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Aktien Warum sich Russland-Investments lohnen könnten

Anleger können von den politischen Risiken in Russland profitieren. Mit hohen Ausschüttungen versuchen Firmen dort, ihre Eigner bei Laune zu halten.
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Vor allem Ölfirmen werfen in Russland eine hohe Dividende ab. Quelle: AP
Roter Platz in Moskau

Vor allem Ölfirmen werfen in Russland eine hohe Dividende ab.

(Foto: AP)

BerlinAn Russland muss man einfach glauben – der viel zitierte Ausspruch des russischen Dichters Fjodor Tjutschew gilt inzwischen auch für den Aktienmarkt. Denn negative politische Einflüsse – wie die Sanktionen des Westens nach der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim oder zuletzt die Inhaftierung des US-Fondsmanagers Michael Calvey – haben die Aktienkurse an Moskaus Börse immer wieder einbrechen lassen.

Zugleich aber weisen russische Anteilsscheine bei der Dividendenrendite den höchsten Wert aller Schwellenländer aus. Hohe relative Ausschüttungen erfreuen die Anleger, sind aber oft auch ein Spiegelbild von Risiken und niedrigen Kursen. Hinzu kommt: Nicht alle russischen Aktien sind in Deutschland zu kaufen.

Durchschnittsrendite: fast sieben Prozent

Mit durchschnittlich 6,8 Prozent werfen russische Aktien im Vergleich mit dem Index MSCI Emerging Markets eine gut doppelt so hohe Rendite ab. Sie werden, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, aber auch mit einem Abschlag von 50 Prozent gehandelt. Die Rendite ist höher als bei russischen Anleihen in Euro, die 4,85 Prozent Rendite bringen – aber verbunden mit höherem Kursrisiko und zusätzlich dem schwankenden Wechselkurs des Rubels.

Iskander Lutsko, Chief Investment Strategist bei Moskaus ITI Capital, ist optimistisch: „Wir rechnen für 2019 mit Rekorddividenden von drei Billionen Rubel, also 45 Milliarden Dollar.“ Die „Wachstumslokomotive“ bei den Ausschüttungen sei die mehrheitlich staatliche Sberbank, sagt Ilja Piterskij von der Investmentbank VTB Capital. Das mit Abstand größte osteuropäische Geldhaus werde für das abgelaufene Jahr 49 Prozent der Gewinne an die Anteilseigner als Dividenden zahlen, gegenüber 36 Prozent für 2017.

Für die Bereitschaft zu hohen Dividenden gibt es zwei Gründe. Einmal strebt das Finanzministerium für Staatskonzerne Ausschüttungen von der Hälfte der Gewinne an. Das hat die Sberbank fast erreicht, während der staatlich kontrollierte Ölriese Rosneft es mit Verweis auf hohe Investitionen ablehnt.

Der zweite Grund für die „immer generöser werdenden russischen Dividenden“ sind laut Lutsko die Oligarchen. Diese politisch exponierten Großunternehmer, von denen einige unter der Präsidentschaft Wladimir Putins ihre Konzerne verloren haben oder ins Ausland geflohen sind, holen mittels der Dividenden gerade in politisch volatilen Zeiten so viel aus ihren Firmen heraus wie möglich.

Die Unklarheit über weitere US-Sanktionen gegen Russland sowie über einen Putin-Nachfolger 2024 mache die Oligarchen nervös und lasse sie Geld aus ihren Unternehmen herausziehen, mutmaßt Kirill Tschujko, Research-Chef bei BCS Global Markets. So hatte die Ratingagentur Moody’s Ende Februar einen „organisierten Regime-Change“ in Russland als mögliches Risiko genannt. Sie kritisiert Staatsdirigismus, Monopolisierung und staatliche Dominanz in der russischen Wirtschaft. Dies macht auch die Oligarchen nervös.

