Warren Buffett

Der Star-Investor verfasst jedes Jahr einen Brief an die Aktionäre seiner Firma Berkshire.

(Foto: AP)

Aktionärsbrief Buffett vergleicht Lust auf Übernahmen mit jugendlichem Sextrieb

In seinem Brief an die Aktionäre kritisiert der Star-Investor die hohen Unternehmensbewertungen. Er profitiert jedoch von der US-Steuerreform.
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New YorkWarren Buffetts Brief an die Aktionäre hat Kultstatus. Vor allem, weil sich der 87-jährige Star-Investor gern mit den großen Themen befasst und Anlagetipps für seine Aktionäre gibt. Die Zahlen fürs vierte Quartal, die er stets zeitgleich veröffentlicht, spielen da fast eine Nebenrolle. Schließlich ist Buffett für seinen langen Investitionshorizont bekannt. Wie sich die Daten seines Konglomerats Berkshire Hathaway alle drei Monate verändern, hält er selbst nicht für besonders wichtig.

Es war ein gutes Jahr für den Konzern aus Omaha, im Bundesstaat Nebraska. Der Nettogewinn hat sich im vierten Quartal fast verfünffacht auf 32,6 Milliarden Dollar. Das liegt jedoch vor allem an den Effekten der US-Steuerreform, die Ende 2017 verabschiedet wurde. Die Reform begünstigt vor allem Unternehmen, die wie Berkshire einen Großteil ihres Gewinns in den USA erwirtschaften. Buffett zufolge sorgte das für ein Plus von rund 21 Milliarden Dollar.

Aufs Jahr gesehen kletterte der Berkshire-Gewinn damit von 24 Milliarden Dollar auf 45 Milliarden Dollar. Ohne diesen Sondereffekt sieht es jedoch etwas weniger rosig aus. Die Naturkatastrophen haben Berkshires Versicherungsgeschäft zu schaffen gemacht. Der operative Gewinn im vierten Quartal ging um 24 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zurück.

Das ist das Warren-Buffett-Portfolio – von Apple bis Walmart

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
L&S

-0,79 -0,47%
+169,17€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
1 von 45

Aufgestockt (1/4)

Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway ist seit dem ersten Quartal 2016 Aktionär des Technologiekonzerns Apple – und das, obwohl Buffett als Skeptiker gegenüber Technologiewerten gilt. Der Star-Investor hatte seine Beteiligung in den vergangenen Quartalen kontinuierlich aufgestockt. Offenbar ist der Investor zufrieden mit dem Technologiekonzern aus dem Silicon Valley. Im vierten Quartal 2017 stockte er seinen Anteil um 23,3 Prozent auf. Dadurch bilden die Apple-Aktien mittlerweile die größte Beteiligung in dem Buffett-Konglomorat Berkshire.

Buffetts Anteile: 165,3 Millionen Stück
Veränderung im vierten Quartal 2017: plus 23,30 Prozent
Wert der Beteiligung: 27,97 Milliarden Dollar

Quelle aller Angaben:13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das vierte Quartal 2017 (nur US-Aktien). Stand: 31. Dezember 2017, veröffentlicht am 14. Februar 2018.

BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0640581007
Börse
L&S

+1,33 +3,30%
+43,08€
Chart von BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01
Bank of New York Mellon
2 von 45

Aufgestockt (2/4)

Die zweitgrößte Investition im vierten Quartal 2017 erfolgte im Finanzsektor. Seine Beteiligung an der Aktie des Geldinstituts Bank of New York Mellon hat der Star-Investor um 21,08 Prozent aufgestockt. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres legte er noch eine Pause ein, zuvor hatte in den beiden letzten Quartalen des Jahres 2016 und in den ersten beiden Quartalen 2017 die Aktie gekauft.

Buffetts Anteile: 60,818 Millionen Stück
Veränderung im vierten Quartal 2017: plus 21,08 Prozent
Wert der Beteiligung: 3,27 Milliarden Dollar

Monsanto

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
n. a.

Chart von Monsanto
Monsanto
3 von 45

Aufgestockt (3/4)

Der Zeitpunkt war günstig: Kurz vor der geplanten Übernahme durch den deutschen Chemieriesen Bayer stieg Buffett im vierten Quartal 2016 bei dem US-Saatgutkonzern Monsanto ein. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte damals acht Millionen Papiere des Konzerns und erhöhte im dritten Quartal 2017 seine Beteiligung um gut zehn Prozent. Und im vierten Quartal des vergangenen Jahres hat Buffett die Beteiligung um weitere 31,95 Prozent aufgestockt und besitzt damit knapp zwölf Millionen Aktien vom US-Konzern.

