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

-1,84 -2,68%
+66,78€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 30

Erst hui, dann eher pfui: Fresenius fiel in der zweiten Jahreshälfte an der Börse deutlich ab. Grund für den Kursverlust dürfte insbesondere der Preisdruck in der US-Medikamentenbranche sein. Auch Verzögerungen bei der Übernahme des US-Konzerns Akorn drückten die Stimmung der Anleger. 13 Prozent beträgt das Minus auf Jahressicht.

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+0,48 +0,56%
+85,57€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
3 von 30

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck muss an der Börse auf ein eher schwaches zweites Halbjahr zurückblicken – auch die Umsätze waren im dritten Quartal rückläufig. In nächster Zeit soll entschieden werden, ob die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten verkauft werden soll. Die Aktie sank von 101,25 Euro auf 89,75 Euro (minus 11,4 Prozent).

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

-0,00 -0,01%
+13,77€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
4 von 30

Die Deutsche Telekom hat kürzlich angekündigt, den österreichischen Kabelnetzbetreiber UPC zu übernehmen. Experten erwarten dadurch neue Impulse für den Aktienkurs. Die Telekom könnte ein solches Signal gut gebrauchen. Durch den hohen Preisdruck und eine weitgehende Sättigungen der Kernmärkte war die Performance auf dem Parkett 2017 eher schwach – minus zehn Prozent.

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
L&S

+1,74 +1,60%
+109,98€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Henkel
5 von 30

Zuletzt hatte Henkel mit weiteren Investitionen in den US-Markt geliebäugelt. Ob das dem Aktienkurs stärken würde? Anleger müssen für 2017 ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

+0,63 +0,79%
+79,72€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 30

Zum Jahresende konnte sich der Autobauer über das Milliardengeschenk von US-Präsident Trump in Form der Steuerreform freuen. Zuvor gab es bei BMW, zumindest hinsichtlich des Aktienkurses, wenig zu feiern. Die Aktie, die zu Jahresbeginn noch mit über 90 Euro gehandelt wurde, fiel Ende Juli auf ein 52-Wochen-Tief von 77 Euro. Minus 3,5 Prozent unterm Strich insgesamt.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

-0,05 -0,04%
+116,72€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 30

Die Nachricht eines Stellenabbaus bei Siemens sorgte im November für sehr starke Aufmerksamkeit. SPD-Parteichef Schulz schaltete sich ein und attackierte das Management des Konzerns scharf, das die Vorwürfe wiederum in einem Brief entscheidend zurückwies. Wie dem auch sei: Der Siemens-Aktienkurs büßte nach einem starken ersten Halbjahr seine Gewinne ein – minus 1,5 Prozent auf Jahressicht.

Auch ein reines Aktiendepot entspricht natürlich nicht einer guten Risikostreuung über mehrere Anlageklassen. Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien sollten je nach Risikoneigung und Anlageziel ebenfalls ins Depot. Wie sich ein solches Portfolio entwickelt hätte, lässt sich mit dem Tool ebenfalls abbilden. Spannend ist es vor allem, sich die langfristige Entwicklung von Aktien anzuschauen. „Es zeigt sich, dass gerade risikoreichere im Sinne von stärker schwankenden Anlagen wie beispielsweise Aktien langfristig auch die größten Ertragschancen bieten“, sagt Mumm. „Wer also einen Anlagehorizont von mehreren Jahren hat, braucht sich um zwischenzeitliche Schwankungen nicht zu sorgen.“

Das ist im Krisenfall allerdings sehr schwierig, weil Emotionen – also Angst und Panik – einem Anleger besonders bei stärkeren Kursverlusten nahelegen, Aktien zu verkaufen. „Oftmals werden dann ohne Grund erhebliche Verluste realisiert“, so der Experte. „Das führt sogar dazu, dass sich Anleger für immer von den Börsen verabschieden. Folglich kann eine negative Wertentwicklung nie wieder aufgeholt werden.“ Dabei würde sich gerade bei niedrigeren Kursen der Einstieg lohnen. Im täglichen Leben kauft man schließlich auch lieber zu niedrigen Preisen – an der Börse schreckt das viele ab.

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