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Aktienindex Heute wird der Dax 30 Jahre alt – und bietet wieder gute Einstiegschancen

An seinem 30. Geburtstag ist der Dax bis auf sein Kursniveau vom Frühjahr 2015 zurückgefallen. Die aktuelle Schwächephase können Anleger nutzen.
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„Seit dem Start hätte man jährlich 10 Prozent Rendite erzielt“

FrankfurtDer Sturz unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten ist dem Dax in der vergangenen Handelswoche zwar gerade noch erspart geblieben. Dennoch ist Investoren zum 30. Geburtstag des meistbeachteten deutschen Börsenbarometers nicht nach Feiern zumute.

Stattdessen macht sich Enttäuschung breit. Denn nach der jüngsten Schwächephase an den weltweiten Aktienmärkten ist der Dax wieder auf sein Niveau vom Frühjahr 2015 zurückgerutscht.

Wer auf die 30 Dividendenpapiere aus Deutschlands erster Börsenliga setzt, hat trotz zwischenzeitlicher neuer Allzeithochs unter dem Strich seit mehr als drei Jahren nichts mehr verdient. Und damit nicht genug: Nach Einschätzung der meisten Profis drohen Aktionären in den kommenden Monaten zunächst weitere Kursrückschläge.

Die vielen Aktienskeptiker in Deutschland werden sich in ihrer Ablehnung, auf Dividendenpapiere zu setzen, bestätigt sehen. Die vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) ermittelten Zahl der Aktionäre kommt hierzulande mit rund neun Millionen aus einer Gesamtbevölkerung von mehr als 80 Millionen schon seit Jahren kaum vom Fleck. Von mehr als fünfeinhalb Billionen Euro an Geldvermögen sind nur rund elf Prozent in Aktien und weitere drei Prozent in Aktienfonds investiert. Der Großteil befindet sich dagegen auf so gut wie unverzinsten Tages-, Festgeld oder Sparkonten.

Nur vergleichsweise wenige Anleger profitieren daher hierzulande von der langfristig überdurchschnittlich gewinnträchtigen Entwicklung des Dax. Aufgelegt am 1. Juli 1988, konnte sich der Dax-Stand, normiert auf einen Indexstand von 1.000 Punkten zum Januar 1988, zeitweise mit einem Rekordhoch von mehr als 13.500 Indexpunkten im Januar dieses Jahres mehr als verdreizehnfachen.

Seit seinem Start hat deutsche Aktienindex im Schnitt eine jährlich Rendite von 8,6 Prozent erzielt und damit andere wichtige Anlageklassen weit abgehängt. Allein während des aktuellen Börsenbooms, der bereits seit mehr als neun Jahren anhält, hat sich der Dax-Stand fast vervierfacht.

Doch nur vier Prozent der Bundesbürger planen, in den nächsten drei bis vier Monaten in deutsche Aktien oder Fonds zu investieren, wie aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Vermögensverwalters Fidelity International hervorgeht.

Daher dürfte sich auf absehbare Zeit nichts daran ändern, dass sich der Großteil der hiesigen Dax-Aktien in ausländischen Händen befindet: Weit mehr als die Hälfte der Investoren bei den Dax-Mitgliedern stammt aus dem Ausland. Allein in den Händen amerikanischer Investoren befindet sich mehr als ein Fünftel der deutschen Blue-Chip-Anteilsscheine.

Experten werden daher nicht müde zu mahnen, dass vor allem langfristig orientierte Anleger einen Teil ihres Geldvermögens auch in Aktien investieren sollten. Gerade angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes seien Dividendenpapiere für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau unverzichtbar. Ohne Aktien im Wertpapierdepot drohe wegen der Inflation, die inzwischen deutlich oberhalb der mittleren Rendite festverzinslicher Anlagen liegt, ein schleichender Kaufkraftverlust des Ersparten.

„Seit 2008 sinkt die nominale Durchschnittsverzinsung von Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen stetig“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Von 2014 bis 2016 sei die Realverzinsung dieses Teils des privaten Geldvermögens nur dank einer sehr niedrigen Inflation positiv geblieben. „Mit der "Rückkehr" der Inflation änderte sich das im letzten Jahr“, warnt der Experte.

Der Realzins sei inzwischen 0,8 Prozent ins Negative gedreht. „Bei anhaltend niedrigen Nominalzinsen und einer Inflationsrate von voraussichtlich 1,8 Prozent dürfte der Realzins auch im laufenden und im nächsten Jahr mit jeweils rund Minus ein Prozent negativ bleiben.“ Das bedeute Wertverluste im Geldvermögen der Bürger von bis zu 46 Milliarden Euro.

Wer 15 Jahre dabei ist, hat praktisch kein Verlustrisiko

Auch das DAI, das von den großen Unternehmen im Dax finanziert wird, wirbt mit seinem soeben aktualisierten „Rendite-Dreieck“ für die Investition in Dividendenpapiere. Das Rendite-Dreieck für die monatliche Geldanlage veranschaulicht, wie sich die Rendite von Aktienfonds oder ETFs, aber auch anderen Formen der indirekten regelmäßigen Aktienanlage entwickelt hat.

Diese Auswertung verdeutlicht, dass Anleger, die mindestens 15 Jahren an den hiesigen Börsen investiert bleiben, in der Vergangenheit praktisch kein Verlustrisiko hatten. Trotz aller Schwankungen und zwischenzeitlicher Rückschläge an den Märkten.