Buffetts Anteile: 11,708 Millionen Stück

Veränderung im vierten Quartal 2017: plus 31,95 Prozent

Wert der Beteiligung: 1,367 Milliarden Dollar

U.S. BANCORP REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US9029733048
Börse
L&S

+2,56 +5,62%
+47,90€
Chart von U.S. BANCORP REGISTERED SHARES DL -,01
US Bancorp
4 von 45

Aufgestockt (4/4)

Nur geringfügig – um 2,35 Prozent – wurde die Beteiligung an der Bank US Bancorp erhöht. Bei dieser Position hatte es in den vergangenen Quartalen immer wieder ein leichtes Auf und Ab gegeben. Im dritten Quartal 2017 gab es noch keine Veränderung.

Buffetts Anteile: 87,05 Millionen Stück
Veränderung im vierten Quartal 2017: plus 2,35 Prozent
Wert der Beteiligung: 4,6 Milliarden Dollar

TEVA PHARMACEUTICAL INDS LTD. REG. SHARES (ADRS)/1 IS-,10

WKN
ISIN
US8816242098
Börse
L&S

-0,05 -0,27%
+19,41€
Chart von TEVA PHARMACEUTICAL INDS LTD. REG. SHARES (ADRS)/1 IS-,10
Teva
5 von 45

Neu gekauft

Der einzige Neuerwerb im vergangenen Quartal: Die Aktie der israelischen Teva Pharmaceutical Industries. Insgesamt kaufte Berkshire Hathaway 18,88 Millionen Aktien. Das war ein antizyklischer Kauf: Preisdruck bei Generika und verschärfter Wettbewerb im US-Markt haben dem israelischen Arzneimittelhersteller Teva zugesetzt. Im vergangenen Geschäftsjahr fiel deshalb ein operativer Verlust von 17,5 Milliarden Dollar an. Der Konzern ist die Muttergesellschaft des deutschen Herstellers Ratiopharm.

Buffetts Anteile: 18,9 Millionen Stück
Wert der Beteiligung: 358 Millionen Dollar

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
L&S

+0,44 +0,41%
+106,00€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
6 von 45

Reduziert (1/5)

Gemessen am Investmentvolumen gehörte der Software-Hersteller IBM einst zu den Lieblingen im Buffett-Portfolio. Doch das ist Geschichte. Fast alle IBM-Aktien flogen im vergangenen Quartal aus dem Depot. Bereits im ersten Quartal 2017 reduzierte die Gesellschaft ihre Beteiligung um gut ein Fünftel und legte im zweiten Quartal noch einmal nach. Im dritten Quartal trennte sich Buffett von einem weiteren knappen Drittel der Anteile.

Buffetts Anteile: 2,04 Millionen Stück
Veränderung im vierte Quartal 2017: minus 94,4 Prozent
Wert der Beteiligung: 314 Millionen Dollar

GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US37045V1008
Börse
L&S

+0,26 +0,82%
+31,03€
Chart von GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01
General Motors
7 von 45

Reduziert (2/5)

Auch an der ehemaligen Muttergesellschaft des deutschen Automobilbauers Opel, General Motors, ist der Investor beteiligt. Allerdings ist die Höhe der Beteiligung zuletzt um knapp 17 Prozent gesunken. Noch im dritten Quartal 2015 hatte der Star-Investor seine Anteile um 22 Prozent deutlich aufgestockt und griff im zweiten Quartal 2017 noch einmal zu. Im dritten Quartal blieben die Anteile noch konstant.

