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Aktienmärkte Trumps Tweets taugen nicht mehr als Börsenschreck

Lange haben Äußerungen des US-Präsidenten Aktien einzelner Unternehmen stark beeinflusst. Doch inzwischen sind Anleger Trumps Übertreibungen leid.
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„Es wird höchste Zeit, dass die Tweets über einzelne Unternehmen ihren Einfluss verlieren“, sagt Matt Maley, Aktienstratege des Vermögensverwalters Miller Tabak. Quelle: AP
Donald Trump

„Es wird höchste Zeit, dass die Tweets über einzelne Unternehmen ihren Einfluss verlieren“, sagt Matt Maley, Aktienstratege des Vermögensverwalters Miller Tabak.

(Foto: AP)

New YorkVor zwei Jahren war „Trump2Cash“ der Star. Der Tradingbot, programmiert von dem deutschstämmigen Google-Manager Max Braun, scannte automatisch die Tweets von US-Präsident Donald Trump und suchte darin nach börsennotierten Unternehmen. Das Konzept: Kommt zum Beispiel der Motorradbauer Harley Davidson in einem Tweet vor, dann startet Trump2Cash eine sogenannte Sentiment-Analyse, um festzustellen, ob der Präsident positiv oder negativ über das Unternehmen zwitschert.

Fällt das Ergebnis negativ aus, löst das Handelsprogramm eine Verkaufsorder aus. Ist der Präsident dagegen gut auf ein Unternehmen zu sprechen, kauft Trump2Cash dazu. Sentiment-Analysen auf Twitter nutzten Händler zwar schon länger, doch zum ersten Mal wurden die Tweets des mächtigsten Präsidenten der Welt für Aktiengeschäfte genutzt.

Eine Weile ging das gut: Am 4. Januar 2017 etwa tweetete er: „Danke, Ford, dass ihr euren Plan aufgebt, ein neues Werk in Mexiko zu bauen, und stattdessen lieber 700 neue Jobs in den USA schafft.“ Trump2Cash schlug direkt nach dem Tweet zu. Die Ford-Aktie stieg im Tagesverlauf um über vier Prozent. Als er einen Tag später dagegen von Toyota forderte, den Kleinwagen Corolla in den USA statt in Mexiko zu bauen, sackte das Papier deutlich ab und verlor 4,3 Milliarden Dollar an Marktwert.

Trump, der Schreck der Börse: Die Kurznachrichten aus dem Weißen Haus waren lange Zeit gefürchtet bei den Unternehmen. Viele legten sich einen Notfallplan zurecht, um auf „Trump-Tweets“ zu reagieren, ähnlich wie es in der Krisenkommunikation auch Pläne für Naturkatastrophen und größere Werksunfälle gibt.

Noch nie zuvor hat ein Präsident so ungezügelt die Managemententscheidungen von Amerikas größten Konzernen kritisiert und Stimmung für oder gegen Unternehmen gemacht, so wie es am besten mit seinen eigenen politischen Zielen zusammenpasste.

Amazon im Visier

Mittlerweile hat die Sorge vor dem Twittersturm aus dem Weißen Haus abgenommen. Vor allem was die Tweets angeht, in denen bestimmte Unternehmen gelobt oder kritisiert werden, zeigt sich: Trump bewegt mit seinen Kurznachrichten zwar die Aktienkurse. Aber nur wenig. „Die Tweets haben keinen signifikanten Effekt“, heißt es in einer Studie der University of Illinois Springfield.

Am 29. März etwa twitterte Trump gegen Amazon. „Anders als andere zahlen sie kaum oder keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen, sie nutzen die Post als Lieferjungen (und sorgen für große Verluste in den USA) und treiben Tausende von Einzelhändler in die Pleite“, kritisierte Trump. Dass Amazon-Chef Jeff Bezos Besitzer der „Washington Post“ ist, die Trump ablehnt, spielte vielleicht auch eine Rolle. Die Aktie sank um gut fünf Prozent, erholte sich aber binnen eineinhalb Tagen wieder.

Eine Attacke gegen Motorradbauer Harley Davidson Ende Juni ließ die Aktie in den frühen Handelsstunden um zwei Prozent einbrechen, doch schon gegen Mittag hatte sie fast alle Verluste wieder wettgemacht. Der Sportartikelhersteller Nike war nach einer Trump-Attacke gestärkt.

Der Präsident unterstellte, Nike werde „absolut fertiggemacht“, weil der Konzern den umstrittenen Football-Spieler Colin Kaepernick als Werbeikone einsetze. Zwar war die Nike-Aktie in den Tagen zuvor wegen der Werbeaktion unter Druck geraten. Nach dem Tweet aus dem Weißen Haus ging es für das Papier jedoch vor allem aufwärts.

„Es wird höchste Zeit, dass die Tweets über einzelne Unternehmen ihren Einfluss verlieren“, sagt Matt Maley, Aktienstratege des Vermögensverwalters Miller Tabak. Anleger hätten längst erkannt, dass Trumps Kurznachrichten nicht immer der Wahrheit entsprechen. „Er übertreibt in beide Richtungen. Die Leute sind das einfach leid.“

Mit seinen politischen Entscheidungen hat Trump dagegen sehr wohl großen Einfluss auf die Märkte. Die Steuerreform hat die Kurse der US-Aktien Anfang 2018 zunächst beflügelt. Der Effekt könnte jedoch schon bald verpuffen, warnt Axel Pierron vom Analysehaus Optimas. Das wiederum könnte Verbraucher und Unternehmen dazu verleiten, vorsichtiger zu sein, statt mehr auszugeben und zu investieren.

Auch der Handelsstreit mit China hält die Börsen seit Monaten in Atem. „Die Politik von Donald Trump, abseits der Tweets, hat also durchaus einen Effekt“, stellt er klar.

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