Dividendenrenditen im zweistelligen Bereich

Privatanleger profitieren ebenfalls von den hohen Zahlungen, die teilweise extreme Werte erreichten. Mit einer Dividendenrendite von 47,1 Prozent führen die Vorzugsaktien der Chemiefirma mit dem Zungenbrechernamen Nischnekamskneftechim (NKNH) die Liste laut der Brokerfirma Dochod an.

Zu den größeren Konzernen mit hoher Dividendenrendite zählen demnach auch die Papiere des Ölförderers Surgutneftegas mit 17,2 Prozent. Der Metallriese Norilsk Nickel kommt auf 11,6 Prozent, Sberbank auf 9,4 Prozent. ITI Capital sieht den Transportkonzern Globaltrans (13,8) und die Stahlkonzerne Severstal und MMK (11,8 und 12,4 Prozent) vorn sowie den staatlich kontrollierten Diamantenförderer Alrosa (12,3 Prozent).

Die Dividende ist nicht alles. Und die Kursentwicklung in Russland war enttäuschend: Der Moskauer Leitindex RTS stand im Februar 2014 – vor der Krim-Krise – noch bei 1.360 Punkten. Am Dienstagabend waren es nur 1.179 Zähler. Immerhin hat seit Jahresbeginn der zweite Moskauer Leitindex Imoex von 2.318,01 auf 2.468,25 Punkte zugelegt.

Wer auf Kursgewinne hofft, dem rät Michail Kuzin von Raiffeisen Capital zu Rohstoff- und Metallurgiekonzernen wie Norilsk Nickel, MMK, NLMK oder Severstal. Sie seien am interessantesten in den nächsten zwölf Monate. Russische Ölkonzerne wie Lukoil, Gazprom und Rosneft, sieht Elena Koschuchowa von Veles Capital in Moskau positiv. Die wertvollsten Konzerne sind die Sberbank mit einer Marktkapitalisierung von 67,5 Milliarden Dollar, Rosneft (64,2), Lukoil (63,8) und Gazprom (54,7 Milliarden Dollar).

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1 Kommentar zu "Aktien: Warum sich Russland-Investments lohnen könnten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Brüggmann,

    nett von Ihnen, dass Sie sich nunmehr auch als Anlageberater betätigen. Aber was Russland betrifft, muß ich leider etwas Wasser in den Wein gießen.

    Wir reden von einem fernen Land. Es hat eine leistungsfähige Rüstungsindustrie. Es fördert Öl und Gas. Aber ansonsten? Gibt es noch etwas anderes als Armut und Rückständigkeit?

    Eine Demokratie gibt es auch nicht. Von Rechtsstaatlichkeit will ich gar nicht erst reden. Ich sehe nur einen blutrünstigen und kriegslüsternen Herrscher, der in Syrien und in der Ukraine Krieg geführt und Hunderttausende Tote auf dem Gewissen hat. Der in den den USA die Präsidentenwahlen zum eigenen Vorteil beeinflussen wollte, der bei Cyberkriminalität und Spionage eine weltweite Führungsrolle hat. Der selbst sein eigenes Volk unterdrückt und auch vor Mord auf offener Straße nicht zurückschreckt. Ein richtig netter Kerl dieser Putin. Soll ich ihm vielleicht meine Ersparnisse anvertrauen?

    Für ihn spricht vielleicht, dass er wie in früheren Zeiten des Kalten Krieges das Wettrüsten wieder aufgenommen hat und den Amerikanern die Weltmachtrolle streitig macht. Aber glauben Sie wirklich, dass diese Rivalität mit den Amerikanern der russischen Wirtschaft gut bekommt?

    Zum Schluß noch einige Worte zum russischen Aktienmarkt. Die Marktkapitalisierung der russischen Aktien ist sehr klein, das Investitionskapital von big money aber sehr groß. Das hat zur Folge, dass schon wenige Käufe/Verkäufe zu riesigen Kursschwankungen führen.