Buffetts Anteile: 50 Millionen Stück
Veränderung im vierten Quartal 2017: minus 16,7 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,05 Milliarden Dollar

Vor allem die Eisenbahn-Sparte BNSF und Berkshires Industriesparte schnitten im vergangenen Jahr jedoch gut ab. BNSF machte vier Milliarden Dollar Gewinn, ein Plus von elf Prozent. Die Industriesparte trug 6,2 Milliarden Dollar zum Gesamtgewinn bei, etwas mehr als die 5,6 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Die Berkshire-Aktie der Klasse A legte 2017 in einem insgesamt starken Aktienmarkt ebenfalls deutlich zu. Sie legte 22 Prozent zu und durchbrach Ende 2017 zum ersten Mal die Rekordmarke von 300.000 Dollar. In seinem Brief konzentrierte sich Buffett vor allem auf folgende Punkte:

Übernahmen
Buffett ist seit Jahren auf Einkaufstour. Berkshires Cash-Reserven lagen Ende 2017 bei 116 Milliarden Dollar, knapp 30 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Damit könnte er sich fast jedes Unternehmen leisten. Doch der Berkshire-Chef ist kniepig. Die hohen Preise, die derzeit vorherrschen „waren ein Hindernis bei praktisch allen Deals, die wir 2017 angeschaut haben“, moniert Buffett. „Preise für Unternehmen, die zwar attraktiv aber keineswegs spektakulär sind, waren auf einem Allzeithoch. Es scheint, als seien Preise fast irrelevant für die Armee von optimistischen Käufern da draußen.“

Buffett wollte im Sommer den texanischen Stromanbieter Oncor für neuen Milliarden Dollar kaufen, wurde dann aber in letzter Minute von Hedgefonds-Manager Paul Singer überboten. Buffett ist bekannt dafür, nicht in Bieterkämpfe einzusteigen, also zog er sich zurück.

Der derzeitige Kaufrausch sei angetrieben von niedrigen Zinsen und Wall-Street-Analysten, die von ambitionierten Vorstandschefs Übernahmen forderten, so Buffett. Die Lage macht ihn zynisch: „Wenn Analysten so einen CEO drängen, über Übernahmen nachzudenken, dann ist es ein bisschen so, als wenn Sie ihrem Teenager zu Hause sagen, er oder sie solle auf jeden Fall ein normales Sex-Leben führen“.

Immerhin: Berkshire übernahm 2017 rund 39 Prozent am Raststättenbetreiber Pilot Flying J. und die vielen Tochterunternehmen haben ihrerseits wiederum einige Übernahmen vollzogen – auch in Deutschland. Berkshires Industrieunternehmen Precision Castparts übernahm die Wilhelm Schultz GmbH aus Krefeld.

Hohe Verschuldungsraten lehnt Buffett seit jeher ab. Je unvorsichtiger die anderen seien, desto vorsichtiger müsse er selbst handeln, stellt er klar.

Versicherungsgeschäft
Es ist eines der wichtigsten Standbeine für Berkshire. Doch 2017 war für die gesamte Branche ein schwieriges Jahr, mit drei großen Hurrikans in Florida, Texas und Puerto Rico. Buffett erwartet Verluste in Höhe von rund drei Milliarden Dollar vor Steuern oder zwei Milliarden Dollar nach Steuern. Insgesamt belaufen sich die Schäden laut Branchenschätzungen auf 100 Milliarden Dollar.
Die Naturkatastrophen sorgten auch dafür, dass das Versicherungsgeschäft den ersten Verlust seit 14 Jahren schrieb: ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar.

Aktienpakete
Berkshire hält Aktienpakete von großen US-Konzernen. Die Anteile waren Ende 2017 rund 170 Milliarden Dollar schwer. Buffett investiert hier gemeinsam mit seinen beiden Investment-Chefs Ted Weschler und Todd Combs, die beide rund 12 Milliarden Dollar in Eigenregie verwalten. Die meisten Anteile hat Berkshire an Wells Fargo, Apple und der Bank of America. 2017 erhielt Berkshire 3,7 Milliarden Dollar an Dividenden. Der Star-Investor ist mit Blick auf Aktien weiter optimistisch: „Wer in Amerika in Aktien investiert, hat Rückenwind“, schreibt er.

Lob für mögliche Nachfolger
Buffett hat im Januar zwei langjährige Berkshire-Manager befördert und damit einen deutlichen Hinweis gegeben, wer eines Tages sein Nachfolger werden könnte. Ajit Jain, der die Versicherungssparte leitet, und Greg Abel, Chef von des Energie-Geschäfts, sind in den Verwaltungsrat berufen worden und sind nun zusätzlich stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende. Berkshire-Aktionäre könnten sich glücklich schätzen, dass Jain und Abel für Berkshire, schrieb Buffett. „Durch ihre Adern fließt Berkshire-Blut. Ihr Charakter ist genauso stark ausgeprägt wie ihr Talent. Und damit ist eigentlich alles gesagt.“

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