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Aktienindex Warum im Dax die Schnäppchen ausgehen

Die Kurse steigen, gleichzeitig sinken die Gewinnerwartungen. Das macht viele Aktien unattraktiver: Besonders von einem billigen Dax kann keine Rede mehr sein.
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Angesichts gleichzeitig steigender Aktienkurse erhöhen sich die Bewertungen für Aktien und werden damit teurer. Quelle: picture alliance / Ulrich Baumga
Frankfurter Wertpapierbörse

Angesichts gleichzeitig steigender Aktienkurse erhöhen sich die Bewertungen für Aktien und werden damit teurer.

(Foto: picture alliance / Ulrich Baumga)

DüsseldorfAnleger fassen wieder Mut, der Januar zählte zu den stärksten Jahresauftakten überhaupt, und der Februar signalisiert, dass Anleger Gewinne an den Börsen nicht sofort wieder zum Ausstieg nutzen. Mehr noch: SAP, traditionell eines der ersten deutschen Unternehmen, die ihre Bilanz präsentieren, hat mit einem starken Ausblick überzeugt, nachdem Europas größter Softwarehersteller seine im Vorjahr dreimal angehobenen Ziele erreichte.

Doch Zweifel an der Fortsetzung des starken Börsentrends sind angebracht. Sie werden von den Unternehmen geschürt und von den Analysten – ausgerechnet: einer Zunft, die eines zu großen Pessimismus immer unverdächtig war.

„2018 war insgesamt ein weiteres gutes Jahr für die deutsche Wirtschaft“, sagte Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Doch was gut klingt, ist aus Sicht der Börse nur ein Blick in den Rückspiegel. Wichtiger ist, was kommt: „Die Dynamik lässt spürbar nach. Die Gewinne sinken bei vielen Unternehmen, die Aussichten haben sich deutlich eingetrübt“, sagte Barth.

Die vielen exportorientierten deutschen Konzerne sehen sich erheblichen Risiken ausgesetzt. Ein ungeordneter Brexit könnte zu wirtschaftlichen Turbulenzen und massiven Einbußen führen. Zudem schwächt sich die Nachfrage nicht nur in China, sondern auch in weiten Teilen Europas ab.

Obendrein bleibt die US-Handelspolitik ein Risikofaktor mit vielen Unbekannten. „Die Unternehmensgewinne für das abgelaufene Jahr dürften eher enttäuschen“, urteilt Andreas Hürkamp von der Commerzbank, „die Ausblicke der Konzerne auf 2019 werden wohl eher vorsichtig ausfallen.“

Anders als SAP gehen die meisten Unternehmen verhalten bis skeptisch ins neue Jahr. Das aber hat zur Folge, dass die Analysten ihre Gewinnschätzungen herabsetzen. In den vergangenen drei Monaten fielen die Erwartungen für fast alle Unternehmen. Im Dax entzogen sich nur Vonovia, die Allianz, die Lufthansa, Linde, Merck und trotz der Kursturbulenzen auch Wirecard dem Negativtrend.

Besonders stark sanken die Gewinnschätzungen für Henkel, RWE und BASF um jeweils mehr als zehn Prozent, für die Deutsche Bank, Thyssen-Krupp und Covestro sogar um mehr als 20 Prozent.

Angesichts gleichzeitig steigender Aktienkurse –  der Dax legte seit seinen Tiefständen Ende Dezember fast zehn Prozent zu – erhöhen sich die Bewertungen für Aktien. Sie werden teurer. Denn die Bewertungen speisen sich aus den erwarteten Gewinnen der Unternehmen. Wer aktuell in alle 30 Dax-Konzerne investieren würde, müsste dafür knapp den 13-fachen für 2019 erwarteten Jahresnettogewinn der Unternehmen bezahlen.

Ende Dezember lag der Faktor noch bei elf. Damit sind Aktien nicht mehr preiswert, sondern moderat und mit Blick auf die vergangenen vier Jahrzehnte durchschnittlich bewertet. Von einem billigen Dax angesichts eines Einbruchs von 18 Prozent im abgelaufenen Jahr kann also keine Rede mehr sein.

Auffällig ist, dass die Bewertungen bei den Einzeltiteln weit auseinanderklaffen. Einer Reihe von ausgesprochen preiswerten Aktien stehen sehr teure gegenüber – dazwischen ein Mittelfeld moderat bewerteter Aktien.

In den scheinbar günstigen Werten schlummern hohe Risiken

Ausgesprochen günstig erscheinen die drei Autobauer VW, BMW und Daimler, für die Anleger nur den fünf- bis siebenfachen Jahresnettogewinn bezahlen. Auch die Lufthansa erscheint mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fünf sehr preiswert.