So legte der Dax in den vergangenen 30 Jahren zwar 22 mal zu – das bedeutendste deutsche Börsenbarometer gab allerdings auch immerhin achtmal teils erheblich nach: In fünf der bislang 30 Jahre musste ein Dax-Anleger einen Verlust im zweistelligen Prozentbereich verkraften. Zweimal hiervon lag das Minus sogar bei mehr als 40 Prozent. Zuletzt nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008, die den Ausbruch der weltweiten Finanzkrise und die darauf folgende Euro-Staatsschuldenkrise markierte.

In seinem schlechtesten Jahr 2002 verlor er nach dem Platzen der Internetblase nach der Jahrtausendwende vorübergehend sogar 50 Prozent an Wert. Vielen Investoren sind vor allem diese heftigen Rückschläge in Erinnerung geblieben, die sie trotz mickriger Zinsen vor neuen Engagements am Aktienmarkt zurückschrecken lassen.

Momentan sehen Pessimisten die von US-Präsident Donald Trump angezettelten internationalen Handelskonflikte als womöglich nächsten Auslöser eines weltweiten Crashs an den Börsen. Die drohende Eskalation der Konflikte zu handfesten Handelskriegen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die weltweit wichtigsten Aktienindizes seit den Höchstkursen Ende Januar im Schnitt etwa ein Zehntel an Wert eingebüßt haben. Das entspricht umgerechnet etwa acht Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung, die seitdem insgesamt vernichtet worden sind.

Dennoch sollten nach Einschätzung der meisten Fachleute gerade Investoren mit langem Anlagehorizont auch diesmal nicht die Nerven verlieren und Aktien treu bleiben. „Wirtschaftsdaten und politische Ereignisse beeinflussen die Märkte in der Regel nur auf kurze Sicht“, sagt etwa Andreas Telschow, Anlageexperte beim Vermögensverwalter Fidelity International.

Langfristig orientierte Anleger sollten sich laut dem Profi von diesen Störfeuern nicht beirren lassen, schließlich seien Schwankungen ein normaler Bestandteil der Märkte. „Wie sehr es sich lohnt, dranzubleiben, zeigt folgendes Beispiel: Wer seit 30 Jahren jeden Monat 50 Euro in den Dax eingezahlt hätte, könnte sich laut Angaben des deutschen Fondsverbands BVI heute über einen Betrag von 65.000 Euro freuen – und hätte nur 18.000 Euro eingezahlt“, argumentiert Telschow.

Dax-Kursziel 167.000 Punkte

Sein Kollege Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors sieht das ähnlich: Am Ende hätten in der Vergangenheit die Aufwärtsphasen an den Börsen überwogen, weil „Wachstum und Unternehmensgewinne den Sieg davon trugen“. In der historischen Rückrechnung des Dax bis zum Jahr 1955 habe es sogar in 44 von 63 Jahren eine positive Rendite gegeben. „Natürlich ist die Wertentwicklung der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Gewinne“, schränkt der Chefanlagestratege des Fondshauses ein. Doch die Geschichte zeige zumindest, dass sich das „Zittern“ bei all dem Auf und Ab der Kurse in der Vergangenheit auch gelohnt habe.

In laufenden Jahr dürften die Aktienmärkte bis in den Herbst hinein nach Einschätzung von Experten im Korrekturmodus bleiben – vor allem wegen der schwierigen politischen Gemengelage. „Ein Ende der Hausse erwarten wir zwar nicht“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch. Gleichwohl sollten die US-Handelskonflikte laut dem Experten die Stimmung an den Börsen noch eine ganze Weile dämpfen und zu weiteren Kursrücksetzern führen.

Langfristig orientierten Investoren könnten sich also in den kommenden Monaten attraktive Einstiegschancen bieten. „Für Anleger, die auf Kursrückgänge und niedrigere Kaufkurse hoffen, könnte 2018 ein Jahr mit zahlreichen Chancen werden“, sagt Bielmeier. Der DZ-Bank-Ökonom verweist darauf, dass etwa beim Dax selbst ein Rückschlag bis auf 11.000 Punkte nicht außergewöhnlich wäre. Das entspreche der mittleren unterjährigen Korrektur, die der Index seit 1975 jeweils von seinen lokalen Hochs verzeichnet habe.

Die Strategen der Landesbank Baden-Württemberg haben den Dax-Stand errechnet, wenn sich der Aktienindex in den kommenden 30 Jahren genauso entwickeln würde, wie in seinen ersten 30 Jahren. Sie kommen zu einem spektakulären Kursziel: Ende 2047 stünde er demnach bei nahezu 167.000 Punkten.

„Auf den ersten Blick ist diese Zahl kaum zu fassen. Und es ist auch sicher, dass es nicht genau so kommen wird wie visualisiert“, meinen die Anlageprofis. Schließlich weise der Aktienindex derzeit bereits einen deutlichen „Rückstand“ auf, denn auf Basis dieser „Spielerei“ müsst er aktuell bereits bei knapp 14.300 Punkten stehen. „Trotzdem zeigt die Extrapolation der Dax-Entwicklung der ersten 30 Jahre, welches Potenzial im Dax steckt“, resümieren die Experten.

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