Aktienmarkt Gefährliche Euphorie an den Börsen

Die Sicherheit, in der sich die Anleger derzeit wähnen, ist trügerisch. Auch wenn momentan kaum eine schlechte Meldung die Börsenstimmung trüben kann - keines der Probleme aus dem vergangenen Jahr wurde bisher gelöst.
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Börse in Frankfurt: Psychologische Faktoren treiben derzeit die Kurse nach oben. Quelle: Reuters

Börse in Frankfurt: Psychologische Faktoren treiben derzeit die Kurse nach oben.

(Foto: Reuters)

FrankfurtAussagen wie diese sind gerade zwei Monate alt. „Deutschland wird wegen seiner Exportorientierung von der Rezession in der Euro-Zone getroffen“, sagte Stefan Schneider, der internationale Chefökonom der Deutschen Bank Anfang Dezember. Noch skeptischer war die Prognose von William de Vijlder. „Die Probleme scheinen größer denn je“, meinte der Chief Investment Officer und damit oberste Anlageberater von BNP Paribas Investment Partners. Daniel McCormack von der australischen Großbank Macquarie sah wenigstens einige Lichtstrahlen in der allgemeinen Düsternis, als er über die Börsen im Jahr 2012 sinnierte.

Im Februar scheinen diese Prognosen wie aus einer anderen Zeit. Der Dax hat in den ersten sechs Wochen des Jahres fast 900 Punkte zugelegt; so gut verlief der Jahresstart noch nie, seitdem Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer im Jahr 1988 erstmals berechnet wurde. Ähnlich gut sieht es an vielen anderen Handelsplätzen aus.

„Die Anleger haben im Januar deutlich offensiver reagiert als noch im Dezember“, erklärte Marcel Langer von der Schweizer UBS. Nicht nur Großanleger, sondern auch viele Private sind im Laufe des Januars immer mutiger geworden. Die Großen steckten so die Kleinen an; und das führte in der Summe dazu, dass alle Probleme und Bedenken, die es wenige Wochen zuvor gab, wie weggeblasen erscheinen. Griechenland und Schuldenkrise, Inflations- und Deflationsängste, nicht zuletzt die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in den immer wichtiger werdenden Schwellenländern. In China, Indien oder in Brasilien. All das ist bislang ausgeblieben.

Doch wirklich gelöst sind die Probleme nicht, nur hören will keiner mehr davon. Erst recht nicht, seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) im vergangenen Dezember die Märkte mit 500 Milliarden Euro an frischem Kapital geflutet hat. Danach war klar, dass keine der angeschlagenen Großbanken in Europa mehr pleitegehen wird.

Trendumkehr nennen Charttechniker das Phänomen, wenn plötzlich alle das Gegenteil von dem machen, was gerade noch angesagt war. Von einer Momentum-Strategie sprechen Analysten, die eher die fundamentalen Daten im Blick haben. Wichtig ist beiden, dabei zu sein, wenn die Stimmung an den Börsen kippt. „Wir setzen seit kurzem den Anteil an Bargeld ein, den wir im Herbst systematisch aufgebaut haben“, sagt Alexander Daniels, Vorstandssprecher der Hamburger Vermögensverwaltung Knapp Voith.

Wie er fahren momentan viele Berater die Strategie, dass sie in wackeligen Börsenphasen wie im vergangenen Spätsommer den Aktienanteil nahezu auf null reduzieren. Zieht dann die Börse wieder an wie seit dem Jahresstart, dann kaufen alle plötzlich wieder ein. Weil das so ist, gibt es auch diese extremen Kursausschläge, die in dieser Form in der Vergangenheit selten zu beobachten waren.

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33 Kommentare zu "Aktienmarkt: Gefährliche Euphorie an den Börsen"

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  • Da ist nichts falsches dran, die Börsianer kenne den Markt. Es gibt sehr gute Dividenden bei den Aktien die durchaus bis zu 7% Rendite gehen.

    Lieber Aktien als Staatsanleihen

    Solide Unternehmensdaten überzeugen und die sind real vorhanden.
    Das rechtfertigt den Anstieg der überwiegend unterbewerteten Aktien, der Indizes im Allgemeinen.

    Es zählt wieder das Unternehmen und dessen Performance.

  • @ SchwarzMaler

    Optimist ist ein Synonym für Ignorant.

  • @ itsk

    Tja, so ist das halt, wenn Hänsel beim Pfeifen im Wald gestört wird... dann wird er hysterisch.

  • @ troll-buster

    Für Ihre Wahrnehmungsverweigerung bin ich nun wirklich nicht verantwortlich - Sie für Ihr Bohlen-"Niveau" aber schon.

  • siggi40 hat eine website, einfach mal googeln, dann dürfte jedem klar sein, das dieses Subjekt keiner Würdigung bedarf - außer natürlich taschentuchaffine Webcamfans. Die Gosse pur.

  • @Markus
    Pessimisten mögen Arm bleiben, aber sie schaden niemanden. Die Weltfinanz- und Immobilienkrisen sind von Optimisten ausgelöst worden.

  • Hier ein bisschen Geisterbahn in Sachen China-Schimäre alias 65-Millionen-Potemkin-Bubble-Dorf:

    http://www.youtube.com/watch?v=rPILhiTJv7E

  • Das Problem bei den meisten Analysten ist, dass diese sich wie Herdentiere verhalten. Während sie 2011 den Dax kollektiv zu hoch eingeschätzt haben, liegen sie 2012 höchstwahrscheinlich zu tief mit ihrer Jahresprognose. Eine Ausnahme ist Markus Reinwand von der Helaba.

  • Heul doch, aber nerv mich nicht, Gehirnverbrand!

  • Ja, Volatilität bedeutet Schwankungen der Vergangenheit. Unter www.rating-index.com habe ich eine Berechnung für alle gefunden.

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