Covestro kostet nur den neunfachen Gewinn, Bayer wirkt mit dem zehnfachen Gewinn ebenfalls günstig, weil große Pharmahersteller weltweit üblicherweise sehr viel höher bewertet sind. Der Gesundheitsspezialist Fresenius ist mit einem KGV von 14 so preiswert wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht.

Aber: In all diesen scheinbar günstigen Werten schlummern hohe Risiken. „Die Börse übersieht keine billigen Aktien“, lautet eine Weisheit an den Finanzmärkten. Sie gilt erst recht für Aktien von Konzernen in einem großen Index wie dem Dax.

So haben die Autobauer ihre besten Gewinnzeiten erst einmal gesehen. Das legte der jüngste Jahresbericht von Daimler offen. Noch ist nicht ausgemacht, ob die deutschen Hersteller im künftigen Elektrozeitalter zu den Großen zählen werden. Mit den niedrigen Bewertungen spekulieren Anleger schon jetzt auf schlechtere Zeiten.

Die Lufthansa profitierte lange von niedrigen Kerosinpreisen, doch diese Zeiten sind angesichts des gestiegenen Ölpreises vorbei. Der scharfe internationale Wettbewerb bedroht die Margen. Dementsprechend erwarten Anleger auch hier eher sinkende als steigende Gewinne.

Beispiel Covestro: Anleger argwöhnen, dass die Ertragsschätzungen noch weiter sinken werden, so wie bereits in den vergangenen Wochen. Analysten kappten die Gewinnschätzungen in nur drei Monaten um 30 Prozent. Das Unternehmen selbst liefert aus Sicht vieler Anleger keinen brauchbaren Aufschluss.

Noch Ende Oktober war Vorstandschef Markus Steilemann zuversichtlich, die ambitionierten Prognosen für 2018 zu halten, ehe er kurz darauf mit einer Ertragswarnung überraschte. Seitdem ist die Verunsicherung groß. Höhere Kosten, mehr Wettbewerb und Rückstellungen für ein angekündigtes Sparprogramm führten zur Kappung der firmeneigenen Prognose.

Papiere der Deutschen Bank sind nicht preiswert

Auch die im Vergleich zur Vergangenheit sehr niedrigen Bewertungen von Bayer und Fresenius relativieren sich: Bayer hat sich mit dem Saatguthersteller Monsanto aus Sicht vieler Anleger eine Giftpille eingekauft – mit 63 Milliarden Dollar eine ausgesprochen teure.

Fresenius schaffte es Jahr für Jahr, seine eigenen Prognosen zu übertreffen, doch umso größer war der Schock, als Konzernchef Stephan Sturm seine erfolgsverwöhnten Anleger mit Ertragswarnungen im Oktober und noch einmal im Dezember überraschte. Das kostete viel Vertrauen.

Hoch bewertet erscheinen die Anteilsscheine von Adidas, Infineon, Beiersdorf, Linde und der Deutschen Börse. Doch sie alle erfüllen bislang die hohen Erwartungen. Das schafft auch SAP.

Keineswegs preiswert erscheint schließlich die Deutsche Bank mit einem KGV von 12,5. Diese Bewertung unterstellt, dass die Deutsche Bank in diesem Jahr unter dem Strich eine Milliarde Euro verdient. Das erscheint ambitioniert angesichts der Verluste in den vergangenen Jahren und des schmalen Nettogewinns von 341 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr.

Die Lehre daraus lautet: Wer tief gefallen ist, ist deshalb noch keineswegs günstig. Denn die Deutsche Bank hat in den vergangenen zwölf Monaten 40 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren sogar 75 Prozent verloren.

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1 Kommentar zu "Aktienindex: Warum im Dax die Schnäppchen ausgehen"

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  • @Ulf Sommer:
    Einspruch Euer Gnaden!
    Bei den Automobilherstellern sind die Risiken weitgehend eingepreist. Der KGV ist gut, ebenso die Dividende. Elektrooffensive? Da machen die deutschen Hersteller mit Hybrid-Lösungen eine gute Figur:
    ca 70 km Reichweite bedeutet: Jeder Pendler kann fast ausschließlich elektrisch zur Arbeit und meist auch zurück fahren. Hat er eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach - SUPER! Dann wird auch kein Kohlestrom mit negativer CO2 Bilanz benötigt.
    Batterien, die für 70 km Reichweite ausgelegt sind, benötigt man ein Zehntel der Ressourcen Energieaufwand/Kosten in der Produktion der großen Batterien.
    Ich finde es gut, was die deutschen Hersteller tun!

    Banken in Europa - wie die Deutsche Bank - werden zu einem Viertel Ihres Bilanzwertes bewertet. Man kauft also mit 25 Cent einen Euro Bilanzwert. Lieber Herr Sommer, kennen Sie nicht die Börsenweisheit "für 50 Cent einen Euro kaufen"?

    Warum nur dieses ewige Aktien-Bashing? Worin liegt die Motivation? Wessen Kind sind Sie?