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Aktienmärkte Anleger trauen der Rally nicht

Die Aktienkurse sind kräftig gestiegen. Doch viele Fondsmanager sind nervös, fürchten Rückschläge und gewichten Aktien in ihren Portfolios kaum noch über.
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Seit Jahresbeginn sind die Kurse gestiegen. Quelle: Reuters
Bär und Bulle vor der Frankfurter Börse

Seit Jahresbeginn sind die Kurse gestiegen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Kurse an den Aktienmärkten steigen und steigen, aber Investoren sind so skeptisch wie lange nicht. „An den Börsen könnten die besten Monate dieses Jahres schon hinter uns liegen“, meint Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS. Und wie Kreuzkamp denken offensichtlich viele Investoren.

Das zeigt die wichtigste monatliche Umfrage unter Großanlegern von der US-Bank BofA Merrill Lynch unter 239 Fondsmanagern, die zusammen 664 Milliarden Dollar Anlegergeld verwalten. Von diesem Geld stecken sie aber so wenig in Aktien wie seit zweieinhalb Jahren nicht. Unter dem Strich sind der Umfrage zufolge nur noch netto drei Prozent der Investoren in Aktien übergewichtet.

Das bedeutet, dass es nur drei Prozent Fondsmanager gibt, die mehr Aktien halten als ihre Vergleichsindizes als solche, die das nicht machen. Anfang Oktober dagegen und damit zu Beginn des jüngsten weltweiten Einbruchs an den Börsen, lag ihr Aktienübergewicht in den globalen Portfolios noch bei 22 Prozent, im November waren es sogar 31 Prozent.

Radikale Kehrtwende der Fed

Das aber ist den Investoren schlecht bekommen. Im vierten Quartal 2018 brachen die Börsen ein. Der deutsche Leitindex Dax und der breiter gefasste amerikanische Index S&P 500 verloren damals knapp 14 Prozent, beim Euro-Zonen-Standardindex Euro Stoxx 50 waren es zwölf Prozent.

„Die Märkte bewerteten damals die Rezessionsgefahr doppelt so hoch, wie es nach Lage der Fundamentaldaten gerechtfertigt gewesen wäre“, erklärt Philippe Ithurbide, Researchchef beim Fondsanbieter Amundi. Seither haben sich die Indizes bemerkenswert erholt und gewannen zwischen zwölf und 14 Prozent.

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Zu Jahresbeginn erklärten sich Anleger das noch damit, dass der Ausverkauf im vierten Quartal überzogen und die Erholung somit quasi natürlich war. Ende Januar stützte dann die US-Notenbank (Fed) die Aktienmärkte mit der Ansage, dass sie mit weiteren Zinserhöhungen geduldig abwarten werde.

Eine „radikale Kehrtwende“ nennt das Frank Klumpp, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der „Powell-Put“, also die Annahme der Investoren, dass sie sich im Zweifelsfall auf Unterstützung von Fed-Chef Jerome Powell verlassen können, habe funktioniert.

Doch jetzt gehen den Investoren die Argumente aus, warum die Börsen noch weiter steigen sollten. „Die Bewertungen lassen wenig Spielraum nach oben“, meint Kreuzkamp. Die Wirtschaft wachse zwar noch, aber nicht mehr dynamisch.

Und die Gewinnerwartungen der Firmen müssten wahrscheinlich noch weiter nach unten korrigiert werden. Das fürchtet auch Richard Turnill, Chefanlagestratege beim Fondsgiganten Blackrock. Entsprechend dürften dann auch die Kurse an den Aktienmärkten fallen. Die bisherige Rally dürfte allenfalls noch kurz anhalten, meint Turnill.

Der BofA-Merill-Lynch-Umfrage zufolge rechnen noch 28 Prozent der Investoren damit, dass die Gewinne der Unternehmen sinken werden. Das sind zwar weniger als im Januar. Dennoch zeigt auch die aktuelle Zahl die Skepsis. Auch Analysten haben ihre Gewinnprognosen deutlich reduziert. Seit Ende des dritten Quartals 2018 sind die Gewinnerwartungen an die Dax-Konzerne für das laufende Jahr im Schnitt um 10,8 Prozent gesunken.

Beim Euro Stoxx 50 und beim S&P 500 wurden die Gewinnprognosen um 5,6 und 5,8 Prozent reduziert. Dass gerade der Dax so schlecht abschneidet, liegt vor allem daran, dass viele Dax-Konzerne vom Export abhängig sind und zudem die Autokonzerne den deutschen Leitindex dominieren. Gerade ihnen macht der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den USA und Europa extrem zu schaffen.

Beim Konflikt zwischen den USA und China gibt es zwar angesichts des von Ende März auf voraussichtlich Anfang April verschobenen Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping neue Hoffnung.

Die Märkte spiegeln ein glimpfliches Ende des seit einem Jahr andauernden Streits über Importzölle aber bereits wider. Dazu kommt: „Wenn sich die USA und China einigen, könnte sich Trump bald Japan und Europa vorknöpfen – mit entsprechenden Auswirkungen gerade für die deutsche Automobilindustrie“, warnt Klumpp von der LBBW.

Besonders skeptisch für Europa

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Investoren mit Blick auf Europa besonders skeptisch sind – zumal hier noch die Unsicherheiten rund um den Brexit und das in der Rezession steckende Italien eine Rolle spielen. Acht Prozent der internationalen Investoren sind in Aktien der Euro-Zone untergewichtet, bei britischen Aktien sind es sogar 28 Prozent.

Nach Ansicht von Klumpp sollten auch Privatanleger vorsichtig sein, eben weil die Aktienmärkte im Jahresverlauf nur noch wenig Potenzial hätten. In die aktuelle Stärke hinein lohne es sich zumindest für kurzfristig orientierte Anleger allmählich, Risiken abzubauen, also Aktien zu verkaufen.

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1 Kommentar zu "Aktienmärkte: Anleger trauen der Rally nicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Cünnen,

    nach der Lektüre Ihres Artikels weiß ich wieder, warum ich nur ETFs und keine aktiv gemanagten Fonds in meinem Depot habe. Es einfach Schwachsinn, was die Herren Fondsmanager von sich geben.

    Es beginnt damit, dass eine Einigung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit angeblich in den Kursen bereits "eingepreist" ist. Es geht weiter mit dem Gefasel über angebliche Rezessionsgefahren obwohl kein einziger Volkswirt dieses Planeten eine Rezession prognostiziert. Und dass die Gewinnschätzungen in den kommenden Quartalen weiter nach unten revidiert werden sollen, ist aus der Luft gegriffen. Alles nur Geschwätz.

    Auf der anderen Seite weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass im Falle einer tatsächlichen Abschwächung der Konjunktur fast alle Länder dieser Welt durch ihre Finanzpolitik gegensteuern. Das jüngste Beispiel dafür ist China. Und bei Donald Trump wird man wohl annehmen dürfen, dass er wiedergewählt werden will und deshalb einen eventuellen Einbruch der Konjunktur nicht zuläßt.