Börse

Die Nachrichtenlage macht sich 2018 am Aktienmarkt bemerkbar.

(Foto: Alex Kraus/Bloomberg)

Aktienkurse Kaufbereitschaft erlahmt – Chartanalysten sehen eine negative Trendwende am Aktienmarkt

Lange Zeit schienen die Börsen gegen negative Nachrichten wie den Handelskonflikt immun zu sein. Jetzt nicht mehr. So bewerten Anlageprofis die Lage.
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DüsseldorfEin typischer Handelstag im Jahr 2017: Die Kurse steigen und steigen. Weder die vielen geo- und handelspolitischen Drohungen von US-Präsident Donald Trump können dem Dax etwas anhaben, noch populistische Strömungen in immer mehr europäischen Ländern. Jeden Rücksetzer machen die Börsen sofort wett.

Ein typischer Handelstag 2018: Die Kurse fallen. Der von Trump initiierte Handelskonflikt mit Zöllen und Gegenzöllen belastet die Börsen. Jedem Rücksetzer folgen zwar Gegenbewegungen nach oben, doch sie währen nur kurz und sind schwach.

Die Nachrichten haben sich kaum geändert, doch die Aktienkurse reagieren entgegengesetzt. Dabei wächst die Wirtschaft weiterhin und die Unternehmen verdienen gutes Geld. Doch so, wie die Kurse früher positive Nachrichten aufzusaugen schienen, so orientieren sie sich jetzt an den schlechten.

An diesem Punkt kommen neben fundamentalen Einflussfaktoren wie den Rekordgewinnen der Dax-Konzerne und dem guten Wirtschaftswachstum in Asien, den USA und in Europa auch technische Einflussfaktoren hinzu. Handelsumsätze, Chartformationen und Handelsdurchschnitte geben Aufschluss über die Treiber an den Börsen: Gibt es mehr Käufer oder Verkäufer?

Immer mehr Signale für Verschnaufpause

Die Kurscharts haben sich in den vergangenen Wochen eingetrübt. Das wiederum hat Einfluss auf die Stimmung und Kaufbereitschaft der Anleger. „Der Dax sendet immer mehr Signale für eine längere Verschnaufpause oder gar stärkere Kursrückgänge“, urteilt Dirk Oppermann von der DZ Bank. Der Analyst hatte bereits im Frankfurter Handelsblatt-Chartgespräch im Januar auf die bevorstehenden Schwierigkeiten im zweiten Halbjahr hingewiesen.

Jetzt sind sie allgegenwärtig. Der Grund: Mit seinen vielen Kurshochs auf ähnlichem Niveau – vor einem Jahr im Juni, dann im Oktober, im Januar dieses Jahres und zuletzt einem schwächeren Hoch im Mai – droht der Dax eine Umkehrformation auszubilden.

Die Hausse zeigt Ermüdungserscheinungen. Das heißt: Dem 2009 gestarteten Börsenaufschwung droht zumindest das vorläufige Aus. Die Hochs auf ähnlichem und zuletzt schwächerem Niveau belegen, dass die Kaufbereitschaft erlahmt.

Weniger Käufern stehen mehr Verkäufer gegenüber. Das belegen auch die rasanten Abwärtsbewegungen mit Handelsumsätzen, die um gut ein Drittel gestiegen waren, währenddessen die schwächeren Gegenbewegungen nach oben von unterdurchschnittlich hohen Umsätzen getragen wurden. So wie beim Wochenausklang, als Signale im Handelskonflikt auf Entspannung hindeuteten.

Die im Dax skizzierten Kurshochs bezeichnen technische Analysten als Kopf-Schulter-Formation oder auch klassische Umkehrformation. Jörg Scherer, Leiter der technischen Analyse bei HSBC Deutschland, richtet den Blick auf den Dax-Kursindex. Dieser berechnet nicht die jährlichen Dividenden der Unternehmen mit ein. Er ist deshalb besser mit internationalen Börsenindizes vergleichbar.

Im Kursindex zeichnet sich das negative Chartbild noch stärker als im herkömmlichen Dax ab. Denn zusammen mit den Kurshochs seit April 2015 und dem sehr weit zurückliegenden Hoch aus dem Boomjahr 2000 droht dem Dax eine langfristige Umkehrformation – mit negativen Folgen.

Sobald der Kursindex unter die Marke von 5600 Punkten fällt – derzeit sind es 5730 –, gilt für Scherer die Umkehrformation als abgeschlossen.

Übertragen auf den herkömmlichen Dax sieht DZ-Bank-Analyst Oppermann die negative Formation bei 11.800 Punkten als abgeschlossen an. Bei einem Rutsch darunter erwartet er, dass der Dax anschließend auf 10 800 Punkte fällt.

Bargeld vorhalten

Dahinter verbirgt sich aber auch eine gute Nachricht: Solange der Dax über diesem Niveau von 11.800 Zählern notiert, müssen Anleger „nur“ mit einer sich fortsetzenden Seitwärtsbewegung rechnen – so wie schon seit einem Jahr. Das heißt, die Kurse pendeln auf und ab. Anleger sind also gut beraten, nicht vorschnell alles zu verkaufen.

Bargeld vorzuhalten, empfiehlt sich ebenfalls – um bei einem stärkeren Rückfall preiswerter einzukaufen.

Die internationalen Märkte passen zu dem Trend. In den USA kämpft der Dow Jones gerade mit der 200-Tage-Linie: Der Index notiert nur noch knapp über dem Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. Ein Rutsch darunter signalisiert vielen Anlegern eine Trendumkehr, sodass sich allein dadurch der Abwärtsschub oftmals verstärkt.

Was dem Dow möglicherweise bevorsteht, hat der Dow-Jones-Transport-Index bereits vollzogen: Er notiert unter der 200-Tage-Linie. Vor allem Profis schätzen diesen Transport-Index als guten Vorläufer-Index, denn hier notieren Transport- und Logistik-Unternehmen wie Fedex.

Sie machen mit Unternehmen aus allen Branchen Geschäfte. Dass ausgerechnet dieser Index schwächelt, verheißt nichts Gutes. Weder technisch für die Charts – aber auch nicht fundamental für die globale Konjunktur.

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